06. Oktober 2011 10:23 Uhr

Neues aus dem Papa-Blog: Mama wird vergesslich...

Von Carsten Schulte

Viele Begleiterscheinungen der Schwangerschaft - und des darauf folgenden Kindes - erfährt man irgendwie nur, wenn man selber beteiligt ist. Und manche davon haben so gar nichts zu tun mit den weichgezeichneten Bildern, die wir im Fernsehen sehen...

Ich wundere mich, dass die "Stilldemenz" noch kein Thema im Blog war. Vermutlich vergessen (sorry für den Kalauer). Dabei ist die Stilldemenz kein eingebildetes Phänomen, sondern eine tatsächlich, sehr real existierende Begleiterscheinung der Zeit rund um die Geburt.

Sie betrifft vor allem die Mutter. Ich selber kann mich schon an normalen Tagen an viele Dinge nicht mehr erinnern. Hab ich jetzt schon den Müller runtergebracht? War ich einkaufen? Wann ist mein Hochzeitstag? Kurzum: all die kleinen Dinge, die wir Männer uns so unglaublich schwer merken können.

Frauen sind da fitter. Die wissen genau, ob der liebe Papa den Müll schon... aber lassen wir das, hier geht's ja nicht um uns Kerle, sondern um die Mamas. Und die kämpfen mehr oder minder stark mit einer nachlassenden Gedächtnisleistung.

Wie war dein Tag?

Kerstin bildet da keine Ausnahme. Es gibt Tage, da ruft sie mich aus dem Kinderzimmer und wenn ich dann kaum zwei Stunden später reagiere, hat sie bereits vergessen, was sie von mir wollte (sorry, noch ein Kalauer). Tatsächlich kann sich Kerstin unglaublich schlecht Dinge merken. Wir reden hier nicht vom Ehe-Alltag. "Schatz, wie war dein Tag?", fragt sie mich üblicherweise. Meine Antwort beginnt meist mit "Ach, in der Bahn, da saß mir ein Mann gegenüber... blablabla... später habe ich einen Artikel über etwas unglaublich Interessantes..."
"Aha..."
"Und dann war da noch der eine... usw. usw..."
"Ahamm.."
"Mittags hatte ich... etc."
"Und, Schatz, wie war dein Tag?"
"Was?"

All diese Aussetzer sind nun Alltag geworden. Unsere Wohnung ist ein Sammelsurium von Listen, Spickzetteln und Hinweisen. Alles, damit Kerstin daran denkt, etwas zu tun, das sie nicht vergessen wollte.
Manchmal vergisst sie, wofür die Spickzettel waren, das ist natürlich kontraproduktiv.

Wenn ich ihr morgens erzähle, das ich abends einen Termin habe, dann beschimpft sie mich abends trotzdem, warum ich ihr nichts davon erzählt hatte.
Wenn sie zum Einkaufen fährt, bringt sie die abseitigsten Produkte mit. Nur das, wofür sie eigentlich losgefahren war, hat sie vergessen. Zugegeben, das sind die Extreme.

Es gibt viele Kleinigkeiten in unserem Leben als Eltern, die wir nun mehrfach besprechen müssen, weil sie vergessen hat, was wir vor einer halben Stunde besprochen hatten.

Etwas dümmlich

Natürlich kommt sich Kerstin dabei gelegentlich etwas dümmlich vor. Das Problem: es gibt für eine Stilldemenz offenbar keine wirkliche wissenschaftliche Grundlage. Gängigen Artikeln zufolge könnte die Vergesslichkeit von Müttern schlicht ihrem hormonellen Ungleichgewicht geschuldet sein. Und natürlich dem Kind selber, beziehungsweise dessem unsteten Lebenswandel.

Wenn Mütter nächtens viermal aufstehen, das Kind beruhigen oder herumschleppen müssen, wenn ihr Schlaf ohnehin nur oberflächlich und leicht ist - wer wäre da nicht völlig von der Rolle?

Spuren dieser Veränderung sind übrigens auch in unserer Küche zu bemerken. Kerstin trinkt üblicherweise Tee. Seit einiger Zeit braut sie sich einen Macchiato, seit gestern trinkt sie Kaffee pur und eben gerade flüsterte sie müde ins Telefon "Ich steige auf Espresso um".

Mal schauen, ob sie sich morgen noch daran erinnert...






 

Quelle: westline


Vater werden ist nicht...
Wie sich das Vatersein so mit dem Leben verträgt, darüber bloggt hier Carsten Schulte. Seine ersten Schritte als Papa. Das kann ja heiter werden...

In den Hauptrollen dieses Blogs:

Carsten - der Papa. Mittlerweile 42 Jahre alt und vollauf damit beschäftigt, dem Nachwuchs hinterherzurennen.
Kerstin - die Mama. jetzt 36 Jahre alt und als Diplom-Psychologin in der Lage, hormonell bedingt zu weinen und dabei über sich selbst zu lachen.
Jakob Benjamin - der Sohn. Geboren am 9. März 2011 um 3.04 Uhr. Hier zu lesen in einer Doppelrolle als Dr. Jekyll und Mr. Hyde.
 
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