06. Oktober 2011 14:48 Uhr

Neues im Papa-Blog: Jakob, Entdecker und Zerstörer

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Man täusche sich nicht: Das hier ist Jakob, wenn er schläft. Wenn er nicht schläft, nimmt er unsere Wohnung auseinander. 

Von Carsten Schulte

Nach dem jüngsten Text über Vergesslichkeit in der Schwangerschaft bat mich Kerstin, dringend den Focus von ihr abzulenken und den Blick freundlicherweise auf meinen Sohn zu richten. Das sei wichtig, denn der sei gerade damit beschäftigt, unser Leben und unsere Wohnung in Unordnung zu bringen. Nun denn...

Sie hat ja Recht, meine Frau. Jakob ist nun fast sieben Monate alt - wie die Zeit vergeht! - und eines wird immer deutlicher. Die Zeiten werden härter.

Der kleine Mops ist nämlich quietschfidel und wird umso fideler, wie wir müder und abgespannter werden. Beides hängt direkt miteinander zusammen.

Es ist also Großes geschehen: Nachdem unser Nachwuchs nachts mehrfach aufwacht und sich nun einmal in den Kopf gesetzt hat, gerne um halb drei herumtoben zu wollen, haben wir uns entschlossen, ihn auszuquartieren.

Diese Trennung war unausweichlich und wird letztlich auch nur eine von vielen, vielen Trennungen sein, die Jakob in seinem Leben vor sich hat. Glücklicherweise ist er sich dessen heute noch nicht bewusst, aber deswegen muss ihm das alles ja nicht besser gefallen.

Ein Kinderbett

Nun haben wir also ein Kinderbett. Das haben wir im Wohnzimmer unter Zuhilfenahme meines Schwagers errichtet. Nur um später festzustellen, dass wir das vermaledeite Teil nicht durch den engen Flur ins Kinderzimmer bugsieren können. In Einzelteilen dagegen sehr wohl - weshalb wir das Gerät also wieder deinstalliert und neu errichtet haben. Interessanterweise wirkt unser Zehn-Kilo-Drops in seinem neuen Bettchen fast schmal und winzig. Ganz anders als in seiner Wiege, aus der er mittlerweile fast herausgeplatzt war.

Die erste Nacht in seinem eigenen Kinderzimmer begann mit Mutters großen Tränen angesichts dieser Trennung. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es sich hier nicht insgeheim um Freudentränen handelte. Falls dies der Fall wäre, hätten wir ein ernüchterndes Problem. Jakob schläft zwar widerstandslos in seinem eigenen Zimmer. Allerdings wird er dadurch weder ruhiger noch sonstwie pflegeleichter. Nur wir werden agiler.

Nachts um eins hören wir Gewimmer. Raus aus dem Bett, ab ins Kinderzimmer, Baby beruhigen, zurück ins Bett. Sofort zurück, denn Jakob brummelt, weil er versehentlich auf den Rücken gekippt ist und zu müde, um das selber manuell zu korrigieren. Er möchte bitte kurz gedreht werden. Um zwei Uhr trennt sich Jakob dann schmatzend von seinem Schnuller, will ihn aber zurück, hat ihn jedoch auf den Boden geworfen. Mutter springt auf, hetzt ins Kinderzimmer. Halb vier. Jakob wacht auf, hat Durst, schreit, Mama springt. Fünf Uhr: Jakob ist wieder wach, will jetzt gerne unterhalten werden, denn er langweilt sich und immer nur von links nach rechts drehen ist doof. Mama springt.

Achja, Papa springt eher weniger, aber Papa muss auch morgens zur Arbeit. (Kerstin: "Doofmann, und was mache ich den ganzen Tag? Glaubst du, Babyhüten ist Freizeitspaß, du Depp?"). Egal. Schlafen kann der Papa bei dem ganzen Gebrülle, Geschnaufe und Gerenne natürlich auch nicht wirklich.

Unterwegs

An dieser Stelle sollte noch einmal darauf hingewiesen werden, dass es Jakob mittlerweile gelingt, sich selber auf den Rücken und von dort wieder zurück auf den Bauch zu drehen. Da er außerdem die Fähigkeit zum Robben erlangt hat, erweitert sich sein Bewegungsradius erheblich.

Heute Morgen, nachdem Jakob mich fröhlich glucksend zu seinem Bettchen gerufen hatte, habe ich ihn nur kurz - ich schwöre! - im Wohnzimmer auf seine Schnuffeldecke gelegt. Als ich nur zwei Minuten später zurückkehrte, hatte das Kind eine Schneise in seine Schnuffeltiere, Spielbälle und sonstigen Unterhaltungsmedien geschlagen und war bis zum Heizkörper (kalt) am Fenster gerobbt. Ich bitte Sie, was sind schon Stofftiere, Schnuller und andere Dinge, wenn man einen Heizkörper entdecken kann!

Jakob mag nicht. Und das auch nicht.

So geht das jetzt den ganzen Tag. Jakob ist verstimmt, wenn er einfach irgendwo hingelegt wird. Er mag lieber entdecken. Die Stereoanlage. Die Steckdosen. Kabel, viele Kabel. Blumenkübel. Bücher. Ganze Bücherregale. Wenn er auf dem Bauch liegt, möchte er lieber auf dem Rücken liegen. Wenn er das geschafft hat, stellt er fest, dass über ihm nichts als Decke ist. Langweilig. Umdrehen ist anstrengend, also wird gemault. Nach irgendetwas greifen ist schön. Das nicht in die Finger bekommen, ist blöd. Es wird geschimpft, er rümpft seine Kindernase und legt die Stirn in Falten. Er ist wütend, wenn er nicht sofort bekommt, was er will. Er schreit dann. Kerstin sagt, das hat er von seinem Vater. Das bestreite ich energisch, ich schreie nicht. Höchstens mal, wenn Mutti tagsüber Papis Schokoladen-Verstecke entdeckt. Aber das ist ein anderes Thema.

Fassen wir also zusammen: Jakob wird vom Baby zum Kleinkind. Das kann heiter werden.

P.S. Liebe Schwiegerelten, Omas und Opas: Wenn Jakob gelegentlich etwas ramponiert ausschaut, dann liegt das nicht an einer Fehlbedienung durch uns, sondern daran, dass er buchstäblich mit seinem Kopf überall durch die Wand will. Ehrlich.

Quelle: westline


Vater werden ist nicht...
Wie sich das Vatersein so mit dem Leben verträgt, darüber bloggt hier Carsten Schulte. Seine ersten Schritte als Papa. Das kann ja heiter werden...

In den Hauptrollen dieses Blogs:

Carsten - der Papa. Mittlerweile 42 Jahre alt und vollauf damit beschäftigt, dem Nachwuchs hinterherzurennen.
Kerstin - die Mama. jetzt 36 Jahre alt und als Diplom-Psychologin in der Lage, hormonell bedingt zu weinen und dabei über sich selbst zu lachen.
Jakob Benjamin - der Sohn. Geboren am 9. März 2011 um 3.04 Uhr. Hier zu lesen in einer Doppelrolle als Dr. Jekyll und Mr. Hyde.
 
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