Fußball-Mix
Bundesliga - Eine kurze Historie

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Unserem Lieblingssport geht es blendend: Er feiert nicht nur international einen immensen und geradezu kosmischen Erfolg, sondern ist auch gesund. Jahr für Jahr feiern Millionen von Fans die Bundesliga und lieben das Zelebrieren der Spiele. Doch über all das Getöse der Gegenwart geht manchmal verloren, dass auch unser Sport einst bescheidenere Zeiten hatte, in denen noch nicht Millionensummen für Ablösen transferiert oder gewaltige neue Stadien mit Platz für zehntausende Zuschauer gebaut wurden. Doch genau um diese Zeit soll es heute gehen: Um eine kleine Überblicksgeschichte der von uns allen geliebten ersten Bundesliga.

Warum sollte man sich mit der Geschichte der Bundesliga befassen?

Warum sollte man sich überhaupt mit der Geschichte der Bundesliga beschäftigen, dürfte eine der Fragen sein, die für die Leserinnen und Leser auf jeden Fall relevant sind. Die Frage liegt nahe, denn vermeintlich scheint die Geschichte der Bundesliga gar keine große Rolle zu spielen. Doch genau in dieser Vermutung liegt schon der erste Fehler. Legendäre Gestalten wie Paul Breitner, Franz Beckenbauer oder Günter Netzer prägen das Gesicht unserer schönen Liga seit Jahrzehnten. Rudi Völler etwa ist nach wie vor Sportdirektor bei Bayer 04 Leverkusen und ist so noch ganz aktiv beteiligt. Auch andere Legenden wie etwa Uli Hoeneß prägen das Fußballgeschehen bis heute maßgeblich.

Schon aus diesem Grund muss man sich die Wurzeln ansehen. Denn natürlich ist es nicht egal, wie sich der Sport erst zu seiner heutigen Größe entwickeln konnte. Auf diese Weise kann man erst an die Essenz des besten Ballsports der Welt gelangen, an die Leidenschaft und die Begeisterung für die Sache, die wir alle lieben.

Die Anfänge der Bundesliga

Die Wurzeln der Bundesliga reichen allerdings sogar weiter zurück als die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Um die sogenannte „Machtergreifung“ im Jahre 1933 gab es in Deutschland noch massenweise verschiedene Ligen. Einen einheitlichen Pokal gab es übrigens schon vorher, dem DFB-Pokal nicht ganz unähnlich. Nachdem allerdings die Nazis die Macht in Deutschland übernahmen, führten sie eine Vereinheitlichung auf 16 Ligen durch. Dies war der erste Schritt in Richtung einer einzigen Liga, obwohl es noch eine ganze Weile dauern sollte, bis diese dann wirklich eingeführt war. Deutschland war in dieser Hinsicht wahrlich sehr spät dran, denn die meisten europäischen Ligen hatten bereits zu jener Zeit funktionsfähige Profiligen. Übrigens verlor der DFB spätestens 1936 seine Eigenständigkeit und führte zu einer zwangsweisen Anpassung an das Regime.

Ein Problem, dass mit dieser Konstellation einherging, war die Tatsache, dass die deutschen Fußballer mit den anderen internationalen Spitzensportlern nicht mithalten konnten – klar, denn in den dortigen Ligen mussten sich die Spitzenvereine miteinander messen und verbesserten sich so automatisch.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

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Nach der vernichtenden Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg erfuhr der Profisport in Deutschland natürlich einen herben Rückschlag. Nichtsdestotrotz ließen erste Anstöße, nun endlich zu einer eigenen Profiliga zu komme, nicht lange auf sich warten. Auch hier gab es recht heftige Auseinandersetzungen, so wie zuvor. Die Etablierung einer landesweiten und einheitlichen Profiliga entsprach nämlich nicht unbedingt den Interessen aller Beteiligten. Gerade einige der Vereine fürchteten, dass sie im Zuge einer Integration in eine einzige Liga um ihre Existenz fürchten müssten. Allerdings kam es dem Projekt zu Gute, dass es namhafte Befürworter hatte. Zu diesen zählte der legendäre Bundestrainer Sepp Herberger, der von 1936 bis 1964 die deutsche Nationalmannschaft trainierte und Einiges an Gewicht in die Waagschale werfen konnte.

Die Gründung der Liga

Die Gründung der Liga erfolgte dann aber tatsächlich nicht mehr in den Fünfzigern, sondern zog sich bis zum Anfang der 1960er-Jahre hin. 1962 in Deutschland war es dann so weit: Nach viel Überzeugungsarbeit und zahllosen Mühen wurde die Bundesliga in Dortmund mit einer großen Mehrheit an Stimmen gegründet. Von den insgesamt 129 Stimmen waren nur 26 gegen die Einführung der Bundesliga zur Saison 1963/1964. Ein beachtlicher Erfolg also für alle die Fußballaktionäre, die sich eine Konsolidierung wünschten. Ob sie damals schon wussten, wie erfolgreich ihre Neugründung werden würde? Einer der Hauptgründe für den Stimmungsumschwung in Deutschland war übrigens die Tatsache, dass man 1962 für die deutschen Ansprüche verhältnismäßig blamabel bei der Weltmeisterschaft in Chile abschnitt und sah, dass es so nicht weitergehen konnte.

Die Konzeption zu jener Zeit sah vor, dass insgesamt sechzehn Mannschaften in der Bundesliga spielen sollten. Grundsätzlich kam erst einmal nur ein Verein pro Stadt in Frage, der zusätzlich zu sportlichen Voraussetzungen auch diverse wirtschaftliche Gegebenheiten erfüllen beziehungsweise mit sich bringen musste. Abgesehen davon waren bestimmte infrastrukturelle Vorgaben bindend, ohne die eine Aufnahme nicht denkbar war. Zu diesen

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Vorgaben gehörte etwa das Vorhandensein einer Flutlichtanlage für Abendspiele und ein Stadion mit mindestens 35.000 Plätzen. Schlussendlich setzten sich dann sechzehn Mannschaften, die es durch das äußerst schwierige und komplizierte Aufnahmeverfahren schafften, durch. Die Namen dieser Mannschaften lauten:

  • Aus dem Westen: Borussia Dortmund, 1. FC Köln, Meidericher SV, Preußen Münster, FC Schalke 04

  • Aus dem Norden: Werder Bremen, Eintracht Braunschweig, Hamburger SV

  • Aus Berlin: Hertha BSC

  • Aus dem Südwesten: 1. FC Kaiserslautern, 1. FC Saarbrücken

  • Aus dem Süden: Eintracht Frankfurt, Karlsruher SC, TSV 1860 München, 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart

Bis heute, das wissen sicherlich viele Fußballfans, ist der Hamburger SV der letzte Bundesligaverein, der noch nie abgestiegen ist. Angesichts der bescheidenen Leistungen des Vereins in den letzten Jahren mag dies unter Umständen überraschend anmuten, doch ist die ununterbrochene Zugehörigkeit zur höchsten deutschen Spielklasse immer noch ein Quell des Stolzes für die Hamburger.

Viele Menschen wissen indes gar nicht, dass der FC Bayern München trotz seiner lang anhaltenden Dominanz keineswegs zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga gehörte.

Erste Krisen

Dass die Bundesliga indes nicht immer nur positive Meldungen zu verzeichnen hatte, versteht sich dabei von selbst. 1971 wurde durch den Präsidenten von Kickers Offenbach ein gewaltiger Skandal aufgedeckt. Durch Ermittlungen fand man schnell heraus, dass zahlreiche Spiele der Saison 1970/71 manipuliert werden sollten. Diese Tatsache nahm den Zuschauern natürlich eine der grundlegenden Motivationen, um den Sport zu verfolgen. Denn in den wenigsten Sportarten ist es so möglich wie im Fußball, doch noch überraschende Ergebnisse, die sich in letzter Sekunde ergeben, zu bekommen. Die Spannung, die dadurch erzeugt wird, sucht ihresgleichen.

Entsprechend straften die Zuschauer die Liga hart ab. Die Zuschauerzahlen gingen innerhalb der nächsten Spielzeiten drastisch nach unten. Allerdings dürfte der Skandal vermutlich nicht die einzige Ursache für dieses Phänomen gewesen sein. Die vermehrte Fernsehberichterstattung erlaubte es den Menschen zusätzlich, das Geschehen gemütlich von zuhause aus zu verfolgen, während der Komfort in einigen der überholungsbedürftigen Stadien zu wünschen übrig ließ. Glücklicherweise – wie wir es heute wissen – erholte sich die Bundesliga davon.

Übrigens ist die starke Entwicklung von Spielergehältern und Ablösesummen nichts Neues. Bereits in den 1970ern zog diese stark an. Die Behauptungen, dass dies eine Neuerscheinungen in den letzten zwanzig Jahren gewesen sei, ist also in dieser Form nicht so ganz nachzuvollziehen. Nachzuvollziehen ist aber, dass der immense Erfolg des FC Bayern München sich hier schon abzeichnete: Seine ersten Meisterschaften holte der Klub in diesem Jahrzehnt, immer in Konkurrenz mit Borussia Mönchengladbach.

Und heute?

Nach der Wiedervereinigung hatten nun erstmals auch Ostklubs die Chance, ihren Weg in der Bundesliga zu machen. Und das ist mit unterschiedlichem Erfolg auch gelungen, so ist als aktuelles Beispiel RB Leipzig zu nennen. Der Klub ist ein Beispiel für Vereine, die sozusagen aus der Retorte kamen. Genauso wie 1899 Hoffenheim basiert ihr Erfolg vor allem auf dem finanziellen Engagement von Mäzenen, die bereit sind, viel Geld in die Hand zu nehmen, um die Klubs erfolgreich zu machen.

Ansonsten prosperiert die Bundesliga vom wirtschaftlichen Erfolg. Gleichzeitig findet aber auch eine Kommerzialisierung statt, die damit einhergeht und bei Fans ein geteiltes Echo auslöst.

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