Berichte aus der Oberliga Westfalen

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Premiere in der Oberliga Westfalen
Das Siegener Derby! 1. FC Kaan-Marienborn gegen die Sportfreunde

(Foto: Loos)
Es wird noch geputzt und gewerkelt... (Foto: Loos)

Siegen – Die Oberliga Westfalen bekommt eine echte Premiere zu sehen: Am Samstag stehen sich die beiden Siegener Top-Vereine Kaan-Marienborn und die Sportfreunde gegenüber. Carsten Loos berichtet über die Vorbereitung...

Hin und wieder gibt es selbst im Fußball Dinge, die es so auch noch nicht gegeben hat. Und so steigt am Samstag (16 Uhr), wenn sich am 7. Spieltag der Fußball-Oberliga Westfalen der 1. FC Kaan-Marienborn und die Sportfreunde Siegen gegenüber stehen, das erste Siegener Stadtderby in der Oberliga überhaupt.

Ein lokales Duell auf diesem sportlichen Niveau hat die südwestfälische Metropole in der Tat noch nicht erlebt. Kaan-Marienborn und der TuS Erndtebrück haben zwar in der vergangenen Oberliga-Saison gegeneinander gespielt (wie übrigens davor zuletzt in der Westfalenliga in der Saison 2010/11), aber das war ja kein Kräftemessen innerhalb der Siegener Stadtgrenzen, sondern eines im Kreis Siegen-Wittgenstein, noch dazu über die Grenze von Siegerland und Wittgensteiner Land hinweg.

Die Sportfreunde Siegen haben eben den Fußball in ihrer Region „seit Menschengedenken“ dominiert. Der 1899 gegründete Traditionsverein war 1955 Deutscher Amateur-Meister, spielte 2005/06 sogar in der 2. Liga, stieg aber gleich wieder ab. In der Saison 2011/12 musste sich Siegen dann erstmals einem lokalem Rivalen stellen: in der NRW-Liga, in die gerade Erndtebrück aufgestiegen war.

Vier Jahre später büßten die „Sportfreunde“ die Rolle der Nummer eins ein (erstmals seit 1971/72, als der VfL Klafeld-Geisweid aus der 1975 zu Siegen eingemeindeten benachbarten Stadt Hüttental in die Regionalliga West aufstieg): Siegen stieg aus der Regionalliga West in die Oberliga Westfalen ab, Erndtebrück schaffte erstmals den Sprung in die Regionalliga West. 2016/17 dann wieder umgekehrte Verhältnisse: Siegen in der Regionalliga, der spätere Meister und Aufsteiger Erndtebrück, aber da auch schon Kaan-Marienborn, in der Oberliga. Was folgte, ist bekannt: Siegen kündigte zunächst den freiwilligen Rückzug aus der Regionalliga an, es folgten der sportliche Abstieg und auch die zweite Insolvenz der Vereinsgeschichte.

Nun also: Ex-Bezirksligist gegen Ex-Zweitligist. Als Siegen in der 2. Bundesliga spielte, absolvierte Kaan-Marienborn, Kreisliga-Meister von 2003, gerade seine dritte Saison in der Bezirksliga. 2007 ging der Verein als ehemalige Fußballabteilung des TuS Kaan-Marienborn in die Eigenständigkeit mit dem erklärten Ziel, im höherklassigen Amateurfußball Fuß fassen zu wollen. Das vorläufige Zwischenergebnis: der siebte Platz im Abschluss-Klassement der ersten Oberliga-Saison.

Das Siegener Derby sorgt für einige Aufregung sowohl unter den Anhängern der beiden Vereine als auch unter den neutralen Fußballfreunden. Über 500 Karten waren bis Wochenmitte in den Vorverkauf gegangen. „Wir erwarten rund 1500 Zuschauer“, erklärte jetzt Wolfgang Leipold, 2. Vorsitzender und Platzsprecher beim 1. FC Kaan-Marienborn in Personalunion.

Sportlich ist alles angerichtet: Kaan-Marienborn hat am vergangenen Sonntag den vorherigen Tabellenführer FC Brünninghausen mit 3:1 gestürzt und ist auf Platz zwei zurück gekehrt. Zudem darf gegen Siegen Angreifer Dawid Krieger nach seiner „Rot“-Sperre aus dem Gastspiel beim FC Gütersloh (1:1) wieder mitmachen. „Dawid ist ein wichtiger Spieler für uns“, sagte Trainer Thorsten Nehrbauer, „und unangenehm für den Gegner.“ Mit dem aktuell fünften Rang nach dem 6:0-Erfolg in der Vorwoche gegen Gütersloh zeigte sich Sportfreunde-Trainer Dominik Dapprich zufrieden.

Manch einer hatte schließlich nach dem Umbruch im Sommer damit gerechnet, dass sein blutjunges Team, zumal seit seiner Verletzung in der Vorbereitung ohne Innenverteidiger Marco Beier, schnell als Tabellenende durchgereicht würde.

Gemeinsame Pressekonferenz

Und so tauschten die Trainer und Vorstandsvertreter beider Clubs bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Vorfeld des Derbys vorwiegend Nettigkeiten aus. Das Spiel solle ein Fußballfest für die ganze Familie werden, war der Grundtenor. In einschlägigen Fan-Foren hörte sich das in den letzten Tagen etwas anders an. Da wurde etwa der aufstrebende Käner Club als „Siegen Ost“ verspottet, ganz im Stil des Revierderbys zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund. „Wir sind zwei völlig unterschiedliche Vereine“, betonte daher auch der Käner Vorsitzende Manfred Leipold, „mit völlig unterschiedlichen Fans.“ Und hatte prompt eine Spitze parat, dass nämlich viele Siegener Fans den Fußball zur Selbstdarstellung nutzen würden. Während die, wie er eingestand, nur wenigen Anhänger seines Vereins, nur Fußball sehen wollten.

Die letzten drei Aufeinandertreffen gewann Kaan-Marienborn: im letzten Jahr im Kreispokal-Endspiel mit 2:1 und 2015 in einem Freundschaftsspiel mit 3:1. Und dann war da das Kreispokal-Viertelfinale in der Saison 2008/09, als Kaan sich vor 1400 (!) Zuschauern im Breitenbachtal mit 4:3 nach Elfmeterschießen durchsetzte. Torschütze vom „Punkt“ war seinerzeit Jochen Trilling, der heute Sportlicher Leiter der Käner ist. Damals wurden Erinnerungen wach, an den vermeintlich größten Erfolg in der Käner Fußballgeschichte: 43 Jahre zuvor hatte Kaan die Sportfreunde aus dem Westfalenpokal geworfen.

Herkules-Arena wird rausgeputzt

Organisatorisch wurde in den letzten Tagen in der Herkules-Arena fleißig gewerkelt. Bierwagen und Toilettenwagen wurden aufgestellt; die Spielfläche wurde mit Absperrgittern eingezäunt. Selbst die früheren Stehplatzstufen auf der Gegengeraden hinter den Trainerbänken wurden von altem Wildwuchs befreit und bieten jetzt so guten Blick auf das Geschehen wie eh und je.

Bei aller Rivalität ist man sich nahe am Samstag: Kaan-Marienborn verzichtet auf seine Heimtrikots, spielt im blauen Auswärtsdress. Siegen nämlich, erklärte Trainer Dapprich, nur seine roten Trikots. Womöglich als Folge der Insolvenz? Und auch „Magolves“, das Maskottchen der Siegener, darf auf fremdem Terrain die Fans beglücken. Und noch mehr, wie Wolfgang Leipold ironisch anmerkte: „Der darf sich vorher sogar bei uns umziehen.“

Manchmal übrigens kommt Manches auch im Fußball schneller als man denkt. Tobias Wurm (35) spielte bis 2007 in Siegen, ehe er sich, nach einem halben Jahr beim SV Lippstadt, Kaan-Marienborn anschloss und dort inzwischen Nehrbauers Co-Trainer ist. Wurm sagte jetzt auf die Frage, ob er jemals darauf gehofft habe, irgendwann einmal in der Meisterschaft gegen seine „alten“ Sportfreunde spielen zu können: „Ja, aber wir haben immer gedacht, das wird nur in der Regionalliga sein.“ Den Abstieg in die Oberliga habe er Siegen nämlich nicht gewünscht.

 

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