Fußball-Mix
Football Leaks – Ein lesenswertes Buch, das keinen Spaß macht

(Symbolfoto: westline)

Im Mai 2017 erschien das Buch „Football Leaks – Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball“. Die beiden Autoren Rafael Buschmann und Michael Wulzinger fassen hier nur einen winzigen Bruchteil all jener haarsträubenden Fakten zusammen, die der Betreiber der gleichnamigen Enthüllungsplattform der Zeitschrift SPEIGEL hat zukommen lassen. Was hier zu lesen ist, sorgt für Bauchschmerzen. Es geht um sehr viel Geld. Um unvorstellbare Summen. Um Gier. Kriminelle Machenschaften. Knebelverträge. Ausbeutung. Hier tun sich Abgründe auf, die nicht nur einen dunklen Schatten auf Königsklasse dieses sagenhaften Sports werfen, sondern diese komplett in Dunkelheit hüllen. In Portugal – dem kleinen Land am Rande Europas – beginnt eine Geschichte, die dem milliardenschweren Fußball-Business das Fürchten lehrt.

Football Leaks – „John“ gegen Goliath

Im September 2015 erschien eine kleine, unscheinbare Website im WWW, auf der wahrlich Explosives zu lesen war. Football Leaks gab Insider-Informationen preis, die anhand von originalen Spielerverträgen, Geschäftsvereinbarungen und ähnlicher Dokumente, die unfassbare, teils höchst kriminelle Machenschaften aufdecken, die sich hinter den Kulissen des Profifußballs abspielen. Zunächst nahm das Portal „nur“ den portugiesischen Fußball ins Visier. Die drei Top Clubs des Landes – Benfica, Sporting und FC Porto – sehen sich auf einen Schlag veröffentlichten Interna gegenüber, die nie hätten ans Licht geraten sollen. Schmutzige Absprachen zwischen Verein und Spielerberatern, Transfervereinbarungen, die eher an Menschenhandel, als an Fußball erinnern und Vieles mehr. Doch im Vergleich dazu, was dann noch nach und nach – mit einer beharrlichen Regelmäßigkeit – auf der Seite erschien, waren diese Dokumente mit einem Freundschaftsspiel in der E-Jugend vergleichbar. Steuerhinterziehungen von Top-Spielern wie Ronaldo und Co., mafiöse Geschäftsabkommen zwischen Real Madrid und Doyan Sports, und so weiter. Jedes Dokument ist echt; belegt durch Vereinsstempel und Signaturen. Und jedes Dokument beweist, wie unangreifbar sich die skrupellose, gierige Maschinerie hinter der populärsten aller Ballsportarten hält. Bis jetzt.

„John“ – der Macher hinter der Website – ist Portugiese. Fußball-Fan mit Herz und Seele. Mit blutendem Herz und kranker Seele, der den von ihm betitelten „Feinden des Fußballs“ mit seiner Seite den Kampf ansagt. Dass ein solcher Gigant, der über schier unerschöpfliche Finanzmittel verfügt, Teil der globalen Wirtschaft und Politik ist, alles in Bewegung setzt, um diese Leaks zu stoppen, liegt auf der Hand. Die geldgierigen Häscher hinter König Fußball haben Angst und lassen jagen. „John“ ist auf der Flucht. Irgendwo in Osteuropa … vermutlich.

1,9 Terrabyte sind 18,6 Millionen Dokumente …

… von denen jedes einzelne mindestens einen Skandal offenbart. Mit dieser Menge sahen sich die beiden SPIEGEL-Autoren Rafael Buschmann und Michael Wulzinger konfrontiert, als sich „John“ ihnen anvertraute. 1,9 Terabyte sind vom Datenumfang vergleichbar mit 500.000 Bibeln. Diese Übergabe geschah im Dezember 2016 und lieferte so viel Material, dass sich der SPIEGEL mit weiteren News-Agenturen zusammenschließen musste, um wenigsten ansatzweise diese pikanten Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen. Allein der SPIEGEL füllte zwei Auflagen mit den Enthüllungen und machte einen winzigen Bruchteil der Leaks zum Thema des gleichnamigen TV-Magazins. Es ging zum Beispiel um ausschweifende Sex-Partys mit VIP Escort Girls in Miami. Schließlich ist eine Nacht mit so hübschen Frauen immer ein probates Mittel, um ominöse Deals einzuleiten. In diesem Fall ging es um eine Ablöse im Wert von satten 20 Millionen Euro eines noch unbekannten Spielers an Real Madrid. Es ging um die finanzielle Vernichtung eines Clubs in Holland. Es ging um prallgefüllte Bankkonten in karibischen Steueroasen, um Scheinfirmen von Fußballstars, die dort ihre Werbeeinnahmen um den Fiskus herumschleusen. Kurz: Was Football Leaks zum Vorschein bringt, das mag über kurz oder lang dazu führen, dass selbst die eingeschworensten Fans dem Spitzenfußball angewidert den Rücken kehren.

Football Leaks – das Buch

In dem wirklich toll geschriebenen Buch geben Buschmann und Wulzinger einen Einblick in die stockdunklen Machenschaften, die sich hinter dem Platz abspielen. Was hier zu lesen ist, wirkt – gelinde gesagt – ernüchternd. Dass es im Profifußball um Geld geht, ist kein Geheimnis. Dass die Spieler Prämien und Honorare einstreichen, die selbst besserverdienende Fußballfans in Ehrfurcht erzittern lassen, auch nicht. Es sei ihnen ja schließlich gegönnt, verzaubern sie uns doch immer wieder mit packenden Spielen, sagenhaften Torschüssen und gelebten Emotionen. Man hat schließlich immer geahnt, dass sich hinter diesem Zirkus ein knallhartes Business versteckt, das mit noch härteren Bandagen kämpft. Man hat es geahnt. Nun weiß man es.

Und genau diese Tatsache macht das Buch „Football Leaks – Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball“ so schwer verdaubar. Auf Google ist eine Leseprobe des Buchs zu finden, die schon reicht, um sich vielleicht doch lieber mit Curling beschäftigen zu wollen. Der „Ulli Hoeneß - Aufreger“ mit den paar verzockten Milliönchen erscheint im Angesicht der hier beschriebenen Enthüllungen wie ein aus dem Ruder gelaufener Kindergeburtstag. Viel Spaß beim Lesen zu wünschen, wäre vermessen. Lesenswert ist das Buch aber allemal!