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Nachruf auf Dieter Schulz – Auf ein Letztes, Stopper!

(Foto: Ahlers)

Bielefeld – Am Mittwoch, den 31. Januar 2018, starb Dieter Schulz im Alter von 78 Jahren. Mit dem beinharten Verteidiger, in Bielefeld immer nur „Stopper“ genannt, verliert Arminia und der Bielefelder Sport eine Legende. Jan-Hendrik Grotevent schreibt ihm einen Nachruf.

Manchmal landen junge Studenten kurz nach der Jahrtausendwende eben in Schrebergartenkneipen. Machen zwar früh zu, aber das frisch Gezapfte ist günstig und die Kneipen sind gemütlich. Der Wirt mit grauem Haar, Brille und kräftigen Waden, bringt das Bier an den Tisch. „Wisst Ihr, wer das ist?“, fragen die Kleingärtner in der Bar, „Das ist der Stopper!“.

Ja, der etwas knorrig wirkende, aber sehr nette Frühsechziger in der Schrebergartenkneipe „Im Heeper Felde“ ist Dieter Schulz. Eine Legende, für Arminia, aber auch für den Bielefelder Sport. Dieter Schulz wurde am 17. Mai 1939 in der Leineweberstadt geboren. In jungen Jahren war der Defensivspieler Leistungsträger beim VfB 03 Bielefeld, damals Lokalrivale des DSC Arminia.

Mit 20 Jahren wechselte er zu den Blauen. Wechselprämie: Ein Mofa. Kurz darauf machte sich Arminia aus der Westfalenliga in höhere Gefilde auf. Mit dabei: Dieter Schulz. In 14 Jahren absolvierte er 292 Spiele für die Blauen und erzielte 16 Treffer.

Er spielte als Abwehrchef in der ersten Bundesligasaison des DSC. 28 Spiele in der Eliteklasse und zwei Tore stehen in Schulz‘ Vita. Auch war er Zeitzeuge des Bundesligaskandals, von dem er selbst, das hat er mehrfach betont, nichts mitbekam.

Arminias erster Profi

Dieter Schulz war als Spieler robust, kopfballstark und von hoher körperlicher Fitness. Sowohl er als auch seine damaligen Teamkameraden bezeugen, dass Dieter Schulz für den Fußball gelebt habe. Als der DSC nach dem Bundesliga-Aufstieg begann, zweimal täglich zu trainieren, sei Schulz der erste gewesen, der dies ohne Murren und mit viel Einsatz mitgegangen sei. „Unser erster Profi“, sagen die Mitspieler auf der DVD zum 100jährigen Vereinsjubiläum. Darüber hinaus galt Schulz als erstklassiger Abwehrspieler und Abwehrorganisator.

Die Erfindung des Spitznamens „Stopper“ reklamierte der im Dezember 2017 verstorbene Harry Garstecki für sich. „Mittelläufer...Libero...‘Stopper‘ schimpfte sich das bei uns.“, sagte Schulz selbst. Die „eingesprungene Fluggrätsche“ – noch eine Wortschöpfung Garsteckis – war das Markenzeichen des Verteidigers. Legendär wurde das Foto, auf dem Schulz die Grätsche gegen Bayerns Johnny Hansen einsetzt. Was brutal aussieht, war aber immer regelkonform.

Lediglich zweimal erhielt Schulz einen Platzverweis, einen davon für eine Tätlichkeit. Eine weitere berühmt gewordene Schnurre ist das Spiel gegen Germania Datteln, in dem Schulz sich eine Platzwunde am Kopf zuzog, sich im Krankenhaus behandeln ließ, um mit Pressverband wieder auf dem Spielfeld zu erscheinen und per Kopf den 3:2-Siegtreffer zu erzielen – lange vor Dieter Hoeneß. Nach der aktiven Karriere trainierte Schulz ein paar ostwestfälische Clubs. Er betrieb eine Tankstelle und die Kneipe „Zum Stopper“ in der Nähe des Johanneskrankenhauses. Um schließlich Wirt „Im Heeper Felde“ zu werden.

„Das kann sich heute niemand mehr vorstellen“

Die jungen Studenten gingen weiter zum Stopper. Zwischen zwei Bier wollten sie einmal Autogramme von ihm. „Aaaach Gott“, hieß es halb geschmeichelt, halb in künstlicher Aufregung. „Dat Bild verfolgt mich ewig“, sprach Stopper und setzte seinen Dieter neben das Johnny-Hansen-Bild. „Wat soll ich denn auf dem Trikot?“. Unvergessen die Episode, als der Euro kurz vor seiner Einführung stand. „Die ham mir den Zigarettenautomaten umgebaut.

Und jetzt will ich wissen, ob das mit Euros funktioniert...Du rauchst doch, oder?“, fragte Stopper, der während seiner aktiven Karriere keinen Alkohol trank und niemals rauchte. Und so standen Stopper Schulz und der Verfasser dieser Zeilen vor dem Zigarettenautomaten, fütterten das Ding mit Mark- und Euro-Münzen und es funktionierte – sehr zur Freude des Stopperschen Pioniergeistes. Und natürlich: Gespräche über Fußball. „Das kann sich heute niemand mehr vorstellen.“ oder „Das geht so heute auch nicht mehr.“ waren Stoppers zentrale Statements.

Sei es zum Mofa als Wechselprämie. Sei es zur Fluggrätsche. Sei es zu Blessuren. Stopper, den als Spieler erst eine Nervenlähmung länger außer Gefecht setzte, hatte wenig Verständnis für Adduktorenprobleme und Co. Wie viele aus seiner Spielergeneration hatte er einen eher kritischen Blick auf den modernen Fußball. Aber wie er selbst in seiner sehr „bielefelderischen“ Art sagte: „Die werden schon wissen, was sie tun. Und sollen mal halblang machen.“.

Am letzten Mittwoch ist Dieter Schulz nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Die Sperrstunde „Im Heeper Felde“ pflegte er mit den Worten einzuleiten: „Kommt, Jungs...ein Letztes noch, dann ist Schluss!“.

Dieses Letzte, Stopper Schulz, Dir zum Wohle und zum Geleit!

 

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Tabelle

23. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
3Holstein2343:311237
4S´hausen2326:19735
5Arminia2336:32434
6Duisburg2335:35034
7Ingolstadt2332:24833

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