6.000 Euro für Platzsturm
Erzgebirge Aue erhält DFB-Strafe für Aufstiegsfeier – und empört sich

Wird zur Kasse gebeten: Der FC Erzgebirge Aue um Trainer Pavel Dotchev. (Foto: Sanders)
FC Erzgebirge Aue.
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Frankfurt – Erleuchtet irgendwo in Deutschlands Profiligen in den Fankurven etwa ein bengalisches Feuer oder geschieht ein anderes sicherheitsrelevantes Vergehen, dann klingelt es kurze Zeit später in den Kassen des Deutschen Fußballbundes – eine Strafe wird fällig. Nicht nur das Strafmaß bietet aber oft Anlass zur kritischen Diskussion, sondern manches Mal auch der ‚Tatvorwurf‘. Das jüngste Beispiel des FC Erzgebirge Aue liefert ein deutliches Beispiel dafür.

Ein Blick zurück in die vergangenen Monate: Erzgebirge Aue reiht im Frühjahr Sieg an Sieg und kann auswärts bei Fortuna Köln endlich den direkten Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga vollenden. Alles läuft nach Plan, die Veilchen gewinnen souverän mit 3:1. Nach Spielende zeigte sich Fortuna kooperativ und lässt die rund 3000 mitgereisten lila-weißen Anhänger im Innenraum feiern. Eine Woche darauf fegt Aue zur Feier im eigenen Wohnzimmer den SC Preußen Münster mit 3:0 vom Rasen – wieder stürmen die Fans den Rasen.

So weit so gut, und längst nicht unüblich. Jeder Fußballfan, der einen Aufstieg miterlebt hat - sei es in die Bundesliga oder in die Bezirksliga – der hat auch schon einmal den Rasen seines Vereins betreten und die Spieler geherzt. Streng genommen kann dies bei Betrachtung der Sicherheitsregularien dem Club negativ ausgelegt werden. Irgendwie ließe sich bei abstrakter Sichtweise tatsächlich der Schluss daraus ziehen, dass das Betreten eine Ordnungswidrigkeit darstellt, und darüber hinaus eine potenzielle Gefahrensituation.

Das Fingerspitzengefühl geht verloren

Es ist das Fingerspitzengefühl der zuständigen Behörden, in solchen Fällen eigentlich nicht zu ermitteln. In Gefahr schwebte bei diesen „Platzstürmen“, so bedrohlich der Begriff an sich durch Vorfälle anderer Art bereits stigmatisiert wurde, nämlich noch nie jemand – plötzliche Bierduschen einmal ausgenommen. Aber selbst in diesem Punkt hat der DFB ja bereits indirekt angedeutet, seine Statuten bald zu überarbeiten.

Im Fall Erzgebirge Aue allerdings sah das etwas anders aus: 6.000 Euro müssen die Veilchen für das „Fehlverhalten“ seiner Fans bezahlen. Das Fehlverhalten, den überraschenden und dennoch hochverdienten Wiederaufstieg ausgiebig und friedlich zu feiern. Deutlich wie selten ein Verein zuvor hinterfragte der Club auf seiner Homepage diese Entscheidung:

„Obwohl es zu keinerlei Ausschreitungen oder zum Abbrennen von Pyrotechnik kam, hat der DFB-Kontrollausschuss beim Sportgericht des Deutschen Fußball Bundes gegen den FC Erzgebirge Aue aufgrund der Vorkommnisse beim Spiel in Köln bzw. beim letzten Heimspiel gegen Münster wegen des jeweils erfolgten friedlichen Betretens des Spielfelds nach Spielende durch unsere Fans, aus Freude über den sensationellen Aufstieg eine Geldstrafe von 6.000,00 € beantragt.“

Strafe zur Belehrung oder zur Auffüllung der Kassen?

Es ist nur ein weiteres Kapitel in einer Zeit, in der die DFB-Strafen überproportional zu den Vorfällen in deutschen Stadien zu wachsen scheinen. 1,4 Mio. Euro zahlten die Profivereine in der Saison 2014/2015 bereits – das ist ein nettes Sümmchen. Vor allem für den DFB. Das Geld fließt, auch weil die Vereine die Strafen oft umgehend hinnehmen. Wieso sie dies tun?

„Auch wenn diese (Strafe, Anm. d. Red.) seitens des FC Erzgebirge Aue als deutlich übersetzt und unangemessen angesehen wird, hat der Verein mangels Erfolgsaussicht diesem Antrag zugestimmt, um weitere unnötige Kosten für den FCE zu vermeiden“, verdeutlicht das Beispiel die ausweglose Situation der Veilchen.

Wohl jeder hat bereits einmal einen Stadionsprecher diesen Satz sagen hören: „Lasst das Zündeln, um eurem Verein nicht zu schaden.“ Keine Frage, diese Aussage ist weiterhin relevant. Wer mit dem Feuer spielt, betritt die verbotenen Zone und versprüht potenzielle Gefahr, da gibt es wenig Spielraum in der Auslegung, hier wundert sich niemand über Strafen.

Wenn aber selbst bei friedlichen Aufstiegsfeiern bereits die Geldeintreibe-Maschine des Deutschen Fußballbundes ihren Betrieb aufnimmt, dann wirft das die Frage auf: Geht es dem DFB ausschließlich noch um die Sicherheit in deutschen Fußballarenen oder vermehrt um das Auffüllen der eigenen Kassen? Das wiederum würde es deutlich schwerer machen, den belehrenden und eigentlich keinesfalls schlechten Gedanken hinter der bloßen Bestrafung, nämlich den sicheren Gang ins Stadion, noch zu erkennen.

 


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