14. Juli 2011 14:06 Uhr

Neues im Papa-Blog: Papa (war) allein zu Haus

Von Carsten Schulte

Der erste Abend ohne die Mama zuhause. Der erste Abend für den jungen (im Sinne von "frischgebacken", nicht wirklich jung) Papa mitsamt Baby. Wie es gelaufen ist, steht hier...

Am Mittwochabend war Kerstin, meine treue Gattin und Weggefährtin und Mutter meines Sohnes, kurzzeitig abtrünnig. Bon Jovi in Düsseldorf klang spannender als der olle Gatte daheim mit Kind.

Wie mir ein dröhender Handyanruf, schiefer Gesang aus dem blechernen Lautsprecher und Fetzen von "Living on a prayer" aus der Düsseldorfer Arena verriet, lief bei der Gattin alles bestens.

Und vorab: Jakob lebt und lacht heute noch und damit dürfte ich die erste echte Hürde überwunden haben. Wenn auch mit zitternden Knien, wackeligen Beinen und einem gehörigen Adrenalinspiegel.

Kerstin war bereits am späten Nachmittag mit leuchtenden Wangen abgerauscht. Unseren kleinen Jakob hatte sie ihren Eltern in die Arme gedrückt, die das Kind temporär, also bis zu meiner Rückkehr betreuen sollten.

Opa und Kind, beide grinsend

Kaum eingetroffen, fand ich Jakob in bester Stimmung auf dem Wickeltisch vor, der Opa über ihn gebeugt, beide grinsend. Ein gutes Zeichen. Eine gute halbe Stunde später, nach einem Herumgealber mit Kind und Opa, klappte die Wohnungstür zu, die Schwiegereltern waren verschwunden und der Papa stand allein mit dem Kinde da. Ganz allein.

Jakob schaute zu mir hoch, erwartungsfroh. "Los" schienen seine Augen zu sagen. "Mach was mit mir, du fauler Vater." Machen wollte ich wohl, aber zunächst mir. Essen war angesagt, denn in weiser Voraussicht hatte der Schwiegerpapa Schnitzel hergestellt. Zwischen Kind und Schnitzel abzuwägen, fällt mir leicht.

Jakob hatte wohl auch das Gefühl, etwas zu schnell beiseite geräumt worden zu sein. Und quittierte das mit dem baby-typischen Unwillen, Gekrähe, kurz "Gemopper".

Und dieses Geräusch, wenn der Säugling seine Lippen schürzt und "muähhh" macht, ist ein Alarmsignal. Nichts mit Schnitzel, stattdessen Gassigehen mit dem Kinde. Kerstin hatte mir den Kinderwagen ins Wohnzimmer geräumt, viel subtiler war ihr der Tipp nicht möglich...

Vorher schickte sie mir ein Foto von Jakob mit einer Art Anleitung, wie man ein Baby so eng "einpuckt", dass es sich nicht durch exzessives Geruder mit Armen und Beinen selber wahnsinnig macht. (Das Foto des Artikels vom Vortage, wenn Sie selber schauen möchten).

Ich versuchte angesichts des zunehmenden "Gemoppers", diese Konstruktion nachzuahmen. Jakob fand das nicht unterhaltsam. Ich versuchte, ihn durch die Zugabe von Milch abzulenken. Jakob fand das nicht gut. Gemopper, Gemopper.

Schnarchen

Ich will das Thema nicht auswalzen, aber schon eine Stunde später und dank intensiven Kinderwagengeruckels fielen dem Kind dann die Augen zu und es begann zu schnarchen. Nun ist schnarchen nicht zwingend eine Auszeichnung, aber wer als Vater seinen Sohn dazu bringt, in Ruhe wegzudämmern, betrachtet Schnarchen als Gewinn.

Kurz angemerkt sei, dass ich über all das Geschüttel, Geruckel und Geschaukel auch noch damit beschäftigt war, einhändig unseren DVD-Rekorder mit "Grey's Anatomy" zu befüllen, womit mich Kerstin dringend beauftragt hatte. Von wegen "multi tasking" und Frauen. Wir Jungs kriegen mehr hin, als man uns zutraut.

"Grey" programmiert, Kind geschaukelt - ich erwarte fast minütlich die Auszeichnung als Vater des Jahres am Bande.

Wie auch immer. Nachdem Jakob also erfolgreich in den Schlaf gesunken war, verfrachtete ich ihn sogleich in die Wiege im elterlichen Schlafzimmer.

Gewisser Kontrollzwang

Der Rest des Abends verlief in einer Mischung aus banger Erwartung und einem gewissen Kontrollzwang. Kinder können schnarchen, lärmen, grunzen - aber sie können auch fast lautlos schlafen. Lautlosigkeit ist für Eltern aber nur schwer zu ertragen. "Lebt das Kind noch?" Die bange Frage klingt für Nicht-Eltern ungewöhnlich, aber dass Kerstin und ich abends um die Wiege schleichen wie eine Katze um eine Maus, ist Teil unseres Lebens geworden.

Mit Kerstins Rückkehr irgendwann nach Mitternacht endete ein scheinbar endloser Abend. "Und, wie lief's?" Ich so: "Ach, das war doch easy."

Ich befürchte, diese Bemerkung wird noch zum Bumerang...

Quelle: westline


Vater werden ist nicht...
Wie sich das Vatersein so mit dem Leben verträgt, darüber bloggt hier Carsten Schulte. Seine ersten Schritte als Papa. Das kann ja heiter werden...

In den Hauptrollen dieses Blogs:

Carsten - der Papa. Mittlerweile 42 Jahre alt und vollauf damit beschäftigt, dem Nachwuchs hinterherzurennen.
Kerstin - die Mama. jetzt 36 Jahre alt und als Diplom-Psychologin in der Lage, hormonell bedingt zu weinen und dabei über sich selbst zu lachen.
Jakob Benjamin - der Sohn. Geboren am 9. März 2011 um 3.04 Uhr. Hier zu lesen in einer Doppelrolle als Dr. Jekyll und Mr. Hyde.
 
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