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BVB-Interview
Daniel Farke: "Fußball geht nur mit den Fans"

U23-Trainer Daniel Farke. (Foto: BVB)
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Dortmund – Mit den BVB-"Amas" ist Trainer Daniel Farke auf einem guten Weg. Im Interview mit westline spricht Farke über die Ziele mit der Mannschaft, über das Interesse an ihm selbst und mehr...

Im zweiten Jahr nach dem Abstieg aus der dritten Liga scheint der Wiederaufstieg für Borussia Dortmunds Amateure möglich. Zusammen mit Borussia Mönchengladbachs U23 und Viktoria Köln belegen die „Amas“ Rang drei in der Regionalliga-West. Am morgigen Dienstag ist in Brackel der Trainingsauftakt für die jungen Borussen. Los geht es mit einem Laktattest sowie Leistungsstests in Kleingruppen. Anfang Februar ist zudem ein achttägiges Traininslager im spanischen Huelva geplant. Das erste Rückrundenspiel bestreitet der BVB II dann am 18. Februar in Oberhausen.
Vor dem Aufgalopp ins neue Jahr hat David Reininghaus mit Trainer Daniel Farke gesprochen. Die sportliche Situation des Teams die Rückkehr von Joseph-Claude Gyau und auch die Fortschritte bei David Solga bereiten ihm viel Freude. Eine Entwicklung neben dem Platz hält er hingegen für sehr bedenklich.

Herr Farke, wie haben Sie die Weihnachtstage verbracht?

Daniel Farke: Ganz entspannt und traditionell mit der Familie. Wir waren ein paar Tage im Familienurlaub in Südtirol. Es gab viel zu essen. Wie man sich das so vorstellt (lacht).

Wie sehr spielte der Fußball in den freien Tagen eine Rolle bei Ihnen?

Meine beiden Söhne spielen auch Fußball. Deshalb wird dann natürlich auch gespielt, wenn der Papa mal frei hat (schmunzelt). Auf dem Niveau ist es aber generell wichtig, sich Freiräume zu schaffen und zwischendurch ein wenig Abstand zu gewinnen. Natürlich müssen dennoch einige organisatorische Dinge geregelt oder Personalien abgesprochen werden. Ganz loslassen kann man nicht, das bringt der Job eben mit sich.

Der Blick auf die Tabelle dürfte Ihnen jedenfalls Freude bereiten. Die U23 des BVB belegt Rang drei in der Regionalliga West und ist zudem noch ungeschlagen...

Ich muss den Jungs ein Riesenkompliment aussprechen. Sie haben 2016 Großartiges geleistet. Gerade das letzte Halbjahr war in seiner Konstanz beeindruckend. Die Art und Weise war herausragend, wir haben die beste Abwehr der Liga (bereits zehnmal zu Null gespielt) und bilden zusammen mit Gladbach und Viktoria Köln die Spitzengruppe der Liga. Zudem haben wir ein Nachholspiel und können nochmal nachlegen.

Vor der Saison wurde von Ihnen bewusst nicht vom Aufstieg gesprochen, aber nach dem Verlauf der Hinserie kann das Ziel doch jetzt nur noch die Rückkehr in die dritte Liga lauten, oder?

Nein. Wir haben bewusst nicht davon gesprochen, weil Ergebnisziele in einer U23 keine Priorität haben können. Wir wollen vor allem Thomas Tuchel unterstützen und Spieler für den BVB ausbilden. Entwickelt sich ein Spieler von uns so gut, dass er für die Profis bereit ist, schwächen wir uns auch gerne selbst, indem wir ihn zur Bundesligamannschaft abgeben. Für Ergebnisse und Tabellenstände ist bei uns die 1. Mannschaft zuständig. Trotzdem wollen wir natürlich auch so erfolgreich wie möglich agieren und - wenn es geht - jedes einzelne Spiel gewinnen. Das Eine schließt das Andere ja nicht aus. Deshalb sind wir auch sehr glücklich mit der Gesamtentwicklung in diesem Jahr.

Mit dem Revierderby der zweiten Mannschaften (0:0) ging es in die Pause. Im Vorjahr wurde die Partie in der Woche um 14.30 Uhr angesetzt, danach hatten sie eine Stimmung „wie beim letzten Laktattest beklagt“. Diesmal haben zumindest die BVB-Profis nicht parallel gespielt, die der Schalker aber schon, sodass nur die Heimfans zahlreich erschienen sind. Ein tragbarer Kompromiss für Sie?

Das ist mir wesentlich lieber als andersrum (lacht). Es gibt eben eine Gemengelage, die man aus allen Perspektiven betrachten muss und Sicherheitsfragen spielen natürlich eine wichtige Rolle. Grundsätzlich halte ich die Entwicklung allerdings für sehr bedenklich: Spiele werden so angesetzt, dass möglichst wenig Fans kommen können. Das ist eigentlich eine Perversion, denn wir spielen doch Fußball um die Zuschauer zu unterhalten und für unsere Fans. Ich glaube alle Seiten müssen aufpassen, dass sie diesen Kerngedanken nicht vergessen. Fußball geht nur mit den Fans und muss für sie da sein. Nicht umgekehrt.

Hendrik Bonmann schrieb damals mit einem Hauch Ironie, dass er sich demnächst einen Nebenjob suchen würde, dann hätte er schließlich nachmittags keine Zeit...

Die Jungs leben ja nicht auf dem Mond und bekommen auch mit, wenn Spiele so angesetzt werden. Gerade bei der Atmosphäre, die sie bei der U23 der Borussia kennen- etwas Vergleichbares gibt es europaweit nicht. Bei unserem Auftaktspiel waren knapp 2000 Fans mit in Köln. Das ist für die Jungs toll und für gegnerische Teams übrigens auch. Wenn die nächste Partie dann werktags um 13:30 Uhr vor 184 Scouts und drei Omas stattfindet, sind die Spieler auch nicht glücklich, keine Frage.

Wären die Vereine nicht in der Pflicht, sich beim Verband mehr für die Fans einzusetzen? Ein Spiel bewusst so anzusetzen, dass möglichst wenig Interessierte kommen können, kann ja nicht im Sinne des Fußballs sein...

Da besitze ich weder die notwendige Expertise noch ist es mein Thema als Trainer. Ich kann nur für den BVB sagen, dass ich bei uns wahrnehme, dass die Vereinsverantwortlichen und die Fanbeauftragten wirklich alles tun und sich in den Spielansetzungen für die Fans einzusetzen. Das Thema ist eben eine hochkomplexe Angelegenheit.

Lassen Sie uns wieder über das Sportliche sprechen: Der US-Amerikaner Joesph Claude Gyau ist hochveranlagt, fiel zuletzt aber fast zwei Jahre mit Kniebeschwerden aus. Vor kurzem feierte er sein Comeback. Was kann er in das Team einbringen, sollte er gesund bleiben?

Joseph hat eine außergewöhnliche Leidenszeit hinter sich. Es war fraglich, ob er überhaupt wieder Sport treiben kann, die Prognosen der Ärzte waren eher negativ. Er hat aber eine wahnsinnig tolle Geisteshaltung und hat weiter für seinen Traum, Fußballprofi zu sein, gekämpft. Seine sportlichen Stärken liegen im Eins gegen Eins, zudem bringt er eine unglaubliche Dynamik und Tempo ins Spiel. Diese Fähigkeiten haben ihn ja auch bis in die Nationalmannschaft der USA gebracht. Wir werden ihm nach der langen Auszeit aber keine Erwartungen aufbürden. Er ist ein toller Junge und wir sind froh, dass er wieder dabei ist.

Routinier David Solga fehlt seit Februar mit Kreuzband- sowie Außenbandriss und einem Meniskusschaden. Wie geht es ihm?

David kann wieder große Teile des Mannschaftstrainings absolvieren, wir hoffen dass er zum Ende der Vorbereitung voll mitmachen kann. Die Heilung des Knies verläuft gut. David ist erfahren genug und entscheidet - in Absprache mit den Ärzten -  selbst, wann er wieder bereit ist. Er bekommt von uns alle Zeit, die er braucht, um wieder komplett belastbar zu sein und seine Karriere fortzusetzen.

Mit 34 Jahren ist er nicht mehr der Jüngste. Wird er seine Karriere über den Sommer hinaus fortsetzen?

David ist mit Leib und Seele Fußballer. Deshalb gehe ich fest davon aus, dass er weitermachen will.

Derzeit ist das Transferfenster geöffnet. Sind Veränderungen im Kader geplant?

Für unsere Spieler kommen immer mal wieder Anfragen rein. Da muss man schon die Augen offen halten, wie man im Bedarfsfall reagieren könnte. Bis Ende Januar kann natürlich in beide Richtungen etwas passieren, konkret geplant ist von uns aber nichts.

Spieler wie Philipp Hanke oder Alen Ozbolt kamen zuletzt kaum zum Zug...

Beide Jungs bringen Qualität mit, das haben sie auch schon unter Beweis gestellt. Die Konkurrenz bei uns ist aber groß. Für Philipp kommt die Problematik hinzu, dass er bereits 23 Jahre alt ist. Und in der Offensive sind Hamadi Al Ghaddhioui und Massih Wassey als erfahrene Spieler absolute Leistungsträger und Führungsspieler. Zudem hatte er eine schwere Syndesmosebandverletzung  zu Anfang der Serie, die ihn natürlich etwas zurückgeworfen hat.

Und bei Alen....?

Auch Alen hat seine Qualitäten bereits nachgewiesen und arbeitet wirklich sehr professionell. Klar möchte jeder von den Jungs natürlich am liebsten jede Minute spielen. Bei unserem Kader ist das aber schwer. Sie zeigen aber einen tollen Trainingseifer. Und ich bin überzeugt davon, dass man auf Sicht dafür belohnt wird. Wir sind keineswegs unzufrieden mit ihnen.

Zuletzt entwickelte sich die Borussia nicht nur als Talentschmiede bei den Spielern, sondern auch im Trainerbereich. Ex-Coach David Wagner wurde beim VfL Wolfsburg gehandelt. Auch sie sind begehrt. Erst wollte sie Zweitligist Arminia Bielefeld. Zuletzt gab es Gerüchte um ein Interesse des SV Darmstadt. Ganz ehrlich: Was war da dran?

An Diskussionen um meine Person beteilige ich mich generell nicht. Aber wer sich mit meiner Vita beschäftigt, wird schnell feststellen, dass ich jeden meiner Verträge als Trainer immer komplett erfüllt und bislang niemals vorzeitig eine Aufgabe beendet habe. Ganz grundsätzlich gilt aber: Ich kann nicht verhindern, wenn Spekulationen aufkommen oder Vereine Interesse zeigen. Es ist aber alles gesagt - ich habe einen Vertrag bis zum Sommer, fühle mich hier pudelwohl und bin sehr dankbar, dass ich für den BVB arbeiten darf. Ich freue ich mich auf eine hoffentlich tolle Rückrunde mit den Jungs und unsere anstehenden Aufgaben.

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Wie stehen die Chancen, dass sie darüberhinaus dem BVB erhalten bleiben?

Die Chancen stehen gut, ich bin in Dortmund sehr glücklich. Ich spüre ebenfalls eine hohe Wertschätzung und weiß, dass man mit meiner Arbeit nicht komplett unzufrieden ist. Wenn es dann etwas zu verkünden gibt, werden wir das auch ganz bestimmt tun. Aber wir haben überhaupt keinen Zeitdruck.

Das Fußballgeschäft ist schnelllebig. Wäre ein Szenario denkbar, bei dem sie Dortmund auch kurzfristig verlassen?

Natürlich. Als Trainer kann es Dir immer passieren, dass die Verantwortlichen unzufrieden sind mit Deiner Arbeit und Du vorzeitig gehen musst. Ich hoffe aber, dass mir diese Erfahrung noch ein wenig erspart bleibt.

Daniel Farke, vielen Dank für das Interview!

 


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