Arminia Bielefeld auf Twitter & Facebook

Unser Service... Alle Arminia-Artikel exklusiv auf Facebook

Gedanken
Wolfgang Hesl, Arminia Bielefeld und die schwarzweißblaue Torwartfrage

Wolfgang Hesl, Torwart bei Arminia Bielefeld. (Foto: dpa)
Wolfgang Hesl, Torwart bei Arminia Bielefeld. (Foto: dpa)

Bielefeld – Arminia Bielefeld ist im Abstiegskampf und das Umfeld ist nervös. Schon seit längerem übt die ostwestfälische Anhängerschaft Kritik an Torwart Wolfgang Hesl. In der Tat ist nicht von der Hand zu weisen, dass Arminias sonst sichere Nummer Eins in einigen Spielen unglücklich aussah. Jan-Hendrik Grotevent geht der schwarzweißblauen Torwartfrage auf den Grund.

Wolle, was ist los mit Dir?

In Karlsruhe bleibt Hesl beim Ausgleich der Gastgeber nach einem Eckball auf der Linie. Beim 2:3 wehrt er den Ball so ab, dass der ins Netz geht. Auch beim 1:2 in Berlin bleibt er auch der Linie. Ähnliche Szenen sind aus dem Hinspiel gegen Berlin (4:4) und auch aus weiteren Spielen in Erinnerung. Die Grenze zwischen „Pech“ und „Fehler“ ist im Torwartspiel fließend. So gehört das Gegentor im Pokalachtelfinale in Walldorf, trotz vielfach geäußerter anderer Ansicht, sicherlich mehr in die Kategorie „Pech“.

Dennoch ist eine gewisse Unsicherheit des Torwarts auszumachen, die sich durch die ganze Saison zieht. Das ist um so befremdlicher, als dass Wolfgang Hesl nicht per se ein Fliegenfänger ist.
Wolle ist kein Schlechter!


Lade Umfrage...

Man könnte man die Spiele gegen Sandhausen, Heidenheim und Bochum aufzählen, in denen Hesl in der Schlussphase die Dreier rettete. Oder darauf hinweisen, dass Hesl in dieser Saison bereits drei Elfmeter gehalten hat, zwei davon bedeuteten den warmen Geldregen des DFB-Pokals. Aber ebenso wie der derzeit grassierende Reflex, Hesl jedes Gegentor und jeden Punktverlust anzukreiden, wäre das zu einfach.

Es sei einmal auf die Karriere des Wolfgang Hesl geschaut. Die kicker-Noten, so fragwürdig dies Kriterium auch ist, bescheinigen Hesl im Schnitt eine solide Zwei Minus bis Drei plus für seine Karriere. Die Anhänger von Dynamo Dresden loben die Leistungen ihres ehemaligen Schlussmanns. Die Fans der SpVgg. Greuther Fürth attestieren Hesl keine herausragende, aber eine solide Leistung.

Ähnlich ist die Meinung der Supporter der SV Ried, mit der Hesl österreichischer Pokalsieger wurde. In seiner ersten Saison in Bielefeld war Hesl Rückhalt der viertbesten Defensive der Zweiten Bundesliga. Das kicker-Ranking der Saison 2015/2016 macht ihn zum sechstbesten Torwart der Spielzeit. Damit steht er unter anderem über Alexander Schwolow. Die durchschnittliche kicker-Note der eingesetzten Bielefelder Spieler im letzten Jahr liegt bei 3,44, Hesl erzielte eine 2,91.

Wolfgang Hesl, Torwart bei Arminia Bielefeld. (Foto: dpa)
Wolfgang Hesl, Torwart bei Arminia Bielefeld. (Foto: dpa)
Wolfgang Hesl, Torwart bei Arminia Bielefeld. (Foto: dpa)

Was ist dann das Problem?

Bei den Toren zum 1:1 in Karlsruhe und beim 1:2 in Berlin kann Hesl natürlich den Versuch unternehmen, aus dem Tor zu kommen und die „Crosses“ wegzubefördern. Allerdings stehen ihm in beiden Szenen mindestens zwei freie gegnerische Angreifer gegenüber. Hätten diese Angreifer direkte Gegenspieler bei sich, wäre Hesl nicht in die Verlegenheit gekommen.

Bei gegnerischen Standards und gegnerischen Angriffen ist die Zuordnung der Defensive, sei es Mann oder Raum, abgesprochen. Stimmt diese Zuordnung nicht, muss der Torwart binnen eines Wimpernschlags eine Entscheidung außerhalb der trainierten Defensivroutinen ins Blaue hinein treffen. Mit dem hohen Risiko des Scheiterns und der hohen Wahrscheinlichkeit, nachher wie der Pinsel vom Dienst auszusehen. Eine sichere Defensive sollte den Torwart gar nicht erst in die Verlegenheit bringen, riskante Entscheidungen zu treffen. Leider agiert Arminias Defensive in dieser Saison oft unsicher und unkonzentriert.

Die eben dargestellten Spielszenen sind ebenso Beleg dafür wie der eine oder andere schlechte Rückpass. Arminias Defensive ist aktuell die schwächste der Zweiten Liga. Hesl ist allenfalls anzukreiden, dass er ab und an die falschen Entscheidungen trifft. Davon wissen auch die Fanforen in Fürth und Ried zu berichten. Die Abwehr macht Fehler, Hesl sieht unglücklich aus. Ein Torwart bleibt nicht von den Unsicherheiten seiner Vorderleute verschont.

Gibt es eine Lösung?

Das Umfeld der Alm fragt sich: Warum hält Kramny (oder Rump oder Rehm oder Meier) an Hesl als Nummer Eins fest? Oft wird dabei Daniel Davari als bessere Alternative angeführt. Ob der Deutsch-Iraner tatsächlich „besser“ als Hesl ist, ist allerdings fragwürdig. Arminias Zuschauer haben Davari, von Testspielen abgesehen, lediglich im letzten Saisonspiel 2015/2016 erlebt, als Union Berlin die Klassenerhaltsfeierlichkeiten nicht stören wollte. Nun wird argumentiert, dass Davari nie eine ernsthafte Chance erhalten habe. Das ist richtig, doch werden die Trainer der letzten anderthalb Jahre ihre Gründe gehabt haben, nicht auf ihn zu setzen, so unbestritten Davaris Vorschusslorbeeren auch sein mögen.

Arminias Abwehr mag die Seuche haben, aber sie hat die Seuche eben im Verbund. Es ist keinesfalls garantiert, dass ein Davari (oder ein Rehnen oder ein Gaye), in einer unsicheren Defensive sofort bessere Entscheidungen trifft als Hesl. Vielmehr besteht das Risiko, dass ein „Neuer im Verbund“ noch zusätzliche Unsicherheit in die Verteidigung bringt. Hier kann nur eins nur eins Abhilfe leisten: Eine konzentrierte Trainingsarbeit des Abwehrverbundes und vor allem Konzentration auf dem Platz. Wie etwa beim Heimsieg gegen 1860 München, als sämtliche Arminen einschließlich Torwart eine aufmerksame und solide Defensivleistung ablieferten.

Fazit:...Hesl raus!?

Ein Torwart ist immer nur so gut wie seine Abwehr. Dabei ist es sein Job, die Fehler seiner Vorderleute auszubügeln. Geht es schief, ist der Keeper der Dummbatz. Geht es gut, ist es schnell wieder vergessen. Ist ja sein Job. Es liegt in der Seele des Fußballfans im Allgemeinen und des Arminia- Fans im Besonderen, in Krisensituationen schnell Sündenböcke auszumachen und vermeintlich offensichtliche Lösungen zu fordern. Das geht in Ordnung, ist der Emotion geschuldet, und einen Fan ohne Emotionen gibt es nicht.

Die aktuelle Situation des DSC allein an Wolfgang Hesl festzumachen ist aber zu einfach. Er hat in konkreten Spielsituationen falsche Entscheidungen getroffen, ist aber nicht allein für das Bälle klären verantwortlich. Experimente auf der Torwartposition kann Arminia sich als Tabellensiebzehnter nicht erlauben. Sollte der DSC absteigen, liegt es sicher nicht allein an Hesl.
 

 

Zurück zur Übersichtsseite

Nächstes Liga-Spiel

2. Bundesliga, 8. Spieltag
Arminia Bielefeld - 1. FC Heidenheim
Samstag, 23. September, 13.00 Uhr
Zweitliga-Spielplan | Arminia-Spielplan
Kader | Forum

Weitere Arminia-Termine

  Derzeit keine Termine  

 

Tabelle

7. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
3Darmstadt714:9514
4Holstein715:10513
5Arminia712:11113
6St. Pauli76:9-313
7Braunschw.711:6511

Arminia