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Nachwuchskoordinator im westline-Interview
Aus jedem das Beste machen - Lars Ricken über die Jugendarbeit bei Borussia Dortmund

BVB-Nachwuchskoordinator Lars Ricken. (Foto: BVB)
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Dortmund – Die Jugendabteilung von Borussia Dortmund blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Doch das war nicht immer so. Florian Dellbrügge hat für westline mit BVB-Nachwuchskoordinator Lars Ricken über die Änderungen in den vergangenen Jahren und den allgemeinen Umgang mit Talenten gesprochen.

Herr Ricken, stören wir gerade im Urlaub?

Nein, nein. Ich sitze in meinem Büro in der Geschäftsstelle.

Wie können wir uns das vorstellen? Was macht der Nachwuchskoordinator von Borussia Dortmund Ende Juni: Ist die zurückliegende Saison schon abgehakt?

Das ist sie. Wir haben  ein paar tolle Erfolge feiern können, aber da ist ein Haken dran. Und die Planungen für die neue Saison laufen schon seit langem. Man ist jetzt auch ein Stück weit Troubleshooter. Es gibt einfach Sachen, die erledigt werden müssen. Und es ist ja nicht so, dass alle Mannschaften zeitgleich aufhören. Die U23 hat schon wieder angefangen, die U19 fängt im Juli wieder an. Also geht es weiter. Eine Mannschaft trainiert und spielt eigentlich immer.

Sie haben die aktuellen Erfolge angesprochen. Ich gehe mal ein bisschen zurück. In die Winterpause 2012. Da hat Hans-Joachim Watzke die Jugendabteilung sanft kritisiert. Er sagte damals, die Ergebnisse blieben aus, dazu mangele es ihm an Top-Talenten. Seitdem sind Meisterschaften dazugekommen und Talente in die Hände von Thomas Tuchel abgegeben worden. Was ist passiert? Oder sind das einfach die starken Jahrgänge, die gerade passen?

Da ist einiges passiert. Wir haben ein bisschen unsere Philosophie umgestellt. Es war oftmals so, dass die guten U17-Spieler schon in der U19 gespielt haben. Und die guten U19-Spieler in der U23. Das fällt dann natürlich auf den mannschaftlichen Erfolg zurück.

Insofern bleiben die Spieler jetzt immer in ihren Mannschaften. Damit haben wir in jedem Jahrgang eine gute Trainings- und Spielqualität. Das ist für die Entwicklung eines jeden einzelnen Spielers förderlich.

Was noch?

Wir haben die U16 wiedereingeführt, weil wir gesagt haben, es kann nicht sein, dass der körperlich schwächste U16-Spieler mit dem körperlich besten U17-Spieler zusammentrainiert. Wir haben ein neues Jugendhaus gebaut, das im Februar 2014 eröffnet wurde. Wir hatten vorher ein Haus für zehn Spieler, damit waren wir im Bundesliga-Durchschnitt auf einem Abstiegsplatz. Jetzt gibt es in Brackel am Trainingsgelände ein Haus für 22 Spieler. Das gibt uns die Möglichkeit, mehr Spieler von außerhalb Dortmunds zum BVB zu holen, was natürlich auch die Qualität des Kaders erhöht.

Auch ins Personal haben wir investiert. Zum Beispiel haben wir einen Sozialpädagogen eingestellt, einen Sportpsychologen dazu genommen und zwei Athletiktrainer eingestellt, sodass wir die Spieler auch im athletischen Bereich umfassender betreuen können. Da ernten wir gerade ein bisschen die Früchte von dem, was wir vor ein paar Jahren gesät haben. Wenn ich den athletischen Bereich sehe und ein Passlack und Pulisic, die im Winter komplett zu den Profis gestoßen sind, ohne Ausfallzeiten, weil die körperliche Belastung zu groß ist, durchkommen, dann ist das ein großes Kompliment an alle Trainer und die Athletikabteilung.

Das waren im Schnelldurchlauf die Entscheidungen, die wir getroffen haben. Wahrscheinlich auch deswegen haben wir eine hohe Durchlässigkeit und auch die mannschaftlichen Erfolge. Ab der U14 sind alle Mannschaften in ihren Jahrgängen Tabellenerster geworden. Das ist natürlich schon eine Bestätigung.

Auf jeden Fall! Hat das auch etwas mit Eddy Boekamp zu tun? Der ist 2013 in den Verein zurückgekehrt. Hat er mit seiner Erfahrung, er war ja auch in den goldenen 90er Jahren schon am Ruder,  an  Stellschrauben drehen können?

Ich glaube eine große Stärke bei Borussia Dortmund ist, dass die Personen in der Leitung schon so lange im Verein sind. Eddy Boekamp als sportlicher Leiter kommt auf 25 Jahre. Ich bin inzwischen auch schon in meinem 26. Jahr beim BVB. Wolfgang Springer, unser Jugendleiter, ist über 40 Jahre im Verein. Heiner Finke, unser Nachwuchs-Chefscout kommt auch auf 25 Jahre. Ich glaube, wir sind alle schon so lange hier, dass wir mit Liebe und Leidenschaft für und im Interesse des Vereins arbeiten.

Relativ lange ist nun auch schon Hannes Wolf im Verein. Er ist natürlich auch durch seine drei Meisterschaften (B-Jugend 2014 und 2015/A-Jugend 2016) bekannt geworden. Ist er jemand, dem Sie in der Zukunft zutrauen, die Profis zu trainieren?

Wir müssen jetzt nicht den Rucksack zu voll packen. Er ist jetzt drei Mal hintereinander Deutscher Meister geworden Und hat das veredelt, was in den Jahrgängen auch von den Trainern vorher geleistet wurde. Wir sind erst einmal dankbar einen so talentierten, extrem wissbegierigen Trainer zu haben, der noch einen langfristigen Vertrag Hat und sich auch immer noch weiterentwickeln will. Was in Zukunft passiert,  muss man jetzt noch nicht formulieren.

Wie kann man sich das generell vorstellen: Gibt es beim BVB auch eine Art Trainer-Scouting?

Natürlich sind wir für den Fall, dass uns ein Trainer mal verlässt, vorbereitet. Ein ganz gutes Beispiel war Daniel Farke. Auch, wenn wir da jetzt aus dem Jugend-Bereich in die U23 rausgehen, die aber auch noch zum Nachwuchs gehört. Als David Wagner uns doch recht kurzfristig verlassen hat, hatten wir Daniel, der in Lippstadt Trainer war, schon gut auf dem Schirm und konnten eine schnelle Entscheidung treffen.

Unser oberstes Ziel ist aber natürlich, nicht nur Jugendspieler, sondern auch die Trainer, die bei uns im Nachwuchsleistungszentrum arbeiten, weiterzubilden. Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln. Als die U19-Stelle vakant war, haben wir eben auch keinen externen Trainer geholt, sondern Hannes Wolf von der U17 nach oben gezogen, und Benny Hoffmann, der gerade mit seinem Fußballlehrer fertig war, von der U14 in die U17.

Stichwort Entwicklung: Das Nachwuchsleistungszentrum hat vom DFB und der DFL drei Sterne erhalten, das ist die höchstmögliche Wertung. Wie können wir uns die tägliche Arbeit vorstellen? Wie zum Beispiel wird der Footbonaut genutzt? Die Frage rührt auch daher, dass Oliver Bierhoff während der EM gerade bemängelt hat, dass in der Nachwuchsarbeit  nicht mehr so viel Wert auf alle Aspekte des Spiels gelegt wird.

Bei uns wird zugesehen, dass in jeder Trainingseinheit alles trainiert wird. Der Footbonaut ist ein wichtiger Baustein. Wir sehen zu, dass jeder Jugendspieler bei Borussia Dortmund mindestens einmal in der Woche in den Footbonauten geht. Wir halten das für ein wirklich tolles Tool, um Passqualität, Antizipationsvermögen sowie Ballan- und -mitnahme zu trainieren. Auch in Extra-Trainingseinheiten am Mittag, sodass man es am Nachmittag wunderbar auf dem Platz umsetzen kann.

Der BVB pflegt lokale Kooperationen mit Vereinen wie dem SC Münster, Westfalia Herne oder dem Hombrucher SV. Weiß der Club immer schon genau Bescheid, was in den Vereinen passiert?

Es ist eine Mischung aus Netzwerk und Scouting. Weil wir natürlich viele Kontakte mit Spielerberatern haben, kriegen wir Tipps, denen wir zum Teil nachgehen. Aber wir haben nahezu deutschlandweit Scouts, die für uns tätig sind. So haben wir einen ganz guten Überblick über die deutschen Talente. Christian Pulisic war eine klassische Mischung aus Netzwerk und Tipp. Gleichzeitig haben wir den Spieler auf einem internationalen Jugendturnier gesehen.

Pulisic führt direkt zur nächsten Frage: Durch die Erfolge der Profis in jüngerer Vergangenheit ist der Verein enorm gewachsen. Die Internationalisierung schreitet voran. Macht sich das auch in der Jugend bemerkbar? Aus Anderlecht wurde Orel Mangala geliehen. Jacob Bruun Larsen kam schon früh aus Dänemark. Sind das alles nur Tipps und Turnierbeobachtungen, oder gibt es auch international Leute, die für den BVB nach Talenten spähen?

Dass wir nicht jeden 15-Jährigen in Dänemark umfangreich kennen, ist nachvollziehbar. Aber spätestens, wenn Jugendeuropameisterschaften oder die Qualifikation dafür anstehen, sind wir vor Ort. Wenn wir auch überregional absolut talentierte Spieler mit Profi-Potenzial sehen wie Pulisic, Mangala oder Bruun Larsen, sind wir so ambitioniert zu sagen: Wir können hier auch unserer sozialen Verantwortung gerecht werden, denn es  geht eben nicht nur um Sport, sondern auch um die schulische und persönliche Entwicklung der Jungs.

Unser Fokus liegt aber unverändert darauf, Spieler aus Dortmund und näherer Umgebung auszubilden. Das war schon immer so.

Ich will jetzt nicht mit mir anfangen, aber Mario Götze, Nuri Sahin, Kevin Großkreutz und Marco Reus, die häufig wirklich Dortmunder sind oder mindestens lange Jahre in unserer Jugend ausgebildet wurden, und auch Daniel Ginczek oder Antonio Rüdiger waren und sind alles Spieler, die unter das Stichwort „Dortmunder Jungs“ fallen.

Wo wir bei sozialer Verantwortung sind: Angenommen, ein Spieler fällt durch gute Leistungen auf, trainiert und spielt gut, ist dafür aber in der Schule nicht der große Held – wird das Training dann mal zugunsten der Schule zurückgestellt?

Wir wollen aus jedem Spieler den besten Spieler machen, der er sein kann. Das kann Mario Götze sein, der im WM-Finale das siegbringende Tor schießt. Das kann aber auch ein Spieler sein, der zweite oder dritte Liga spielt. Wo wir aber sagen, wir haben ihn maximal ausgebildet. Das ist ein Baustein.

Der andere ist natürlich, dass die Jungs ihren bestmöglichen Schulabschluss machen. Da betreiben wir einen ebenso großen Aufwand. Wenn Spieler in bestimmten Schulfächern Probleme haben, kriegen sie von uns einen Nachhilfelehrer gestellt. In unseren Kooperationsschulen, der Geschwister-Scholl-Gesamtschule und dem Goethe-Gymnasium in Dortmund, haben wir vom BVB gestellte Nachhilfelehrer installiert.

Insbesondere, wenn es  zum Abitur geht, muss man im Bedarfsfall auch mal auf Trainingseinheiten verzichten. Es ist uns wichtig, das möchte ich betonen, dass die Jungs ihr Abi machen. Dieses Jahr haben von den Schülern, die zum Abitur zugelassen worden sind, es auch alle geschafft. Das erfüllt uns mit Stolz.

Und ein Janni Serra hat als überaus talentierter Stürmer im vergangenen Jahr seine Teilnahme an der U17-WM in Chile abgesagt, weil er sonst womöglich Probleme in der Schule bekommen hätte. Hinter einer solchen Entscheidung stehen wir als Verein natürlich zu 100 Prozent.

Zum Abschluss noch eine Frage: Sie haben in einem Interview mit dem DFB mal gesagt, dass es natürlich das Interesse des Vereins sei, das Maximum aus jedem Spieler herausholen und ihn maximal fördern zu wollen. Im Idealfall werden die Spieler dann Profi von Borussia Dortmund oder  zumindest an den Profifußball herangeführt. Das klappt aber nicht mit jedem Einzelnen. Wie wird in solchen Fällen der weitere Lebensweg begleitet?

Wenn es ein Spieler bei Borussia Dortmund nicht schafft, hört er ja im Zweifel nicht auf, Profifußballer zu werden oder zumindest den Traum davon zu haben. Das sind dann Spieler, die den Plan B verfolgen, auf den wir relativ wenig Einflussmöglichkeiten haben, sowohl sportlich als auch beruflich-persönlich.

Umso mehr ist es aber unsere Ambition, dass jeder den bestmöglichen schulischen Abschluss oder berufliche Ausbildung bekommt - als Basis für das weitere Leben, auf der sich aufbauen lässt. Mit dem Abi kann ich jederzeit studieren, mit einer vernünftigen Ausbildung jederzeit in den Beruf einsteigen. 

 

 


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