«Ein ganz normaler Tag»: Berti Vogts wird 65
30. Dezember 2011 08:52 Uhr von Von Wolfgang Müller, dpa
Berlin (dpa) Er war keine Lichtgestalt wie sein Vorgänger Franz Beckenbauer. Und doch ist er bis heute der letzte Bundestrainer, der einen Titel gewann. Berti Vogts wurde gerade in Deutschland stets besonders kritisch beäugt. Seinen 65. Geburtstag feiert er fern der Heimat.
Einer seiner Lieblingsschüler schickte eine Geburtstagswürdigung aus ein paar Tausend Kilometern Entfernung. «Berti Vogts hat den deutschen Fußball wesentlich geprägt, nicht nur als Nationaltrainer», schrieb Jürgen Klinsmann in einem Gastbeitrag für die jüngste Ausgabe des Bundesliga-Magazins. «Natürlich wünsche ich Berti Vogts alles erdenklich Gute. Und was wir bei dieser Gelegenheit nicht vergessen sollten: Noch immer ist er der letzte Bundestrainer, der einen Titel gewann.» Am Freitag feiert der Trainer der Fußball-Europameister von 1996 seinen 65. Ehrentag.
«Es ist ein ganz normaler Tag, nicht mehr und nicht weniger», sagte der frühere Bundes-Berti. In Dubai will er sich mit Freunden und «einigen Bekannten aus Aserbaidschan» treffen und an seinem Ehrentag zumindest schön essen gehen. Für Misstöne in der Heimat sorgte ausgerechnet kurz vor dem Geburtstag ein wieder aufflammender Streit mit dem früheren DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder über die Frage, wem die erfolgreiche Nachwuchsarbeit des Deutschen Fußball-Bundes zu verdanken sei. Am Donnerstag sah sich sogar DFB-Chef Theo Zwanziger veranlasst, sich einzuschalten.
«Ich bedauere es, dass zwei Persönlichkeiten, die sich um den deutschen Fußball verdient gemacht haben, so miteinander umgehen», sagte Zwanziger der «Bild»-Zeitung. Zu ihrer gemeinsamen Zeit im DFB habe es «wohl schon Spannungen gegeben, ohne dass ich Details kenne».
Mayer-Vorfelder hat sich längst aus dem aktiven Funktionärsleben zurückgezogen, Vogts hebt sich die Berufsbezeichnung Rentner für einen späteren Zeitpunkt auf. Auch wenn vor einigen Wochen schon öffentlich über seinen Abschied spekuliert wurde, ist er noch immer als Nationaltrainer Aserbaidschans tätig. Die Verantwortlichen der Clubs hat er in schwierigen Diskussionen von seiner Vorstellung der Entwicklung der Nationalmannschaft überzeugt. Am Ende verlängerte er dann doch seinen Vertrag bis 2014. In einem Interview des Fachmagazins «Kicker» bekräftigte er aber, dass Aserbaidschan wohl seine letzte Trainerstation sein wird.
Von 1990 bis 1998 führte Vogts die deutsche Nationalmannschaft in 102 Länderspielen zu 66 Siegen und als Höhepunkt zum EM-Titel 1996, doch gerade in seiner Heimat wurde der ehemalige Profi von Borussia Mönchengladbach immer besonders kritisch beäugt.
Seine Tugenden wie Wille, Energie, Kompromisslosigkeit mit einem Schuss Sturheit brachte Vogts neben seinem Fachwissen auch als Trainer beim DFB ein - und eckte damit als Nachfolger von Franz Beckenbauer oft an. Legendär ist Vogts' Ausspruch: «Wenn ich übers Wasser laufen könnte, würden meine Kritiker sagen: 'Nicht mal schwimmen kann er'.» Klinsmann verdankte seinen Bundestrainer-Job auch Vogts. Nach einem gemeinsamen Barbecue im Sommer 2004 in Klinsmanns Wahlheimat Kalifornien hatte Vogts ihn beim DFB empfohlen. «Ohne mich wäre Jürgen heute noch auf dem Surfbrett unterwegs», sagte er während des WM-Sommermärchens 2006.
Der im niederrheinischen Büttgen geborene Vogts musste sich als Vollwaise in jungen Jahren alles selbst erkämpfen. «Es gab Tausende von Fußballern, die begabter gewesen sind als ich, doch ich war ehrgeiziger», sagte der 96-malige National- und 419-fache Bundesliga-Spieler. Der Terrier biss sich durch: Weltmeister 1974, Europameister 1972, Europacup-Sieger 1975 und 1979, fünfmal Meister, einmal Pokalsieger - alles für Gladbach.
Seine Laufbahn als Trainer verlief nach dem DFB-Engagement weniger glanzvoll. Nach Kurz-Jobs bei Bayer Leverkusen und in Kuwait betreute Vogts die schottische Nationalelf und Nigeria, ehe er 2008 in Aserbaidschan anheuerte. Und wie sieht Vogts die aktuelle DFB-Auswahl? «Wir haben derzeit die vielleicht beste Nationalmannschaft der Welt, aber das müssen die Jungs nun auch beweisen und den Titel holen», sagte Vogts mit Blick auf die EM 2012.
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