DFB-Pokal
Später K.O. gegen Gladbach: RWE verpasst Pokalsensation

Benjamin Baier kniet nach dem Spiel enttäuscht auf dem Rasen. (Foto: dpa)
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Essen – Die Sensation war für den Regionalligisten Rot-Weiss Essen in der ersten Runde des DFB-Pokals am Freitagabend zum Greifen nahe. Ein später Doppelschlag von Borussia Mönchengladbach machte alle Träume der RWE-Fans zunichte, an die Pokalsaison 1993/1994 anzuknüpfen. Damals stürmte Essen bis ins Finale nach Berlin vor. 

Um dem Traum Nährboden zu geben, haben sich die RWE-Verantwortlichen im Vorfeld einiges ausgedacht. So lief die Mannschaft von Trainer Sven Demandt in Trikots auf, die eine Kopie der Leibchen aus den 1990er-Jahren darstellte. Regen, Flutlicht und die Zuschauer an der Hafenstraße gaben einem richtigen Pokalfight auch die entsprechende Würze. „RWE hat hier alles reingeworfen mit dem Stadion und der Atmosphäre“, äußerte sich Borussias Neuzugang Matthias Ginter nach dem Spiel. Sein Trainer Dieter Hecking, der den Pokal 2015 mit dem VfL Wolfsburg gewann, ergänzte: „Heute hat man gesehen, was den DFB-Pokal auszeichnet.“

Dafür sorgten nicht nur die beiden Fanlager, sondern vor allem die Spieler in den rot-weißen Trikots. Trotz einer starken Gladbacher Anfangsphase kämpfte sich der Regionalligist in die Partie, kam auch nach gut 20 Minuten zu den ersten Abschlüssen aufs Tor des Schweizer Nationalkeepers Yann Sommer. Noch besser wurde es dann in der 29. Minute: Flanke durch Dennis Malura von der rechten Seite und Mannschaftskapitän Benjamin Baier wuchtete den Ball per Kopf gegen die Laufrichtung Sommers ins Netz. Der 1:0-Führungstreffer für Essen.

Spätestens dann sprang der Funke vom Rasen auf die Tribüne über – und umgekehrt. Bis zur Pause ging bei jeder Balleroberung ein Raunen durch das Stadion an der Hafenstraße. Jede Grätsche wurde gefeiert, genauso wie jeder Fehlpass der Gladbacher. Die Westtribüne, wo der harte Kern steht, bebte. Manch einer jubelte beim Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Patrick Ittrich bereits so, als sei es der Abpfiff gewesen.

Nach dem Seitenwechsel baute die Fohlen-Elf gleich zu Beginn mehr Druck auf und verzeichnete zwei Chancen durch Lars Stindl und Ibrahim Traore. Gegen Oscar Wendt klärte Benjamin Baier ein paar Minuten später auf der Linie. Nach 66 Minuten kam dann Jonas Hofmann für Zakaria in die Partie. Er brachte nochmal Schwung von der Bank – und belohnte Heckings Vertrauen mit dem Ausgleich in der 79. Minute. So ähnlich, erklärte sein Trainer später, habe sich das Tor bereits im Training angedeutet. Da ginge Hofmann bei einer vergleichbaren Situation ebenfalls mit in die Tiefe. Nur drei Minuten später beendete Raffael nach Zuspiel von Thorgan Hazard die Essener Träume von einem erneuten Pokalmärchen.

„Der Gladbacher Druck wurde schließlich zu groß“, sagte RWE-Coach Sven Dermandt, der seiner Elf ein großes Kompliment ausstellte, aber letztlich die Enttäuschung über das Aus nicht verbergen konnte. So erging es auch Baier: „Mit dem Spiel wollten wir bei den Fans einiges gut machen. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, dass wir mutig sein wollen. Ich denke, das ist uns gelungen.“

Borussia Mönchengladbach sieht sich hingegen für das Niederrhein-Derby zuhause gegen den 1.FC Köln am kommenden Sonntag, 20. August, gerüstet. „Es weiß jeder, dass es jetzt zur Sache geht“, meinte Hofmann, der es seinem Trainer nicht wirklich leichtgemacht hat, ihn beim Derby wieder erst auf der Bank sitzen zu lassen.

 


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