08. März 2012 10:17 Uhr

Neues vom Papa: Der letzte Tag vor der Elternzeit...

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Ob Jakob hier so schaut, weil er bereits ahnt, dass sich die Dinge zuhause ändern werden..? Papa in Elternzeit? Und die Mama? Wo ist die Mama? 

Von Carsten Schulte

Münster - Fast genau ein Jahr lang habe ich in diesem Papa-Blog über meine ersten Schritte mit meinem Sohn Jakob geschrieben. Morgen feiern wir seinen ersten Geburtstag. Und zugleich beginnt meine Elternzeit - zwei Monate Papa und Sohn. Am Tag vorher gibt's eine Vorschau...

Ein Jahr ist also vorüber. Es stimmt, was die Leute sagen. Das erste Jahr vergeht wie im Flug. Gerade erst gestern haben wir im Kreißsaal gelegen, viele Stunden. Da gehörte unser Leben noch uns. Jetzt gehört es Jakob - und das ist nicht einmal schlimm. Denn eines ist mal klar: Seit dieser kleine Drops erst einmal auf der Welt ist, will ich ihn nicht mehr hergeben.

Insgesamt also gute Voraussetzungen für zwei Monate Elternzeit. Dennoch: Papas Gefühlslage bewegt sich einen Tag vor Beginn zwischen verschiedenen Ebenen.

Ebene eins: Freude

Ebene eins ist die Freude darüber, zwei Monate mit meinem Sohn zu verbringen. Als berufstätiger Vater ist das ja eher ein Luxus. Die Regel ist eben doch, das Kind morgens und abends kurz zu sehen und ansonsten aufs Wochenende zu warten.

All die kleinen Erfolge und Fähigkeiten, die Jakob sich im vergangenen Jahr erarbeitet hat, habe ich lediglich als Ergebnis gesehen, nicht jedoch als Prozess. Es liegt also auf der Hand, dass ich gewisse Erwartungen mit den beiden kommenden Monaten verknüpfe.

Ich gehe davon aus, dass Jakob in dieser Zeit sprechen lernt und seine ersten beiden Worte werden, wenn es nach mir geht, "Preußen Münster" sein. Oder wenigstens "Papa toll" (um Mama zu ärgern).

Desweiteren erwarte ich, dass Jakob gehen lernt, selbständig meine Zeitung aus dem Briefkasten fischt, mir morgens einen Kaffee kocht und sich ansonsten friedlich im Wohnzimmer beschäftigt. Ich gehe davon aus, dass es sich hier um realistische Erwartungen handelt, werde das später aber noch mit Kerstin besprechen.

Vermutlich wird Kerstin ihrerseits damit beschäftigt sein, ihrem idiotischen Ehemann genaue Listen und Pläne zu erstellen. Es hat sich nämlich jüngst bei einem eintägigen "Betreuungstestlauf" herausgestellt, dass der Teufel wie immer im Detail... naja, Sie wissen schon. Die Dienstanweisung "Kind füttern" beispielsweise klingt simpel, enthält aber Fallstricke. Füttern? Womit? Wo finde ich die halbe Banane, die in Jakobs Frühstücksbrei gehört. Und wo wir dabei sind: Wie macht man eigentlich Brei? Und wo sind die verdammten Haferflocken?

Und dann der Rest: "9.45 Uhr bis 10 Uhr: Falls Kind die Augen reibt, Kind zum Einschlafen bringen". Achja? Und wenn er sich lediglich die Nase reibt, ich die Geste verwechsle und ein waches Kind zum Schlafen legen will? Und muss er in den Schlafsack? Wo ist der eigentlich?

All die tausend kleinen Dinge, die Kerstin mittlerweile im Schlaf erledigt, den kleinen Kerl auf dem Arm, muss ich mir erst einmal per Bedienungsanleitung beibringen. Und wir alle wissen, wie das ist mit Männern und Bedienungsanleitungen ist. Am Ende bleibt immer eine Schraube übrig. Dann steht der Schrank vielleicht, aber er wackelt. Machen Sie das mal mit einem Kind...

Ebene zwei: Panik

Und genau das ist die Ebene zwei: blanke Panik. Denn Kerstin denkt nicht einmal daran, ihren Gatten in Ruhe der neuen Aufgabe zuzuführen. Direkt in der ersten Woche meiner Elternzeit verabschiedet sie sich in ein einwöchiges Seminar und lässt mich daheim mit Kind, Fläschchen, Windeln und Bedienungsanleitung. Von null auf Papa, das wird ein Spaß.

Gut möglich, dass die lieben Schwiegereltern ihren Enkel häufiger als gewöhnlich zu Gesicht bekommen. Dann nämlich, wenn ein zitterndes Nervenbündel, das früher mal als Papa durchging, zum Hörer greift, verzweifelt um Hilfe ruft, den Schweiß auf der Stirn und ein schreiendes Bündel Kleinkind auf dem Arm.

Naja, vielleicht wird's ja auch sehr schön.

Später mehr dazu an dieser Stelle...

 

Quelle: westline


Vater werden ist nicht...
Wie sich das Vatersein so mit dem Leben verträgt, darüber bloggt hier Carsten Schulte. Seine ersten Schritte als Papa. Das kann ja heiter werden...

In den Hauptrollen dieses Blogs:

Carsten - der Papa. Mittlerweile 42 Jahre alt und vollauf damit beschäftigt, dem Nachwuchs hinterherzurennen.
Kerstin - die Mama. jetzt 36 Jahre alt und als Diplom-Psychologin in der Lage, hormonell bedingt zu weinen und dabei über sich selbst zu lachen.
Jakob Benjamin - der Sohn. Geboren am 9. März 2011 um 3.04 Uhr. Hier zu lesen in einer Doppelrolle als Dr. Jekyll und Mr. Hyde.
 
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