28. September 2012 10:32 Uhr

: Wie ein Groupie: Schnitzeljagd durch Obamas Chicago

«
1/7
»

Außerirdische Riesenbohne: Die Cloud-Gate-Skulptur stellt einen fallenden Quecksilbertropfen dar. Foto: Heike Schmidt 

Von Von Heike Schmidt, dpa

Chicago - Seit Barack Obama Präsident der USA ist, gibt es in Chicago eine neue Touristenattraktion: Obama-Touren. Sie führen zu seinem Friseur, seinem Lieblingsimbiss, und zu seinem Haus im Villenviertel Kenwood. Nur eine Station sollten Besucher lieber meiden.

Der arme Mann. Ganz grau ist er geworden in letzter Zeit. Zwei Kriege, globale Wirtschaftsflaute, die Immobilienkrise, miese Arbeitsmarktzahlen und fiese Opposition - kein Wunder, oder? Doch Zariff scheint unbesorgt. «Genau richtig für sein Alter», findet der Friseur und lächelt. Zariff sollte es wissen. Schließlich schneidet er die Haare von Barack Obama schon seit 18 Jahren.

Klein, schmal und unscheinbar ist sein Ladenlokal in Chicago . Glasfenster reichen von der Decke bis zum Boden. Leuchtreklame flimmert draußen. Drinnen spielt leise Soulmusik. Typisch Barbershop, wenn da nicht der ominöse Frisiersessel unter Glas wäre, gleich links am Eingang. Auf dem hat der 44. US-Präsident höchstpersönlich gesessen. Zariff ist mächtig stolz darauf und will den Stuhl für die Nachwelt erhalten. «Schrecklich zottelig» soll Obama ausgesehen haben, als er den Salon betrat. Er wurde Stammkunde und der «Hyde Park Salon» Pilgerstätte.

Wenn Daddy nicht gerade im White House regiert, wohnt Familie Obama nur ein paar Straßen weiter im benachbarten Kenwood. Es ist eine alte Villengegend mit schattigen Bäumen und Multikulti-Flair. Die University von Chicago ist gleich um die Ecke, wo Professor Obama von 1992 bis 2004 Jura unterrichtete.

Selbstverständlich wird das dreistöckige Backsteinhaus im Georgianischen Baustil heute streng bewacht. Je sechs Schlaf- und Badezimmer soll es haben, einen Weinkeller für 600 Flaschen und hochherrschaftliche Säulen vor dem Eingang. Sicherheitsleute bewachen das Eckgrundstück. Schlechte Aussichten für Zaungäste.

Davon gibt es viele. Natürlich spazieren Chicago-Besucher weiterhin durch den Millennium Park mit der spiegelnden Cloud-Gate-Skulptur, die einen fallenden Quecksilbertropfen darstellen soll, aber wie eine Riesenbohne aussieht. Sicher bewundern sie auch Chicagos imposante Architektur, eine himmelsstrebende Wolkenkratzer-Welt aus Stahl, Glas und Beton. Naturkunde- und Kunstmuseum, Aquarium und Planetarium, schicke Shoppingmeile und der Amüsierkai Navy Pier - alles da. Doch Chicagos Sehenswürdigkeiten haben Konkurrenz bekommen: Obama-Touren.

Wie ein Groupie kommt man sich vor, auf Schnitzeljagd nach «Homeboy» Barack. Treffen wird man ihn nicht. Dafür aber interessante Einheimische, wie Marsha Goldstein zum Beispiel, die dem Präsidenten auf Empfängen schon die Hand geschüttelt hat. Wer nicht allein mit dem Stadtplan losziehen möchte, kann sich mit ihr als Reiseführerin auf Trampelpfade durch «Obamaville» begeben. Nur zum Südende Chicagos, wo Barack Obama prägende politische Erfahrungen sammelte, «da fahre ich nicht hin», sagt die resolute Mitsechzigerin entschieden. «Lebensgefährlich!»

Obamas Büro als Community Organizer war damals in einer katholischen Pfarrei (351 E. 113th Street) und so winzig, dass Meetings angeblich im nächsten McDonald's (600 E. 115th Street) bei Big Mac und Cola stattfanden. Die Trinity United Church of Christ (532 W. 95th Street), wo Obama am 3. Oktober 1992 Michelle Robinson heiratete, lag nur wenige Autominuten entfernt. 1995 zog die Gemeinde vier Blöcke weiter.

«Gucken wir uns lieber den Ballsaal an», sagt Marsha und lenkt ihren Mercedes-Geländewagen zum South Shore Cultural Center (7059 S. South Shore Drive). Bogenfenster hat die Festhalle, eine rosa-weiße Zuckerbäcker-Stuckdecke und mächtige Kronleuchter. Darunter haben die Frischvermählten getanzt.

Getroffen hatte Barack Obama seine große Liebe im Sommer 1989. Im ersten Jahr als Jurastudent in Harvard arbeitete er in den Semesterferien als Praktikant bei der renommierten Kanzlei Sidley & Austin. Die junge Rechtsanwältin Michelle Robinson wurde ihm als Mentorin zugewiesen.

«She had him at hello», schwärmt Marsha Goldstein, als wäre sie dabei gewesen. Was soviel bedeuten soll, dass es schon bei der Begrüßung um Barack geschehen war. Erste Avancen wies Michelle als unpassend zurück. Endlich ließ sie sich überreden, ihn zum Baskin-Robbins-Eisladen (1400 E. 53rd Street) in Hyde Park zu begleiten. Der erste Kuss hat nach Schokolade geschmeckt, steht im Obama-Buch «Hoffnung wagen».

Besondere Anlässe feiert das Ehepaar Obama gern etwas feiner im Vier-Sterne-Restaurant «Spiaggia» (980 N. Michigan Avenue). Jakobsmuscheln mit scharfer Würstchenpaste und Morcheln bestellt Mister President für gewöhnlich. Mehr ist dem zugeknöpften Empfangsherrn nicht aus der Nase zu ziehen.

Zariff schneidet nur noch auf Termin. Der «Obama Cut» ist seine Spezialität: ein extra kurzer Putz, besonders hinten und an den Seiten, der anscheinend besonders bei kleinen Jungen beliebt ist und 21 Dollar (17 Euro) kostet. «Mehr bezahlt Obama auch nicht», sagt der sanfte Zwei-Meter-Mann mit den Schaufelhänden und dem Drachentattoo auf dem Unterarm. Zariff war einmal Kampfsportlehrer. Alle zwei Wochen soll der Präsident ihn extra einfliegen lassen. Stimmt das? «Ich bin der einzige, der seine Haare schneidet», antwortet Zariff ausweichend und lächelt: We get it done! - «Wir schaffen das!» Klingt wie der Slogan für die nächste Wahl.

Anreise: Aus Deutschland gibt es aus mehreren Städten Nonstop-Verbindungen. Die Flugzeit beträgt zwischen neun und zehn Stunden.

Informationen: Fremdenverkehrsbüro für Illinois und Chicago c/o Wiechmann Tourism Service, Scheidswaldstraße 73, 60385 Frankfurt, Telefon: 069/25 53 82 80, Email: info@gochicago.de


Freizeit & Co.
ANZEIGE
Reise-Reportagen

Mieszko und die süßen Hörnchen - Polens Poznan

Poznan - Süße Hörnchen, Kaiser Wilhelm und der Opa von Angela Merkel - willkommen in Poznan! Die Messestadt im Westen Polens hat einige Überraschungen zu bieten, gutes Bier gibt es auch. Und einige neue Sehenswürdigkeiten - von den alten ganz zu schweigen. (von Von Andreas Heimann, dpa)

Bounty-Insel und Regenwald: Mit Kindern in der Dom-Rep

Samaná (dpa/tmn) - Familienurlaub in der Karibik muss sich nicht nur im Touristenghetto abspielen. Auch Kinder können den Dschungel erkunden und nach Seesternen tauchen. Erkenntnisgewinn ist in vielerlei Hinsicht garantiert: «Mama, hier gibt's kein Wlan!» (von Von Christoph Driessen, dpa)

Das Märchen von der armen Hütte: Abraham Lincolns Geburtsort

Hodgenville - 2015 jährt sich der Todestag von US-Präsident Abraham Lincoln zum 150. Mal. Während ihm andernorts gedacht wird, verzichtet eine wichtige Stätte seines Lebens auf Events: Sein Geburtsort Hodgenville in Kentucky. Ein Geheimtipp für geschichtsbegeisterte Urlauber. (von Von Simone Andrea Mayer, dpa)

Reisen in Deutschland

Blumen und Birnen - Die Bundesgartenschau im Havelland

Ribbeck - Die Bundesgartenschau findet in diesem Jahr an fünf Orten gleichzeitig statt - im Havelland in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Viel zu entdecken gibt es in der Region sowieso. Ein Streifzug. (von Von Daniela David, dpa)

Mit anderen Augen radeln: Mit Sehbehinderten auf Tandemtour

Hamburg - Der Verein Weiße Speiche bringt Sehende und Blinde zusammen auf ein Tandem: Vorne hat der Pilot alles im Blick, hinter ihm sitzt der sehbehinderte Partner. In die Pedale treten beide gemeinsam - zum 30-jährigen Bestehen des Hamburger Clubs ging es rund um die Metropole. (von Von Deike Uhtenwoldt, dpa)

Hohe Töne in Erfurt: Der Glockenspieler vom Bartholomäusturm

Erfurt - Mit viel Leidenschaft für seine Stadt bringt Ulrich Seidel in Erfurt alle 14 Tage die Glocken im Bartholomäusturm zum Klingen - und zwar mit Fäusten und Füßen. (von Von Karin Willen, dpa)

Sonderveröffentlichungen
Traumziele

Die Schimpansen sind zurück - Burundis unbekannte Seiten

Bujumbura - Wer einen Trip ins östliche Afrika plant, denkt meist an eine Safari in Kenia oder die Berggorillas in Ruanda. Das kleine Burundi am Tanganjika-See wird gar nicht erst beachtet. Dabei gibt es hier noch echte Abenteuer - ganz ohne Massentourismus. (von Von Carola Frentzen, dpa)

Sanddünen und Maori-Stätten: Neuseelands Nordinsel

Kerikeri - Die Nordinsel Neuseelands ist rau und in vielen Regionen noch ziemlich unberührt. Urlauber können in Sanddünen surfen, Kanu fahren und der Seele der Maori nachspüren. (von Von Detlef Berg, dpa)

Gesundheit unterwegs

Hektik am Skilift führt oft zu Unfällen

Köln - Nach Angaben des TÜV Rheinland passieren beim Ein- und Aussteigen in den Skilift besonders viele Unfälle. Eines sollten Wintersportler daher verinnerlichen: Am Lift immer mit der Ruhe!

Kopfläuse durch Hotelbetten?

Berlin - Manch ein Hotelbesucher hat sich bestimmt schon einmal gefragt, ob er sich in Hotelbetten Kopfläuse einfangen kann. Hautärzte können diejenigen beruhigen. Sie erklären, wie Läuse wirklich übertragen werden.

Rechtliche Tipps

Abweichende Zeiten für Flugabfertigung in Schriftform

Hannover - Fluggäste müssen für ihre Reise stets mehr Zeit einplanen als die reine Flugdauer. So werden sie mindestens eine Dreiviertelstunde vor dem Start des Fliegers am Abfertigungsschalter erwartet. Sollen Airlinekunden früher erscheinen, genügt eine Internetauskunft nicht.

Noro-Virus auf einer Kreuzfahrt: Keine Preisminderung

Rostock - Entspannt mit dem Kreuzfahrtschiff durchs Mittelmeer schippern - aus diesem Traum wurde nichts. Ein Ehepaar fing sich einen Magen-Darm-Virus ein. Später verlangte es Schadensersatz und den Reisepreis zurück. Zu Unrecht, befand das Gericht.

Reise-Tipp

Das Hahnenkamm-Rennen: Legendärer Ritt auf der Sreif

Kitzbühel - Am 25. Januar stürzen sich die Rennläufer wieder die Streif in Kitzbühel hinab. Normale Skifahrer sollten die 85 Prozent Gefälle lieber meiden. Für sie gibt es genügend Alternativen. (von Von Detlef Berg, dpa)

Streifzug durch Daressalam: Deutsche Historie am Indischen Ozean

Daressalam - Tansania hat viel zu bieten - Safaris, Berge, Tropeninseln. Die inoffizielle Hauptstadt Daressalam wird dabei oft übersehen. Dabei gibt es hier nicht nur Zeugnisse der deutschen Vergangenheit, sondern auch Kunst, Kulinarisches und weiße Strände. (von Von Carola Frentzen, dpa)

Neues aus den Katalogen

Von Wellness bis Radurlaub: Neue Kataloge für 2010

Fast 50 Hotels neu bei Fit Reisen Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Ägypten, Nepal, Litauen: Das sind die neuen Ziele im Jahreskatalog 2010 von Fit Reisen. Der auf Wellness- und Gesundheitsurlaub spezialisierte Veranstalter hat insgesamt 322 Hotels in 32 Ländern im Angebot.

Weit weg von zu Hause: Reiseideen aus fernen Ländern

Mit dem Frachtschiff zu Australiens Nordspitze München (dpa/tmn) - Neben Benzin und Baumaterial bringt das Schiff «MV Trinity Bay» auch Touristen zu Australiens Nordspitze.

Neues aus der Reisewelt

Für Fantasy-Fans und Kunstliebhaber: Neues für Touristen

Die Ausstellung der Serie «Game of Thrones» kommt nach Deutschland. Im Mai wird sie in Berlin gastieren. Ebenfalls im Mai beginnen die Kunstfestspiele in Hannover. Und am Chiemsee hat ein Bierlehrpfand eröffnet. Mehr Reise-News hier im Überblick:

Arnika bis Tulpen: Neue Reisetipps für Naturliebhaber

Ein Meer aus Tulpen. Ein Fest für die Arnika. Eine Tour über den Kamm der Haßberge. Die aktuellen Reisetipps sprechen vor allem naturverbundene Urlauber an. Wer sich dafür interessiert, findet hier weitere Informationen.

Reisesplitter aus Deutschland

Tauchen im Bergwerk und Besuch im Offshore-Park

Berlin - Urlauber wollen etwas erleben. Und das können sie auch: Im Sauerland lässt sich ein stillgelegtes Bergwerk tauchend erkunden. Vor Helgoland geht es mit dem Schiff zum Offshore-Windpark. Und in Cuxhaven steigt zum zehnten Mal das Deichbrand-Festival.

Reisen in Deutschland: Allgäu top, George Clooney hot

München - Klein, aber oho: Balderschwang im Allgäu landet im Skipass-Test des ADAC ganz weit oben. Für Kinder ebenfalls top - der Zauberwald in Lenzerheide. Und mit George Clooney im Ohr können Touristen nun durch das Sauerland fahren.