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Marlon Irlbacher kommentiert
Die BVB-Kolumne 113: Interview mit Hendrik Bonmann

Dortmund – Ab der kommenden Saison wird Torwart Hendrik Bonmann von Rot-Weiss Essen den BVB verstärken. Im Interview mit BVB-Kolumnist Marlon Irlbacher verrät er, seit wann sein Herz für den BVB schlägt, wie er es fünf Jahre lang auf Schalke ausgehalten hat und vieles mehr.

Rückblick: Forendiskussion um Hendrik Bonmann

Es gibt Spieler, die schauen nach dem großen Geld, wollen einfach nur Titel gewinnen und wechseln dabei den Verein wie ihre Unterwäsche. Viele lassen heutzutage die Nähe zum Verein vermissen, drucksen herum, wenn es um die Vertragsverlängerung geht und küssen das Wappen des Vereins, obwohl sie ein Jahr später schon in einem anderen Land für einen anderen Verein kicken.

Heutzutage gibt es immer weniger Gegenbeispiele, die Vereinsliebe und Ehrlichkeit verkörpern; und das Fanherz freut sich umso mehr über Spieler wie einst Lars Ricken oder gar Kevin Großkreutz, der als Fan von der Südtribüne kam.

Über die U23 zu den Profis...

Genau so ein Junge wird Borussia Dortmund in Zukunft wieder bereichern. Hendrik Bonmann, 1994 in Essen geboren, wechselt zur kommenden Saison von Rot-Weiss Essen zu unserer Borussia und soll über die Zweitvertretung den Weg zu den Profis finden. Mit Rot-Weiss Essen, wo er seit Beginn der Rückrunde in der ersten Mannschaft steht, befindet sich Hendrik zur Zeit auf dem fünften Tabellenplatz.

Ich als stolzer Kumpel, habe Hendrik für euch getroffen und ihm ein paar Fragen gestellt, um euch unser neues Torwarttalent mal näher vorzustellen.


Marlon (l.) und Hendrik.

Marlon: Grüß dich Hendrik, zunächst einmal schön, dass du dir für mich Zeit nimmst, da du ja sehr viele Trainingseinheiten hast und zuletzt auch für die U19-Nationalmannschaft unterwegs warst. Wie fühlt man sich als frisch gebackener Nationalspieler?
Henrik Bonmann: Hi Marlon, es war natürlich der absolute Wahnsinn bei den Länderspielen dabei zu sein. Immerhin durfte ich beim zweiten Länderspiel schon auf der Bank sitzen. Sich für die deutsche Nationalmannschaft warm zu machen und dann die Nationalhymne vom Platz aus mal mitzusingen, war ein unbeschreibliches Gefühl, das ich nie vergessen werde.

Du bist mit Koray Günter in der U19-Nationalmannschaft bereits auf einen zukünftigen Kollegen gestoßen. Konnte er dir schon vermitteln, was dich beim BVB erwartet?
Er erzählte, dass das Niveau bei der U23 des BVB absolut nicht dem Tabellenplatz entspricht. Von der spielerischen Klasse müssten sie im oberen Drittel stehen. Das macht die ganze Aufgabe für mich natürlich nur interessanter und spannender.

Nun fragen sich sicherlich viele, wie es dazu gekommen ist, dass der BVB dein Lieblingsverein ist. Wie bist du zu den schwarzgelben Ringelsocken gekommen?
Zum BVB kam ich schon mit drei Jahren durch meinen Großvater Karl-Heinz Langenhorst. Mit drei bekam ich mein erstes BVB-Trikot. Das Neongelbe mit Stefan Reuter hinten drauf. Ich hab's sogar heute noch - wie meine unzähligen anderen BVB-Trikots. Mit vier Jahren hat mein Großvater mich zum ersten mal mit ins Stadion genommen, im Oberrang auf der Westtribüne. Mein Opa war so hin und weg, wie mich schon in den jungen Jahren der Fußball interessiert hat und wie sehr ich für den BVB bereits gejubelt habe, dass er mich von da an regelmäßig über Jahre hinweg ins Stadion mitgenommen hat. Die Krönung folgte in den beiden Meisterschaftsjahren, wo ich zusammengezählt bei allen 34 Ligaspielen im Stadion gesessen habe (und am letzten Spieltag auf dem Rasen gestanden habe)

Du gehst also immernoch regelmäßig ins Westfalenstadion und hast dort einen Stammplatz?
Wie bereits gerade erwähnt, bin ich immer noch bei fast allen Heimspielen da. Immer noch auf dem gleichen Platz wie vor 15 Jahren. Leider habe ich dieses Jahr nicht zu jedem Heimspiel geschafft, weil ich durch meine Berufung in die erste Mannschaft oftmals zu den BVB-Anstoßzeiten selber spiele. Der Platz und die Nachbarn sind immer gleich geblieben. Zum Glück! Denn es gab schon das ein oder andere mal Verwirrungen, wenn andere Leute neben mir saßen. Wenn Tore fallen und ich vor lauter Euphorie wie immer meine Nachbarn umarmte...

Du hast, nachdem du deinen Jugendverein Fortuna Bredeney verlassen hattest, beim FC Schalke in der Jugend gespielt. Eine schwere Zeit als Borusse?
Im ersten Jahr war es noch auszuhalten, da mein Trainer selber Fan der Borussia war. Schwer wurde es im zweiten Jahr unter meinem neuen Trainer, als mir verboten wurde mein BVB Handtuch zu benutzen (lacht). Aber ansonsten musste ich trotz der Rivalität diese Chance nutzen, die mir Schalke geboten hatte und daher bin ich ihnen auch zu großem Dank verpflichtet. Ich habe da wunderbare fünf Jahre erlebt und eine super Ausbildung genossen, die der BVB jetzt nutzen kann. Schwer war zudem auch, sich ständig im Auto umzuziehen (lacht). Denn wenn wir mal wieder ein Spiel um 13 Uhr hatten und meine Mutter mich von da aus direkt zum Stadion gebracht hat, musste ich meinen Schalker Trainingsanzug gegen Schal, Trikot und Fahne des BVB tauschen.

Man sagt, du hast damals die BVB-Shorts bei den Spielen drunter getragen. Gerücht oder Tatsache?
Gerüchte sollte man im Raum stehen lassen. VIELLEICHT habe ich zwei- oder dreimal ein BVB-Shirt unterm Schalke-Trikot angehabt, ausgerechnet im Sommer, so dass ich bei 30 Grad mein Trikot nicht ausziehen konnte, um mich abzukühlen.

Die BVB-Amateure spielen im Stadion Rote Erde und verfügen vor allem bei den Heimspielen über eine große Fanbase. Freust du dich auf die Atmosphäre und hattest du schon die Gelegenheit, dir ein Bild davon zu machen?
Ich war selber beim Spiel gegen Wacker Burghausen da, wo zahlreiche BVB-Fans gekommen waren, um die Amateure zu unterstützen. Die Stimmung war schon beeindruckend und löste bei mir zumindest wieder einmal Gänsehaut aus.

Jürgen Klopp arbeitet bekanntlich gerne mit jungen Spielern und im Sommer hast du die Gelegenheit, im Trainingslager mit den Profis selbst einen Eindruck davon zu bekommen. Wie groß ist deine Vorfreude auf dieses Abenteuer und freust du dich aufs Team?
Meine Vorfreude ist riesig! Auch wenn ich mich momentan noch auf meinen aktuellen Verein konzentriere und daher versuche, nur wenig an die Zukunft zu denken, kommt trotzdem immer der Gedanke: "Bald spielst du mit deinen Idolen zusammen auf dem Trainingsplatz". Aber sportlich gesehen freue ich mich gleichermaßen, denn der BVB ist eines der besten Teams in Europa, siehe Champions League. Wenn ich dort einigermaßen regelmäßig mittrainieren darf, erhoffe ich mir einfach einen ubglaublichen Entwicklungssprung. Denn Training macht den Meister und wenn ich bei den Besten mittrainieren darf, gibt es keine besseren Möglichkeiten, sich zu entwickeln und das Maximum aus sich rauszuholen. Ansonsten möchte ich nicht sagen, dass ich mich auf einzelne Personen freue, aber Herrn Klopp kennenlernen zu dürfen und unter ihm mittrainieren zu dürfen, entwickelt einen ganz schönen Stolz in mir.

Beschreib mal, was in dir vorging, als du das erste Mal mit dem BVB in Kontakt standest und dir klar wurde, dass du die Chance hast, dir deinen Traum zu erfüllen. Wie muss man sich das vorstellen?
Anfangs stand der Hendrik als Fan da, der sich nichts Besseres vorstellen kann. Meine Euphorie, mein Stolz war kaum zu bremsen. Meinen engsten Freunden und meinem Familienkreis diese Nachricht zu überbringen, brachte mir Schmetterlinge in den Bauch. Ich wurde ganz nervös und aufgeregt wie ein kleines Kind. Später muss ich dann aber die Person Hendrik als Sportler annehmen, der sich durch den Namen BVB natürlich jetzt nicht einfach blenden lassen darf, sondern alles abwägen muss. So waren auch andere sehr gute Angebote da. Als ich aber gemerkt habe, dass ich bei den Verhandlungen mit Herrn Ricken und Herrn Zorc eigentlich das gesamte Gespräch mit einem Lächeln da saß, und meine Lippen auf dem Heimweg eigentlich auch kaum bewegt habe, war mir klar, du musst einfach dahin!

Medienberichten zufolge hast du dir ein Angebot des Reviernachbarn aus Gelsenkirchen nicht einmal angehört?
Das Thema möchte ich gar nicht groß thematisieren, weil es nicht groß ist. Es war ein Interesse von Schalker Seite da, woraufhin man mich fragte, ob ich darauf näher eingehen möchte und das lehnte ich eben ab. Nichtsdestotrotz schmeichelt mich das Angebot, denn es ist bei aller Rivalität trotzdem ein großer Bundesligaklub.

Wie viel Kevin Großkreutz steckt in dir?
Ja, um die Frage zu beantworten, müsste ich ihn wohl besser kennen. Aber nach dem zu urteilen, was man über ihn hört und weiß, gibt es mit Sicherheit ein paar Parallelen. Ich bin wie er ein wahnsinnig verrückter BVB-Fan. Ich hatte schon Zahnbürste, Kamm, Föhn, Handtücher, Bademantel, Schlappen, Shampoo, Weihnachtskalender usw. vom BVB. Wahrscheinlich ist er in seinen Aktionen noch ein Tick "positiv verrückter" als ich, aber ich komme ihm mit Sicherheit schon sehr nahe. Ich hatte mal in einem ganz kleinen Zeitungsinterview vor 4 Jahren die Frage gestellt bekommen, ob ich gerne mal bei Real Madrid spielen würde. Daraufhin antwortete ich: "Wenn ich das Zeug dazu hätte, würde ich trotzdem lieber beim BVB als bei Real Madrid spielen und niemals den BVB verlassen." An dieser Denkweise hat sich bis heute nichts verändert.

Hast du ein großes Vorbild? Und wenn ja, warum genau dieses?
Ein richtiges Vorbild hatte ich nie wirklich. Ich gucke mir von verschiedenen Torhütern immer nur deren besten Eigenschaften ab. Früher war ich im Duell Jens Lehmann gegen Oliver Kahn immer pro Jens Lehmann, auch wenn mich viele Freunde und Teamkamerade oft "Oli" nennen.

Viele Fans kennen den Spielertypen Bonmann noch nicht. Würdest du dich als offensiven Torwart beschreiben, der wie ein Manuel Neuer versucht mitzuspielen oder ordnest du dich eher in die klassische Torwartgeneration ein, dessen Fokus auf dem Toreverhindern basiert?
Zweiteres Modell ist ja heutzutage kaum noch erfolgreich auszuüben. Dementsprechend konnte ich bei anderen Vereinen wie dem BVB durch mein extrem offensives, modernes Torwartspiel Interesse wecken. Momentan zeichnet mich meine sehr gute Strafraumbeherschung aus. Ich bin mir auch nicht zu schade, wenn ich die Möglichkeit sehe, einen Ball am Elfmeterpunkt abzufangen. Ansonsten versuche ich immer am Rand des gerade Möglichen im offensiven Spiel zu stehen. Das heißt, ich stehe sehr weit vor dem Tor verhindere durch das Rauslaufen viele 1-gegen-1-Situationen. Ansonsten bin ich bemüht, wenig unkontrolliert lange Bälle zu spielen, sondern eine spielerische Lösung beim Spielaufbau zu finden oder gezielte lange Bälle ins Halbfeld zu spielen.

Beim BVB erwarten dich einige Spezialisten im Bereich FIFA-Playstation. Wie gehst du mit dem großen Druck um, es in deiner derzeitigen Krisenform mit den Jungs aufzunehmen?
Für den Leser: Marlon meint hier, dass ich eine Krise hätte, weil er gestern AUSNAHMSWEISE ein paar mal gewonnen hat. Ich werde auch diese Aufgabe seriös angehen und mich durch tägliches Training bis zum Sommer noch verbessern, um konkurrenzfähig zu sein (lacht). Sollte ich mal schlecht drauf sein und an mir zweifeln, werde ich dich einfach auf ein FIFA-Spiel bitten und dann wird wieder alles gut sein (lacht).

Das habe ich mal überhört... Zuguterletzt eine Frage über deine Ziele. Was sind deine drei größten Träume/Ziele?
Früher konnte man ja immer in das Panini-Sammelalbum seinen größten Traum reinschreiben. Meine Antwort war jedes Jahr die gleiche: "Fußballprofi beim BVB zu sein". Mein Ziel oder eher mein Traum ist es, irgendwann mal vor dieser schwarzgelben Wand einlaufen zu dürfen. Jedes Mal, wenn Roman Weidenfeller zum Aufwärmen mit dem Lied "Can´t stop" rauskommt, bekomme ich Gänsehaut. Daher ist es mein einziger Traum, irgendwann mal Nummer 1 beim BVB zu sein. Ich weiß, wie ganz ganz klein die Chance dafür ist, aber sie ist jetzt gegeben und dafür werde ich in den nächsten Jahren alles tun. Das ist mein einziger Traum.

Danke lieber Hendrik für die Zeit, die du dir genommen hast. Ich hoffe, du fasst schnell Fuß bei deiner großen Liebe und vielleicht sehen wir dich eines Tages auf der großen Leinwand Bundesliga - in deinem Zuhause, dem Westfalenstadion. :) Wir drücken dir alle die Daumen!


Der Autor: Marlon Irlbacher

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