Die Akte FIFA & DFB
Lebemann und korrupter Funktionär: Chuck Blazer ist tot

Fußballfunktionär Chuck Blazer starb im Alter von 72 Jahren. Foto: Ali Haider (Ali Haider)

New York (dpa) – Die Aussagen von Chuck Blazer haben die Fußball-Welt erschüttert. Der amerikanische Ex-Funktionär stellte sich als Kronzeuge zur Verfügung, als es für ihn selbst eng wurde. Nun ist der Mann gestorben, den Wladimir Putin einmal mit Karl Marx verglich.

Die Rolle als gemütlicher Weihnachtsmann mit Rauschebart, der alle großherzig beschenkt, schien Chuck Blazer geradezu auf den massigen Leib geschneidert.

Als langjähriger Fußball-Spitzenfunktionär war der am 12. Juli im Alter von 72 Jahren gestorbene New Yorker aber nicht jener gütige, rotgewandete Santa Claus, als der er sich für seinen Blog fotografieren ließ.

Als «Drahtzieher von Systemen, die die Gewährung, Annahme, Übergabe und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen, Bestechungs- und Schmiergelder beinhalteten, sowie anderer Systeme zur Bereicherung», prangerte die Ethikkommission des Weltverbandes FIFA Blazer an, als sie am 9. Juli 2015 die lebenslange Sperre für ihn verkündete.

Der schon länger an Darmkrebs erkrankte Amerikaner gehörte als Mitglied der Exekutive von 1996 bis 2013 jenem exklusiven FIFA-Zirkel an, der die Weltmeisterschaften vergab. Blazer gestand später die Annahme von Schmiergeldern vor den WM-Turnieren 1998 und 2010. Als Generalsekretär des nord- und mittelamerikanischen Kontinentalverbandes CONCACAF fädelte Blazer auch für ihn selbst lukrative Geschäfte mit Übertragungsrechten ein.

Allerdings bekam er Schwierigkeiten mit der US-Bundespolizei FBI und der amerikanischen Steuerbehörde IRS. Einem Bericht der «New York Daily News» zufolge stoppten ihn Beamte auf der Fifth Avenue in Manhattan im Herbst 2011, als er auf dem Weg zu einem Restaurant war. Sie stellten ihn demnach vor die Wahl, sich entweder in Handschellen abführen zu lassen oder zu kooperieren.

Charles Gordon Blazer, genannt Chuck, entschied sich fürs Auspacken, brachte als Kronzeuge viele Verfahren ins Rollen und sorgte damit auch für das Ende der Ära von FIFA-Präsident Joseph Blatter. Während der Olympischen Spiele 2012 in London soll Blazer mit einem versteckten Mikrofon Gespräche von Fußball-Funktionären aufgezeichnet haben. Damals hielt das FBI die brisanten Erkenntnisse noch geheim, um weitere Ermittlungen nicht zu gefährden.

Seine Anwältin Mary Mulligan erklärte der «New York Times» zufolge, Blazer habe gehofft, mit seinen Aussagen für Transparenz, Rechenschaft und Fairplay zu sorgen. «Chuck hat sein Tun zutiefst bereut und die Verantwortung für sein Verhalten übernommen.»

Vielleicht wollte der schillernde Funktionär, den Wladimir Putin laut Blazer bei einem Besuch wegen seiner grauen Mähne und des Bartes mit Karl Marx verglich, auch nur die eigene Haut retten und seinen Lebensstil weiterpflegen. Der vielfache Großvater soll im Trump Tower zwei Appartements gehabt haben - eines für sich, das andere für seine Katzen. Auch mit einem Ara auf der Schulter wurde der Mann gesichtet, dazu passten farbenfrohe Krawatten mit großflächigen Blumenmustern.

In einem Reiseblog berichtete Blazer über seine Erlebnisse innerhalb und außerhalb der Fußball-Welt. Im August 2011 klagte er über den Spott, den er auf sich gezogen habe, begründete sein zeitweiliges Schweigen aber auch mit Ermittlungen gegen den bestechlichen CONCACAF-Präsidenten Jack Warner und den einstigen FIFA-Präsidentschaftskandidat Mohammed bin Hammam. Ab sofort wolle er sich nun wieder zu Wort melden. «Ich freue mich darauf, das Vakuum mit echten Informationen zu füllen.» Was Blazer wenig später den US-Behörden zu Protokoll gab, erschütterte die Fußball-Welt.

Mitteilung der FIFA-Ethikkommission zu Blazer-Sperre

Bericht der "New York Times"

Blog von Blazer mit Fotos von Besuch bei Putin

 

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