Großes Finanzloch
Rot-Weiß Erfurt auf und neben dem Platz in der Krise

(Foto: Sebastian Sanders)
(Foto: Sebastian Sanders)
(Foto: Sebastian Sanders)

Erfurt – Rot-Weiß Erfurt befindet sich in der 3. Liga im freien Fall. Nach 15 Spieltagen steht die Mannschaften auf dem letzten Platz. Nur magere zehn Punkte hat sie bisher gesammelt. Noch größter ist die Krise aber neben dem Platz. Die Stadionmiete ist zu hoch und auch der Caterer konnte zuletzt nicht mehr bezahlt werden. Ein externer Finanzprüfer soll nun Klarheit ins Bild bringen...

Nach 15 Spielen in der 3. Liga kann Rot-Weiß Erfurt in der derzeitigen Länderspielpause nur auf die magere Ausbeute von zehn Punkten blicken. Damit steckt man ganz tief im Abstiegskampf der Liga. Doch der letzte Tabellenplatz schmerzt vielleicht gar nicht so sehr wie die wirtschaftlichen Probleme. In den letzten Tagen kamen immer neue Schreckensmeldungen auf.

So kann der Kontrahent von den westfälischen Klubs Münster, Lotte oder Paderborn derzeit offenbar die Stadionmiete nicht zahlen. Die Bild-Zeitung berichtete am Mittwoch, dass die Erfurter bei der Stadion-GmbH in Rückstand sind. Im Oktober schon hatte sich das Verhältnis zwischen Klub und Stadion-GmbH zugespitzt. Damals hatte der Klub den Mietvertrag des Steigerwaldstadions zum Saisonende gekündigt. 

Der Vertrag wurde erst wenige Monate zuvor abgeschlossen und beinhaltete eine variable Miete, die anhand der Zuschauerzahlen beziffert wird. Im Vertrag enthalten war zudem ein Nachlass, weil die Westtribüne nicht nutzbar ist sowie die Umbaumaßahmen des Stadions erst verspätet beendet werden. Dennoch blieben zuletzt Mietzahlungen aus. Einen genauen Beitrag nennt die Bild jedoch nicht. Weiterhin weiß sie aber zu berichten, dass auch der Caterer des VIP-Bereichs zuletzt auf Geld wartete.

Vor dem Testspiel gegen Dynamo Dresden am kommenden Freitag soll die Firma sogar auf Vorkasse bestehen. Der Verein hat sich gegenüber der Bild geäußert und angegeben, die anfallenden Verbindlichkeiten gemäß der bestehenden Verträge zu bezahlen. 

Vorstand ist sich nicht grün

Doch das liebe Geld ist nur eines der Probleme von Erfurt. Denn auch im Vorstand scheint es nicht zu passen. Am 4. November verkündete der Klub auf der Vereinshomepage, dass Präsidium und Aufsichtsrat nach Streitigkeiten wieder zueinander gefunden haben. Doch dieser Frieden hielt nur wenige Tage an.

Der Hintergrund: Präsident Rolf Rombach soll sich geweigert haben, Unterlagen zu finanziellen Themen herauszugeben. Daraufhin wurde er als Präsident abgesetzt und durch Frank Nowag ersetzt. Doch nach nur zwei Tagen konnten die Vorwürfe geklärt werden und Rombach trat seinen Posten wieder an. Mit Nowag als Vizepräsident. 

Und der kündigte in der Thüringer Landeszeitung dann direkt einmal das Ende der "Alleinherrschaft" Rombachs an. "Die Zeit der Alleinherrschaft, die es ja zweifellos gegeben hat. Die Warnung war wichtig und richtig. Nun ist Bewegung in den Klub gekommen", so Nowag.

Schuldenberg von 6,5 Millionen Euro

Er beziffert den Schuldenberg des Vereins auf mindestens 6,5 Millionen Euro. Ganz genau könne darüber aber noch keine Auskunft gegeben werden. Um Klarheit in die Sache zu bringen, hat der Aufsichtsrat einen externen Finanzprüfer engagiert. Dieser soll nun Bücher und Bilanzen prüfen. Im Idealfall sollen die Ergebnisse bis zum 1. Dezember vorliegen. Dort findet die Mitgliederversammlung des Klubs statt. 

Rot-Weiß Erfurt will sich in Zukunft deutlich transparenter zeigen. Nowag dazu: "Neben der Vorstellung von Konzepten muss vor allem eine wirtschaftliche Transparenz erfolgen. Mit anderen Worten: Nichts als die Wahrheit zählt an diesem Tag (1. Dezember). Darauf haben die Fans ein Recht. In dieser Hinsicht ist ihnen zu oft etwas vorenthalten worden."

Nowag betont, dass der Klub Veränderungen brauche. Denn er sei in den vergangenen Jahren stets ein Krisenverein gewesen. Und ist das auch derzeit. Auf und neben dem Fußballplatz.

 

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