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Stephan Jekat, hier mit Bern-Schal, war zu Gast beim Spiel gegen Grashopper Zürich. Foto: privat

Hoppingbericht

Die Young Boys Bern gegen Grasshopper Club Zürich 4:0

12. April 2010 10:09 Uhr von Stephan Jekat | Quelle: westline

Dortmund Den nächsten Bericht schickt uns Stephan Jekat aus Münster. Er war Ende März in der Schweiz zu Besuch und hat sich im Stade de Suisse Bern umgesehen. AXPO Super League, 25. Spieltag. Er und rund 20.000 Zuschauer waren Gast bei der Partie Bern gegen Grashopper Zürich.

Endlich war es soweit: zu Gast auf historischem Grund und Boden, zu Gast im guten alten Wankdorfstadion. Das klingt nach Legenden wie Toni Turek, Fritz Walter oder Helmut Rahn, nach Teamgeist und großem Fussball. Bis 2008 erinnerte die Stadion-Uhr von Longines an das Ergebnis des WM-Finales 1954: Ungarn – Deutschland 2:3. So auch bei meinem letzten Besuch des Wankdorfstadions im Sommer 2008 (Foto links), wo allerdings bereits klar war, dass bis auf die alte Stadion-Uhr nicht viel übrig geblieben ist, vom alten Wankdorfstadion.

Schweizer Tram pünktlich und geräumig

Zur Europameisterschaft ist hier ein modernes Stadion für rund 32.000 Zuschauer entstanden, mit einer modernen Glasfassade, einem Einkaufscenter unter dem Spielfeld und einer Vielzahl gastronomischer Angebote entlang einer zwischen Haupttribüne und einem Nebengebäude geschaffenen Esplanade.

Die alte Longines-Uhr vor dem Berner Stadion im Sommer 2008.

Die alte Longines-Uhr vor dem Berner Stadion im Sommer 2008. Foto: privat

Seit diesem Sommer hatte ich den Wunsch, das Stadion mal an einem Spieltag zu besuchen. Es dauerte allerdings bis zum 20. März, bis ich endlich in die Stadionatmosphäre des Stade de Suisse einzutauchen konnte. Es begann zwei Stunden vor Anpfiff in einem Vorort Berns, wo ich zusammen mit meinen Schweizer Freunden einen Zug Richtung Wankdorf betrat. Die 30-minütige Zugfahrt verlief sehr entspannt, selten habe ich so viel Platz in einem Zug gehabt, der mich zu einem Stadion fuhr. Das liegt vor allem an der erstklassigen Schweizer Bahn, die täglich in hohen Taktzahlen unterwegs ist.

Am Bahnhof angekommen, sammelten sich die Polizisten für die Ankunft der Züricher Fans. Die Partie Young Boys Bern gegen die Grasshoppers aus Zürich ist ein Derby, dass in der Bundesliga vergleichbar mit der Partie Schalke gegen Dortmund ist. So wurden kurz nach uns die Zürich-Anhänger gesammelt in ihren Block geführt, was ohne größere Auffälligkeiten und sehr gesittet von statten ging.

Wir trafen uns auf der Esplanade mit den anderen Jungs des YB-Fanclubs und tranken noch das ein oder andere „Feldschlösschen“, während sich der Platz in ein schwarz-gelbes Farbenmeer verwandelte. Immer mehr YB-Fans kamen, man fachsimpelte, trank Bier oder guckte in einem der Kneipen die letzten Minuten der Fussball-Bundesliga. So kam der erste große Jubel auf, als Eintracht Frankfurt kurz vor Abpfiff gegen Bayern München das 2:1 erzielte; ein Stück Heimat in der Ferne…

Auf dem Weg in den Block gingen wir am Fanshop vorbei, wo ich mich erst mal mit einem YB-Schal ausgestattet habe. Da meine Freunde Saisonabos besitzen, gab es zehn Prozent Rabatt auf den Schal für 29 Franken (etwa 20 Euro.

Stadionheft kostenlos, Bratwurst 4,50 Euro

Über eine breite Treppe ging es durch die Glasfassade ins Herzstück des Fussball-Tempels Wankdorf, der Zuschauerpassage. Hier bekam man das kostenlose Stadionheft im praktischen Taschenkalenderformat in die Hand gedrückt und man konnte erstmals die charakteristischen Stufen der Tribünenverschalung sehen und in diesem Bereich gab es Getränke, Essen und den sanitären Bereich. 0,4 Liter Bier gabs für umgerechnet vier Euro und man konnte zwischen drei verschiedenen Bratwürsten wählen, für die man jeweils 4,50 Euro investieren musste...

Ich kann für den Stadionbesuch im Stade de Suisse nur die YB-Spezial-Wurst, einer Kombination aus Mett- und Bratwürstchen, empfehlen, die war echt gut! Über eine schmale Treppe ging es hinauf auf den Balkon, also dem Oberrang des Wankdorfstadions.

Unsere Plätze waren auf der drittobersten Reihe auf Höhe des 16-Meter-Raums nahe der Berner Fankurve auf der Gegengerade. Der Blick auf den Kunstrasenplatz war sehr gut. Man konnte sowohl die beiden Fanlager, als auch die Partie super überblicken und war dennoch sehr nah am Spielgeschehen. Als besonderes Schmankerl auf unseren Plätze diente der Blick zwischen Dach und oberster Sitzreihe auf die Alpen.

Kurz vor dem Spiel hissten die Grasshopper Fans eine gut 20 Meter breite Zaunfahne über die Werbebande zwischen Ober- und Unterrang. Auf dem blau-schwarzen Tuch war in weißen Lettern "Triumphieren“ zu lesen. Eine durchaus legitime Forderung, waren die Grasshoppers zu diesem Zeitpunkt seit vier Spieltagen ungeschlagen und besiegten u.a. Berns ärgsten Verfolger um die Meisterschaft, den FC Basel mit 2:1.

Züricher Fans rollen Banner ein

Beide Fanlager trommelten, sangen und feuerten Ihre Jungs an. Die Stimmung im Bern-Block war sehr gut und ausgelassen. Die Stimmung wurde immer besser, insbesondere nach dem 1:0 in der 7. und dem 2:0 in der 12. Spielminute. Die Reaktion der Zürich-Fans folgte prompt durch das Entfernen des "Triumphieren“-Banners. Darunter kamen die obligatorischen Fan-Club-Banner zum Vorschein. Da die YB-Fans im vorherigen Spiel auf Grund des 112. Geburtstags vom BSC Young Boys Bern eine Choreo gestalteten, gab es aus dem YB-Block diesmal keine Choreo.

Kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit zündeten die Gästefans ein Bengalisches Feuer, was die Young Boys aus Bern in der 66. und 86. Minute mit dem Endstand zum 3:0 und 4:0 quittierten. Die YB-Fans feierten die ganze Zeit hindurch aus einem Mix aus modernen Schlacht-Gesängen und den „Oldschool“-Sprechchören für YB oder eben gegen Zürich. Das hat nicht nur mit, sondern auch den 20.215 Zuschauern gut gefallen. Interessant war, dass die meisten der knapp 10.000 leer gebliebenen Plätze auf dem Unterrang waren, war der Oberrang doch sehr gut gefüllt.

Nach dem Spiel bedankten sich die Spieler beim Publikum mit einem "Danke“-Banner. Es ist doch in Bern eher üblich, zum Eishockey als zum Fussball zu gehen, und der Verein braucht die Unterstützung der Fans auf dem Endspurt um die erste Meisterschaft seit 1986.

Wir gingen diesmal zügig zur Tram-Station, um den Abend in der Innenstadt Berns ausklingen zu lassen. Wie schon bei der Hinfahrt, verlief die Rückfahrt sehr entspannt in Mitten vieler zufriedener Gelb-Schwarzer YB-Fans.

Wenn ich das nächste Mal in Bern bin und YB spielt, werde ich wieder dabei sein – denn das Spiel, die Fans und die Stimmung haben mir in Bern sehr gut gefallen und ich drücke YB die Daumen, dass die Jungs endlich wieder Schweizer Meister werden! In diesem Sinne – Hopp YB!


Hopping - für den Fußball unterwegs

Was tun, wenn der Heimverein mal Pause macht? Dann treibt es viele Fußballfans hinaus in andere Stadien. "Hopping" sagt man dazu, wenn Fans andere Spiele, andere Stadien besuchen. Von ihren Eindrücken erzählen sie hier.

Neue Berichte nehmen wir gern entgegen! Regeln gibt es dafür nicht zu beachten - nur ein paar Tipps. Schreibt weniger über das Spiel selber als über eure Eindrücke vom Stadion, von den Fans. Was kostet die Bratwurst? Wie war die Stimmung? Und wenn eben möglich, dann schickt uns ein Foto aus dem Stadion mit.

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