10. Februar 2012 13:29 Uhr

Grenzerfahrungen eines Vaters: HILFE! Er blutet!

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Mangels Geistesgegenwart gibt es kein Foto von Jakobs erster blutiger Lippe. Stattdessen ein friedvolles Bild vom müden Kinde... 

Von Carsten Schulte

Es musste ja so kommen, wir haben darauf gewartet. Zehn Monate, wundervolle Monate lang hat sich unser Filius bemerkenswerterweise nicht selbst verletzt. Aber in Zeiten zunehmender Mobilität war das nur eine Frage der Zeit...

Er hat sich verletzt! Jakob Benjamin, mein geliebter Sohnemann, krabbelt ja seit Monaten mit zunehmender Begeisterung durch die Wohnung. Wenn er sich an etwas hochziehen kann, steht er. Er wackelt dabei, aber er steht. Und er ist mittlerweile erstaunlich fix.

Natürlich agiert er dabei ständig in bedenklicher Nähe zu Kanten, Ecken oder spitzen Gegenständen. Aber hey, ein Baby lebt halt immer im Grenzbereich, oder? Ironischerweise zog er sich seine erste Verletzung ausgerechnet in seinem Bettchen zu, das ja sonst eher den seltenen Ruhephasen dient.

Wie hat er's gemacht?

Und wie hat er das gemacht? Für zwei Dinge kann sich Jakob bestens erwärmen. Zum einen findet er großen Gefallen daran, seinen westfälischen Schädel gegen Wände oder Türen zu rammen. Das klingt radikaler als es ist. Er nimmt ja nicht gerade Anlauf, aber er hockt sich hin, zielt, und dengelt dann mit seinem Kopf gegen das Hindernis. Es muss das Geräusch sein, vermuten wir. Aber was wissen wir schon von Kindern.

Zweites Hobby ist das Nagen. Wie jedes Baby oder Kleinkind, das etwas auf sich hält, knabbert und lutscht Jakob mit Wonne an allem herum. Und damit ist buchstäblich alles gemeint. Erst gestern haben wir ihn dabei erwischt, wie er auf dem Boden liegend den Stecker unseres Staubsaugers aufessen wollte.

Inoffiziell unfassbar komisch

Auf unserem Wohnzimmertisch gibt es eine winzige Macke. Sie hebt sich allerdings farblich vom Rest des Tisches ab. Jakob denkt, es handelt sich um einen Krümel. Also klemmt er sich so gut es geht an den Tisch, biegt seinen Oberkörper über den Tisch und versucht den Krümel aufzulecken.

Kurzum: Das alles ist einfach unfassbar komisch und wenn Jakob nicht hinschaut, lachen wir uns kringelig. Die offizielle Stellungnahme dazu lautet allerdings weiterhin "Jakob! Nein!".

Unterdessen hat es der kleine Wicht übertrieben. In seinem Kinderbettchen sollte er nur für wenige Augenblicke zwischengeparkt werden. Wohl aus einem spontanen Anfall von Langeweile begann Jakob an der Seitenwand des Bettchens herumzunagen. Allerdings ohne sicheren Stand. Ein kleiner Wackler, ein verwunderter Blick nach unten - und schon hatte der kleine Kerl seine Oberlippe und seine beiden winzigen Schneidezähne durcheinandergebracht.

Großes Gebrüll. Blutige Zähne.

Ein Glück, dass der Papa ganz Herr der Lage war. Er reagierte, wie es von einem besonnenen, gelassenen Vater erwartet wird, in aller Ruhe und mit all der väterlichen Güte und... naja... Gelassenheit eben.

KERSTIN! KERSTIN!!! JAKOB BLUTET!!! SCHNELL!!! SCHNELL!!!

Derweil brüllt Jakob weiter unverdrossen und dem Vater wird übel, er kann kein Blut sehen. Der Ohnmacht nahe, in einem Anfall von blanker Panik ("Das Kind ist verletzt! Krankenhaus!! Hol den Wagen!"), verschwimmt dem Vater langsam der Blick. Wo bleibt das Eheweib? Unser Kind ist schwer verletzt! Es brüllt!

Hui! Schön.

Dann steht Kerstin im Kinderzimmer. Schaut auf das Drama, dann auf das Kind. Zuckt mit den Schultern. "Ja und? Was soll ich jetzt machen?" Dann nimmt sie Jakob auf den Arm, wiegt ihn einmal langsam hin und her. Ruhe kehrt ein, Jakob schaut schon wieder sehr interessiert auf Mamas Schmuck und beginnt seine winzigen Hände danach auszustrecken. Dann grinst er über beide Ohren. Hui! Mama! Schön.

Papa dagegen hockt am Kinderbettchen, mit zittrigen Händen, während Jakob auf Mamas Arm herumturnt und kichert. Keine Frage. Ich bin eine echte Hilfe.



Vater werden ist nicht...
Wie sich das Vatersein so mit dem Leben verträgt, darüber bloggt hier Carsten Schulte. Seine ersten Schritte als Papa. Das kann ja heiter werden...

In den Hauptrollen dieses Blogs:

Carsten - der Papa. Mittlerweile 42 Jahre alt und vollauf damit beschäftigt, dem Nachwuchs hinterherzurennen.
Kerstin - die Mama. jetzt 36 Jahre alt und als Diplom-Psychologin in der Lage, hormonell bedingt zu weinen und dabei über sich selbst zu lachen.
Jakob Benjamin - der Sohn. Geboren am 9. März 2011 um 3.04 Uhr. Hier zu lesen in einer Doppelrolle als Dr. Jekyll und Mr. Hyde.
 
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