Hoppingbericht
1860 gegen Aachen: "Bist a Preuß?"
22. Februar 2010 12:17 Uhr von Andreas Bode | Quelle: westline
München Die "Löwen" in der 2. Bundesliga gegen Alemannia Aachen: An diesem Februar-Tag kein echter Publikumsmagnet. Preußenfan Andreas Bode war zu Gast in der Allianz-Arena und schildert seine Eindrücke aus München.
"Am 19. Februar fiel das Heimspiel des SCP gegen Saarbrücken aus. Für mich keine schlechte Nachricht, musste ich doch das Wochenende sowieso nach München. Kurz in den Matchkalender geschaut und siehe da, 1860 spielt in der Allianz-Arena gegen Aachen, hervorragend, ein Ground in dem ich bisher noch nicht war!
Die Arena am Kreuz München Nord ist schon von Weitem ein Hingucker. Leider fand das Spiel aber schon um 13 Uhr statt, so dass ich die abendliche blaue Illumination bei Heimspielen der Löwen nicht bewundern konnte.
Die Zufahrt zum Stadion war staufrei und perfekt beschildert. Kein Wunder, rechnete der Verein mit nur maximal 18.000 Zuschauern, von denen dann tatsächlich knapp 16.000 auch da waren.
"Man hat Dauerkarte"
Erstes großes "Hallo" war die gigantische Tiefgarage vorm Stadion, wodurch die Laufwege schön kurz sind. Die Kassenhäusschen hinter der Südtribüne sind in zwei großen Blocks untergebracht. Außer ein paar Aachenern herrschte hier gähnende Leere. In München hat man Dauerkarte.
Ich entschied mich für eine Stehplatzkarte in der Südkurve (Block 113, 14 Euro). Dort, wo sonst die Fans aus der "Schickeria" zuhause sind.
Die Einlasskontrollen sind extrem freundlich und entspannt. Polizei war so gut wie keine zu sehen. Gästefans konnten sich ebenfalls völlig frei und unbedrängt auf dem ganzen Gelände bewegen.
Knapp eine Stunde vor Spielbeginn war das Stadion noch komplett leer.
Ohne "Arena-Card" geht nichts
Ich nutzte die Zeit für den Check des Caterings. Alle paar Meter große Kioske mit wechselndem Angebot. Halber Liter lecker und wohltemperiertes Hacker Pschorr vom Fass. Vier Euro sind fair, leider geht nix ohne diese dämliche Arena-Card.
Dann das für mich Erfeulichste: Auf der untersten Ebene, oberhalb der des Unterranges, kann man die Arena komplett umrunden. An jedem Tribünenabgang stehen zwar Security-Leute, sie handhaben ihre Kontrollen aber sehr großzügig und lassen Besucher praktisch überall und sehr freundlich ein.
Bei Anpfiff entschied ich mich daher auch auf die gegenüberliegende Seite zu wechseln, da die Löwen auf das Tor dort spielten. Ich gesellte mich neben die Ultràs der "Cosa Nostra", die das Zentrum der Norkurve bilden.
Hinter diesem Block war dann auch praktisch das gesamte Polizeiaufgebot zu finden.
Es herrschte aber eine lockere und freundliche Atmosphäre.
Die Aachener waren mit einer Gruppe von knapp 1000 Männekes angereist und hatten außer ein paar Zaunfahnen und kleinen Schwenkern nichts mitgebracht.
Auch die Münchner verzichteten auf eine Choreo. Viele Doppelhalter und ein paar große Schwenkfahnen gab's zum Einmarsch.
Nach gut zehn Minuten fiel das 0:1 für die Öcher durch einen 12-Meter-Kopfball, bei dem Kiraly wirklich ziemlich deppert aussah. Der Stimmung tat das aber keinen großen Abbruch.
Gute Stimmung in der "Nord"
Apropos Stimmung: Grundsätzlich ist es natürlich schwierig, in einem nur zu 20 Prozent besetzten Stadion wirklich "Hallas" zu machen, aber die Nordkurve ging wirklich gut ab.
Der Capo stimmte eine gesunde Mischung aus Old-School und Ultrà–Klassikern an, die oft von der gegenüberliegende Kurve mit aufgenommen wurden.
Es gab während des gesamten Spiels immer wieder Wechselgesänge zwischen Nord und Süd. Entweder das berühmte "Einmal Löwe – Immer Löwe!" oder auch "Raus aus der Arena!"
Nochmal zum Spiel: Es war mehr Kampf und Krampf denn hohe Fußballkunst. Nach einer guten halben Stunde glichen die Löwen verdient zuum Halbzeitstand von 1:1 aus. Kurz nach der Pause sorgte Fußballnomade Sasche Rösler für die zwischenzeitliche Führung, bevor Aachen durch einen Klassefreistoß nach einer Stunde wieder ausglich. Am Ende siegten aber die Münchner verdient durch einen Sahnefreistoß in der 80. Minute aus gut 25 Metern von Holebas mit 3:2.
Leidgeprüft, aber leidensfähig
Zurück zu den Fans: Der Löwenfan ist ein leidgeprüfter, aber auch leidensfähiger Mensch. Im Schatten des großen Stadtrivalen verfügt er über ein extremes Selbstbewusstsein und jede Menge Stolz auf seinen TSV. Für den FC Bayern und sein "Schickimicki-Gehabe" hat der Löwe nur Kopfschütteln übrig. Wie unbeliebt auch die "Arroganz-Arena" beim Löwenanhang ist, erfährt man von jedem, mit dem man ins Gespräch kommt, spätestens beim zweiten Satz.
Dem Böse-Buben-Image, dass besonders in der letzten Woche aufkam, entsprachen die Fans an diesem Samstag in keinster Weise.
Beim Verein läuft gerade eine schnuckelige Kampagne zum Thema Platzsturm, Feuerzeuge schmeißen und Bierbecherweitwurf: „Reiß di zsamma!“ heißt es da auf Anzeigetafel und durch die Lautsprecher.
Ansonsten nimmt mann es hier gelassen: Die vielgehörte Aussage "nur noch Freundschaftsspiele für den Rest der Saison", kam mir bezeichnenderweise sehr bekannt vor.
"Bist a Preuß?" war die am häufigsten gestellte Frage und ich habe jedesmal mit einem Seufzer bejaht, wohlwissend, dass mein Gegenüber nicht ahnen konnte wie genau er ins Schwarze getroffen hatte.
Alles in Allem ein bunter Frühnachmittag mit einem verdienten Arbeitssieg der Heimmannschaft. Entgegen aller Vorurteile habe ich mich in der Arena sehr wohlgefühlt .
Den Löwen bleibt zu wünschen, dass sie möglichst bald wieder mit ihren tollen Fans in der Bell-Étage der Ligen zu finden sind und auch irgendwann wieder in einem eigenen und für sie passenden Ground kicken dürfen."
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