Borussia Dortmund
15. März 2012 09:22 Uhr

Unzufrieden: Ivan Perisic funkt SOS beim BVB

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Er ist unzufrieden mit seinem Reservistendasein in Dortmund: Ivan Perisic. Der Kroate denkt an einen Abschied. (Foto: Defodi)

Von Matthias Dersch

Dortmund - Bislang ist Ivan Perisic, Dortmunds teuerster Einkauf des vergangenen Sommers, in der Öffentlichkeit nicht durch laute Sprüche aufgefallen. Doch rund drei Monate vor der Europameisterschaft macht der kroatische 5,5-Millionen-Euro-Einkauf seinem Ärger über das Reservisten-Dasein Luft.

"Ich bin hierher gekommen, um zu spielen, nicht, um auf der Bank zu sitzen", sagt Perisic, der es bislang auf 19 Saisoneinsätze in der Bundesliga gebracht hat. 14-mal wurde er dabei eingewechselt, nur fünfmal stand er in der Startelf – zu wenig offenbar für den 23-Jährigen, der in seiner bisherigen Karriere nur die Höhen des Geschäfts kennengelernt hat.

Königstransfer

Mit der Auszeichnung "Spieler der Saison 2010/2011" und der belgischen Torjägerkanone (22 Treffer) im Gepäck kam Perisic im Juli vom FC Brügge nach Dortmund. Doch der Königstransfer des Sommers wartet trotz der ausgezeichneten Referenzen noch auf seinen Durchbruch in Deutschlands Eliteliga.

Taktisch habe er einiges aufzuholen gehabt, gibt Perisic zu. Auch das Tempo und die konditionellen Anforderungen seien neu für ihn gewesen. "In den ersten acht Monaten war es eigentlich perfekt, mit Ausnahme, dass ich nicht so oft gespielt habe", meint er, "aber das muss sich jetzt ändern. Ich bin bereit. Ich kann nicht mehr warten".

Vier Jahre Vertrag

Deutliche Worte, die bei BVB-Trainer Jürgen Klopp und Sportdirektor Michael Zorc nicht gut ankommen dürften. Mit beiden habe sein Berater in der vergangenen Woche gesprochen, erzählt Perisic. Sie hätten ihm mitgeteilt, mit dem Mittelfeldspieler zufrieden zu sein. "Sie haben viele positive Dinge über mich gesagt", so Perisic. Besänftigen konnten sie seinen aufgestauten Unmut nicht.

Noch sei es zu früh, sich über andere Klubs Gedanken zu machen, sagt Perisic. Er habe ja auch noch vier Jahre Vertrag. "Aber wenn es bis zum Saisonende so weitergeht, ist das nicht gut für mich. Ich bin jetzt 23 Jahre alt, das sind meine besten Jahre. Und das möchte ich ausnutzen." Perisic, das lässt er unmissverständlich durchblicken, hat genug vom Dasein als Joker.

63 Minuten auf dem Feld

"Ich möchte nicht darauf warten, dass sich jemand verletzt, um zu spielen. Dann müssen wir eine andere Lösung finden", meint er auf den Hinweis, auch Robert Lewandowski habe ein Jahr Anlauf gebraucht, um nach der Verletzung von Lucas Barrios den Durchbruch zu schaffen.

63 Minuten stand Perisic erst in der Liga im Kalenderjahr 2012 auf dem Feld. Empfehlen konnte er sich in diesen Minuten nur durch den späten Treffer zum 3:1 gegen Hannover. Fünf Tore in allen Wettbewerben stehen insgesamt auf seinem Konto. "Ich würde mehr treffen, wenn ich mehr spielen würde", sagt er. Es hätten ihm bisher nur die Möglichkeiten gefehlt, das nachzuweisen.

Stärken und Schwächen

Der Offensivspieler bringt eigentlich alles mit, um in Klopps System zu brillieren: Er ist schnell, technisch versiert, hat eine fantastische Schusstechnik und ein gutes Durchsetzungsvermögen. Auch sein Kopfballspiel ist stark. Doch auch seine Schwächen sind unübersehbar: Defensiv hat Perisic nach wie vor Nachholbedarf. Auch taktisch ist er längst nicht so weit wie sein Hauptkonkurrent Kevin Großkreutz, der Klopps Philosophie bis ins Mark aufgesogen hat. So bleibt ihm vorerst die Joker-Rolle.

Perisic aber möchte spielen. Auch um seine Teilnahme an der Europameisterschaft nicht zu gefährden. „Wenn ich im Verein in den kommenden zwei Monaten nicht spiele, schaffe ich es nicht zur EM“, fürchtet er. Der BVB sei zwar ein "perfekter Klub" für junge Spieler. "80.000 Fans pro Spiel, wo gibt es das schon?", fragt er rhetorisch. Auch die Stadt gefalle ihm.

Signal gesetzt

Doch Perisic reicht das alles nicht. "Viele Klubs schauen auf Dortmund", meint er, "sie kennen meine Situation und warten nur auf ein Zeichen". Ein erstes Signal hat er in die Welt gesetzt … 

Quelle: Ruhr Nachrichten

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