Fußball-Mix
Transfersummen: Bayern München zwischen Rekordablösen und Bescheidenheit

(Flickr, Allianz-Arena 1, Ungry Young Man, CC BY 2.0, Bestimmte Rechte vorbehalten)

Die Vorbereitungen für die aktuelle Saison laufen auf Hochtouren und der FC Bayern München stellt hohe Millionenbeträge bereit, um abermals einen dominierenden Kader aufzustellen. Zeit für einen Zwischencheck beim Rekordmeister. 

Insgesamt rund 90 Millionen Euro nahmen die Münchner bisher in die Hand, um ihren Kader für die kommende Saison zu verstärken – womit sie auch in dieser Wechselperiode das Feld der teuersten Bundesliga-Transfers anführen. Bisheriger Spitzentransfer: Für satte 41,5 Millionen Euro kommt Corentin Tolisso von Olympique Lyon an die Isar – das ist sowohl Vereins- als auch Ligarekord. Zuvor hatten die Münchner nur für Javi Martinez mit 40 Millionen Euro annähernd so viel gezahlt. Schaut man sich – um ein Gefühl für diese Summe zu bekommen – die aktuellen Lotto-Quoten auf tipp24.com an, erkennt man, dass man schon in mehreren Lotterien gleichzeitig den Höchstgewinn abräumen müsste, um im Wettbieten um die Fußballstars auch nur annährend mithalten zu können. Doch im europäischen Vergleich sind selbst solche Summen fast noch bescheiden – für Paul Pogba zahlte Manchester United bekanntlich eine Ablöse von 105 Millionen Euro. Für etwas weniger als die Hälfte verpflichteten die Münchner zudem den aus Hoffenheim kommenden Innenverteidiger Niklas Süle – 20 Millionen Euro war er ihnen wert. Zuletzt überzeugte er in der Nationalmannschaft unter Jogi Löw , wo er unter anderem gegen Chile erfolgreich in der Dreierkette auflief und auf seiner Position 70 Prozent der Zweikämpfe gewann. Für eine Ablöse von 21 Millionen Euro konnten die Münchner auch den zuvor ausgeliehenen Kingsley Coman von Juventus Turin verpflichten. Der französische Nationalspieler soll nach Verletzungssorgen und dem Verlust seines Stammplatzes laut transfermarkt.de darüber nachgedacht haben, "den Verein zu verlassen". Verglichen mit diesen Toptransfers ist die Ablöse für Serge Gnarby, der für 8,0 Millionen Euro von der Weser an die Isar wechselte, noch ein Schnäppchen. Doch um die Verhältnismäßigkeit nicht aus dem Blick zu verlieren: Dabei handelt es sich immer noch um eine Summe, die selbst ein Lottogewinner mit sechs Richtigen nicht unbedingt erhält. Trotz dieser Summen gilt der FC Bayern München im Vergleich zu anderen europäischen Top-Clubs geradezu als bescheiden. So ließ Uli Hoeneß kürzlich in einem Interview verlauten: "Wir werden niemals 100 Millionen Euro für Verratti zahlen, ebenso wenig 25 Millionen Jahresgehalt von Sanchez." Laut Hoeneß befinde sich der Verein derzeit ohnehin in einer Umbruchphase, man probiere vor allem junge Spieler aus, anstatt etablierte Stars wie Marco Verratti für noch höhere Ablösen zu verpflichten. Was freilich nicht bedeutet, dass in dieser Transferperiode gar keine weiteren Neuzugänge in München zu erwarten sind. Wie wir jüngst berichteten, schließt Trainer Carlo Ancelotti weitere namhafte – und damit vermutlich auch teure – Neuzugänge nicht aus. Doch gerade in Bezug auf die sich hartnäckig haltenden Spekulationen um den Chilenen Alexis Sanchez und seine angebliche Gehaltsforderung von jährlich 25 Millionen Euro pflichtet Ancelotti Hoeneß bei: Bayern sei kein Club, der "verrückte Summen" zahle. "Verrückt" ist sicherlich Ermessenssache. Fest steht aber schon jetzt, dass sich die Ablöse-Spirale im europäischen Fußball auch in der aktuellen Wechselperiode munter weiterdreht. Es bleibt abzuwarten, wie lange der FC Bayern München als deutscher Spitzenclub mit vermeintlich bescheidenen Ablösesummen von um die 40 Millionen Euro im europäischen Vergleich wettbewerbsfähig bleiben kann. 

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