Fußball-Mix
Fußball digital – ein neues Zeitalter

(Flickr, Marco Verch, CC by 2.0, Bestimmte Rechte vorbehalten)

Der Fußball und Neuerungen – das sind auf den ersten Blick zwei Dinge, die sich nicht so gut vertragen, wie man an der zur aktuellen Bundesligasaison eingeführten Posse um den Videobeweis sieht: Anstatt das Spiel fairer zu gestalten, werden Fans wie Spieler damit bisher eher auf eine nervige Geduldsprobe gestellt, und einen echten Mehrwert bringt er bisher auch nicht. Trotzdem gibt es einige Errungenschaften, die die schönste Nebensache der Welt um interessante Dimensionen bereichern – und zwar abseits des Rasens. 

Bildschirm statt Rasen

Denn immer mehr Vereine betreiben neben ihren „normalen“ Ligamannschaften ein zusätzliches eSport-Team aus professionellen Videospielern, die sich an Konsolen und PCs in Games aller Art miteinander messen. Neuestes Deutsches Mitglied der Szene ist der 1. FC Nürnberg, der Anfang Oktober die Gründung eines Teams für die beliebte Fußball-Simulation FIFA 18 bekanntgab. Die Franken sind damit der siebte deutsche Profiverein mit eigener eSport-Abteilung, nachdem der FC Schalke 04 im Jahr 2016 als einer der ersten Traditionsvereine den Schritt in die digitale Welt wagte. Allerdings halten längst nicht alle Vereine Onlinesport für ein zukunftsträchtiges Modell. So hat Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke für eSport – und insbesondere für das Engagement des Revier-Rivalen – lediglich Spott übrig. Eine Einstellung, die dem BVB, der ja immerhin eine börsennotierte Aktiengesellschaft ist, allerdings auf lange Sicht mehr schaden als nutzen dürfte. Schließlich ist der eSport-Bereich eine Branche mit großem Potenzial, und das in mehreren Disziplinen. Besonders Kinder und Jugendliche, also die Langzeitfans von morgen, wachsen ganz selbstverständlich mit Spielekonsolen auf, die Fußballsimulationen der FIFA-Reihe aus dem Hause Electronic Arts sind jedes Jahr Verkaufsschlager: Die aktuelle Version verkaufte sich innerhalb der ersten zwei Tage allein in Deutschland eine Million Mal. Und es bleibt nicht dabei, dass die Gamer lediglich selbst zum Controller greifen, anstatt ins Stadion zu gehen.

Riesiges Potenzial

Denn anstatt teure Abonnements abzuschließen, um reale Bundesligaspiele live im TV verfolgen zu können, schauen viele junge Menschen lieber professionellen Videospielern zu. Das kostet nichts, und außerdem sind E-Sportler wesentlich nahbarer als ihre Superstarkollegen aus dem „normalen“ Fußballgeschäfts. Über das Streaming-Portal Twitch können Fans nicht nur Matches verfolgen. Eine der vielfältigen Zusatzfunktionen von Twitch ist etwa die Möglichkeit, über einen Chat direkt mit den Spielern interagieren zu können – das ist fast schon eine Sportübertragung mit Spielern zum Anfassen. Auch finanziell ist das Potenzial von eSport groß. Schon bald wird der innerhalb der Branche generierte Umsatz den von etablierten Sportarten wie Basketball, Eishockey oder Handball voraussichtlich einholen, wie aus einer Studie des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungsindustrie hervorgeht. Die Szene ist auch für Sponsoren längst zu einer interessanten, weil kostengünstigeren Alternative zu klassischen Sportveranstaltungen geworden. Bei offiziellen Turnieren wird bereits um stolze Summen gespielt, der Gewinner der diesjährigen Weltmeisterschaft in der „Disziplin“ FIFA 2018 erhielt für seinen Triumph schlanke 200.000 US-Dollar Preisgeld. All das heißt aber nicht, das eSport irgendwann den echten Fußball ablösen könnte – trotzdem tun sich Vereine keinen Gefallen damit, sich der Entwicklung komplett zu verschließen. Denn zusätzliche Einnahmen und Fanbindung sind schließlich nichts, wogegen man sich wehren sollte. 

Bildrechte: Flickr Besucher in der FIFA 18 Gaming-Ecke Marco Verch CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten