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Der Kieler Pokalheld Steve Müller (oben) will nach seinem Treffer im Achtelfinale gegen Mainz (u. l.) auch den Deutschen Meister Borussia Dortmund ärgern. Foto: dpa

Der BVB-Gegner

Holstein Kiel: Plötzlich populär

07. Februar 2012 12:01 Uhr von Matthias Dersch

DORTMUND Aufregende Wochen liegen hinter den Regionalliga-Kickern von Holstein Kiel. Konnten sie bis zur Pokal-Sensation in der 3. Runde gegen Mainz (2:0) noch unbehelligt über die Dänische Straße flanieren, sind die Spieler von Trainer Thorsten Gutzeit mittlerweile so etwas wie kleine Stars. Vor dem Viertelfinalspiel am Dienstag gegen Dortmund ist in Kiel alles etwas anders.

175 Hörfunk- und TV-Journalisten, 60 Print-Vertreter und 40 Fotografen hat Holsteins Medien-Koordinator Patrick Nawe für die Partie akkreditiert. Einige von ihnen werden auf den Knien schreiben müssen, andere mit Sichtbehinderungen zu kämpfen haben. „Der Andrang war zu groß, wir sind doppelt überbucht“, berichtet Nawe und verweist auf zwei alteingesessene Dauerkarten-Inhaber, die man schweren Herzens habe umsetzen müssen.

Treue Fans

Der Rummel ist groß um die „Störche“, die normalerweise ein von der breiten Öffentlichkeit eher unbemerktes Dasein in der Regionalliga Nord fristen. Der IT-Techniker des Klubs registrierte zum Vorverkaufsstart für das Spiel gegen den BVB über 100 000 Zugriffe. Binnen Minuten waren die 11 700 Tickets vergriffen.


Die treuen Fans, die sich in die Schlange vor die Geschäftsstelle gestellt hatten, guckten in die Röhre. Im Internet machten tüchtige Geschäftsmänner mit VIP-Karten dagegen ein kleines Vermögen: Zwei Tickets gingen für 5905,96 Euro über die virtuelle Ladentheke. Geschichten wie diese schreibt wohl nur der Pokal.

Klima-Zelt

Und es ist nicht die Einzige, die sich lohnt, erzählt zu werden. Auch das Rasen-Abenteuer im Holstein-Stadion gehört dazu: Denn um sich den Heimvorteil gegen den BVB-Goliath trotz eines ramponierten Rasens zu sichern, griff der Klub tief in die Trickkiste. Ein in England ausgeliehenes Klima-Zelt bestrahlt den neuen Rasen mit Wärme. Die Kosten sind immens – „doch wir wollten gerne hier bleiben“, sagt der Sportliche Leiter Andreas Bornemann. Der Ex-Profi ist es auch, der den „Störchen“ gemeinsam mit Trainer Gutzeit, Geschäftsführer Wolfgang Schwenke und Präsident Roland Reime ein neues Gesicht verpasst hat. Setzte der Klub früher auf und neben dem Rasen auf bekannte Namen – der frühere Bundesliga-Trainer Falko Götz führte den Klub 2009 in die 3. Liga –, stehen nun junge Perspektivspieler im Fokus.

„Ein Klub zum Anfassen“

„Sie haben  viele Jungs in ihren Reihen, die es im ersten Anlauf in Bremen und Hannover nicht geschafft haben“, meint BVB-Trainer Jürgen Klopp. „Kiel setzt auf junge Spieler und hat einen ähnlichen Weg gewählt wie wir.“ Während seiner Zeit in Freiburg lernte Bornemann, was Kontinuität bedeutet. In Kiel ging er den nächsten Schritt.
„Holstein galt als Verein, der von oben herunterschaut“, sagt Bornemann. Das neue Konzept sehe hingehen vor, Klub, Fans und Stadt näher zusammen zu bringen. „Wir wollen ein Klub zum Anfassen werden“, umschreibt Bornemann die Kieler Idee. Eine weitere Pokal-Sensation, noch dazu gegen den Meister, dürfte magnetische Wirkung entfalten…


Bundesliga: 36. Spieltag

Samstag, 05.05.12 - 15:30 Uhr

Borussia Dortmund

SC Freiburg
4:0
(4:0)
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