3. Liga
Heftige Debatte um Eismann-Tor in Jena

Sören Eismann, hier 2015 in einem DFB-Pokal-Spiel. (Foto: dpa)

Jena – In der vergangenen Woche war der Bochumer Felix Bastians der Fairplay-Held. Am Samstag wurde Sören Eismann so etwas wie der Gegenentwurf. Mit einem äußerst umstrittenen Tor zog sich der Jena-Profi den Zorn vieler Fans zu.

Vielleicht hat Fußball-Deutschland jetzt seinen neuen Timo Werner. Die ersten Reaktionen deuten darauf hin. Am Samstag nämlich zog sich Sören Eismann den Zorn der meisten Fußballfans zu. Weil Eismann im Spiel zwischen seinem Carl Zeiss Jena und dem SV Meppen eine Szene ausnutzte, die eigentlich seinem eigenen Team hätten helfen sollen...

Was war geschehen? Im Zweikampf hatte sich Eismanns Kollege Julian Günther-Schmidt verletzt, zumindest lag er am Boden. Der SV Meppen, zu diesem Zeitpunkt 2:0 in Führung, wollte das Spiel zugunsten des Jena-Profis unterbrechen. Nico Granatowski hatte den Ball, zeigte auf den am Boden liegenden Günther-Schmidt, achtete aber nicht auf Eismann.

Der schaltete schnell, schnappte Granatowski den Ball vom Fuß und traf zum wichtigen 1:2-Anschluss. Jena holte später sogar noch den Ausgleich, ebenfalls durch Sören Eismann.

Hier die Szene:

Natürlich war Eismanns Treffer Gesprächsthema Nummer 1. Tenor allgemein: Unsportlich hoch zehn. Von "Skandal" war wie üblich schnell die Rede. Nach den Regeln muss sich aber Nico Granatowski zumindest ankreiden lassen, unklug gehandelt zu haben. Es ist üblich, dass in einer solchen Szene der Ball klar ins Aus gespielt wird. Oder der Schiedsrichter unterbricht das Spiel selbst.

Granatowski allerdings entschied sich, das Spiel selbst zu verzögern und ließ den Ball aus den Augen. Das nutzte Eismann zum Tor. "Nicht stolz" war sein Trainer Mark Zimmermann anschließend. "Ich kann verstehen, dass alle Meppener sauer sind."

Meppens Trainer Christian Neidhart wollte sich zumindest direkt nach dem Spiel nicht allzu kritisch äußern. "Was dann in der 57. Minute passiert ist, da soll sich jeder selbst Gedanken machen, ob man darauf stolz sein kann."

Klar: Noch in der Vorwoche hatte Bochums Felix Bastians bei einem Bochumer Rückstand einen Elfmeter "abgelehnt". Dafür gab es Lobeshymnen - und jetzt bildete Sören Eismann so etwas wie den Gegenpol.

Eine schwierige Sache. Aus Eismanns Sicht allerdings verständlich, schließlich war es sein eigener Mitspieler, der da am Boden lag. Ein bisschen ist es dann auch Sache des betroffenen Teams, darauf Rücksicht zu nehmen. Kontrollfrage: Hätte Jena im Ballbesitz möglicherweise einen aussichtsreichen eigenen Angriff abgebrochen, weil ein eigener Mitspieler am Boden lag? Eher nicht. Und so traf wohl auch Eismann die Entscheidung, weiterzuspielen.

Unfair, weil Meppens Granatowski ja eine faire Geste im Sinn hatte. Unklug von Granatowski, weil er sich nicht klar entscheiden konnte und den Ball einfach liegen ließ und auf irgendeine Entscheidung des Schiedsrichters wartete - der ja weiterspielen lassen wollte.

Eine Szene, die sich von beiden Seiten betrachten lässt. Sicher ist nur: Den Fairplay-Preis wird sich Eismann dafür aber nicht abholen.

 


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