21. September 2012 10:32 Uhr

: Weißes Haus und Chili-Bar: Reise durchs politische Washington

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Maß aller Dinge: Kein Bauwerk in Washington darf höher sein als das Kapitol. Auf seinen Stufen wird der nächste US-Präsident vereidigt. Foto: Michael Zehender 

Von Von Michael Zehender, dpa

Washington - In Washington begegnen Touristen den US-Präsidenten auf Schritt und Tritt - allerdings meist nur den toten. Ihre Denkmäler zählen zu den Hauptattraktionen der Stadt. Näher kommen Urlauber dem amtierenden Präsidenten in einer Chili-Bar.

Ist er nun zu Hause oder nicht? In Großbritannien weiß jeder, wann die Queen im Buckingham Palast ist: Die Flagge auf dem Dach ist ein untrügliches Zeichen. Beim US-Präsidenten können Urlauber sich da nicht so sicher sein: «Die Flagge ist immer gehisst», erklärt Tourguide Michael, «egal ob Barack Obama gerade da ist oder am anderen Ende der Welt.»

Zu sehen bekommen die Touristen den mächtigsten Mann der Welt nur selten. Komplett abgeschirmt vor den Blicken der Öffentlichkeit sind die Wohn- und Arbeitsbereiche des Präsidenten im Weißen Haus. Den Horden von Japanern, Briten und Deutschen, die am Zaun vor dem Weißen Haus stehen, bleiben meist nur Schnappschüsse des Gebäudes. Selbst wer eine der begehrten Einlasskarten ergattert, wird den Präsidenten kaum zu Gesicht bekommen.

An Obamas bekannteste Amtsvorgänger erinnern Denkmäler entlang der National Mall. Sie zählen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Washington. Der erste in der Reihe ist natürlich George Washington, der erste Präsident der USA und Namensgeber von Washington. Eigentlich hätte man von der Besucherplattform auf der Spitze des Washington Monuments den perfekten Blick aufs Weiße Haus. Doch nach einem Erdbeben im vergangenen Jahr wird der knapp 170 Meter hohe Obelisk saniert.

«Das wird mindestens noch bis 2014 dauern», erklärt Tourguide Michael. So bleibt nur der Blick von unten hinauf - oder hinüber zu Abraham Lincoln, der die Sklaverei beendete und für den Aufstieg Amerikas zur Weltmacht steht. Sechs Meter groß und aus Marmor thront Lincoln in einem Gebäude, das an einen griechischen Tempel erinnert.

Im Innern klicken die Fotoapparate, die Besucher drängeln sich um die besten Plätze, um sich vor der Lincoln-Marmorstatue ablichten zu lassen. Diese sollte ursprünglich viel kleiner und aus Bronze sein. Doch Bildhauer Daniel Chester French musste selbst einsehen, dass die drei Meter hohe Statue für den riesigen Tempel viel zu klein war. Die Marmorausführung ist nun fast doppelt so groß.

Weiter geht es zu Franklin Roosevelt. Sein Denkmal ist in vier große Bereiche eingeteilt - jeder steht für eine Amtszeit des Präsidenten. «Roosevelt war der einzige Präsident, der mehr als zwei Amtszeiten hatte», erklärt Michael die Besonderheit. Aufgrund der kritischen außenpolitischen Lage wurde bei Roosevelt die Begrenzung auf zwei Amtszeiten außer Kraft gesetzt. Eindrücklich sind die vier Wasserfälle im Memorial. «Roosevelt war ein Wasserliebhaber», sagt Michael.

Nur wenige Meter weiter hat Thomas Jefferson sein Denkmal gesetzt bekommen. In einem riesigen Pantheon thront der dritte Präsident der Vereinigten Staaten. Von dort hat er direkten Blick zum Weißen Haus - und Barack Obama auf ihn - falls der ein Fernglas zur Hand hat. Noch kein Denkmal an der Wall bekommt hat John F. Kennedy. Auf dem Arlington National Cemetery brennt seit dem Tag seiner Beisetzung eine ewige Flamme neben dem Grabmal. Auch Kennedys Frau Jacky und zwei seiner Kinder sind hier beigesetzt. Stille liegt über der Szenerie, wie über der ganzen weitläufigen Anlage des Friedhofs.

Das riesige Gelände wurde ursprünglich im Amerikanischen Bürgerkrieg zum Friedhof erklärt. Heute werden jährlich tausende Soldaten und ihre Angehörigen hier beigesetzt. Ein weißer Grabstein steht für jeden Verstorbenen - zusammen bilden sie ein Meer in Weiß.

Wer irgendwann genug von toten US-Präsidenten hat, fährt am besten wieder zurück ins Zentrum der Stadt, in die U Street. Dort befindet sich eine Attraktion, die bei vielen Washington-Touristen mittlerweile zum Standardprogramm gehört: «Ben's Chili Bowl». Von außen: ein Imbiss wie Millionen andere auf der Welt auch. Von innen: ein kleines Museum. Barack Obama gehört zu den Stammgästen. Auch mehrere seiner Amtsvorgänger wussten «Ben's Chili Bowl» zu schätzen. Tausende Bilder an den Wänden geben Zeugnis von den prominenten Gästen.

Lincoln, Roosevelt, Kennedy - und nun Obama oder Mitt Romney. Egal wie sich die Wähler Anfang November entscheiden, am 20. Januar wird der neue oder neue-alte US-Präsident in sein Amt eingeführt. Und zwar auf den Stufen des Kapitols. Es ist als Sitz von Senat und Repräsentantenhaus das größte Gebäude der Stadt und das Zentrum von Washington. Ein Stern in der Krypta symbolisiert das.

Im großen Saal unter der Kuppel sind die Besucher wieder von ihnen umringt - den Statuen von US-Präsidenten. Es bleibt dabei: Den toten Staatschefs ist man in Washington ganz nah, dem amtierenden oder einem seiner unmittelbaren Vorgänger begegnet man nur mit viel Glück.

Anreise: Die Flugzeit aus Deutschland nach Washington beträgt rund neun Stunden. Der Internationale Flughafen Washington Dulles liegt rund 40 Kilometer außerhalb der Stadt. Derzeit gibt es nur Busse und Taxis ins Zentrum.

Sehenswürdigkeiten: Ein Besuch des Weißen Hauses ist nur über die Deutsche Botschaft in Washington möglich. Die Memorials sind öffentlich und kostenlos zugänglich. Das Besucherzentrum des Kapitols hat täglich außer sonntags von 8.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Tickets für rund einstündige Touren gibt es vor Ort oder können vorab reserviert werden. Der Arlington National Cemetery hat von April bis September von 8.00 bis 19.00 Uhr, von Oktober bis März von 8.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

Informationen: Destination DC, 901 Seventh Street, N.W., US-Washington D.C., 20001, Tel.: 001/202/789 70 00.


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