Berichte aus der Oberliga Westfalen

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Hausbesuch in der Oberliga
Eintracht Rheine gegen Gütersloh: "Heute kommen die mit zwei Autos..."

Rund 400 überdachte Sitzplätze gibt es in Rheine - auf der legendären Hintertortribüne. (Foto: Schulte)
Am Ende 4:1 für Rheine... ein guter Tag. (Foto: Schulte)
Bessere Zeiten hat die Anlage allemal gesehen. (Foto: Schulte)
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Rheine – Da draußen, weit weg vom rasenden Bundesliga-Zirkus, lebt der Fußball auch noch. Auf den Plätzen zwischen Lotte und Iserlohn, zwischen Ahlen und Recklinghausen. Nicht immer unbeschwert, aber er hält durch. Wir besuchen die Klubs in Westfalen - diesmal den FC Eintracht Rheine. Der legte einen Sahnetag gegen den FC Gütersloh hin. Bilder und Stimmen zum Spiel...

Es ist ein frühlingshafter Sonntag, dieser 3. April; und auf den ziemlich verwitterten Stehrängen der Obi-Arena verteilen sich 356 Zuschauer. Das sind weniger als der FC Eintracht Rheine früher anzog, aber auch nicht wirklich schlimm. Manchmal sind weniger da. Wenn das Wetter bescheiden ist oder in Rheine irgendeine Veranstaltung lockt. Oder wenn der BVB oder Schalke parallel spielt. Dann fahren viele lieber nach Dortmund oder Gelsenkirchen. Das tut der Eintracht weh, das kostet 100 Zuschauer und die machen durchaus einen Unterschied in knappen Kassen.

An diesem Sonntag ist einfach nur tolles Wetter und der FC Gütersloh ist zu Gast. Und eben 356 Zuschauer. "Früher ", seufzt der Stadionsprecher, "früher sind die FCG-Anhänger hier mit drei Bussen angereist. Heute kommen die Fans in zwei, drei Autos."

Das könnte hinkommen, denn hinter den Banden sind vielleicht ein knappes Dutzend - zumindest dank Fanschal und Trikot - als Gästefans zu erkennen. Sie und die Heimfans stehen zusammen, man bestellt das Würstchen und das Bier am gleichen Stand. Keine Blocktrennung, keine Hundertschaften der Bundespolizei. Es ist ein anderer Fußball hier in der fünften Klasse.

Allerdings: Sentimentale Anwandlungen empfehlen sich nur bedingt. Die Oberliga ist schließlich kein Museum für Fußball-Historie, sondern eine lebendige Spielklasse mit sehr realen Problemen und Nöten. Mit Mühe, sagt Markus Wersching, halte man den Etat im Gleichgewicht. Sehr viel mehr ist derzeit nicht zu holen.

Wersching war selbst Profi in Münster und in Uerdingen und als Sportlicher Leiter verwaltet er im Rahmen der knappen Möglichkeiten den Kader, so gut es geht. Die Spieler kommen aus der Umgebung, es sind oft jene Kicker, die in den vielen Jugend- und U23-Teams der Profi-Vereine durchs Raster fallen. Rheine tun sie aber gut. Platz 8 ist ein stabiles Zeichen.

 

Heute also der FC Gütersloh. Heiko Bonan ist dort Trainer, er war auch schon Spieler beim FCG. Bekannter ist er aber aus seiner Profizeit in Magdeburg oder beim VfL Bochum. Bonan hört am Ende der Saison auf in Gütersloh und das hat auch etwas mit Enttäuschungen zu tun. Heute hat er aber noch ganz andere Sorgen, denn mit Mühe und Not hat er ein funktionierendes Team zusammengestellt - der FCG muss auf viele Verletzte verzichten.

Die Ersatzleute sind nicht eingespielt, Eintracht Rheine dagegen auf den Punkt fit und vorbereitet und das führt zu einem schnellen 3:0 für die Gastgeber. Rafael Figueiredo zwingt die Gäste praktisch zum Eigentor - so steht es nach 17 Minuten schon 1:0 für den FCE.

Julius Hölscher legt nach 27 und 36 Minuten noch je ein Tor nach. Mit diesem 3:0 geht's in die Pause. Gütersloh ist damit wohl bereits geschlagen, das ahnt Heiko Bonan am Spielfeldrand möglicherweise auch.

Während Eintracht-Coach Uwe Laurenz an der Seitenlinie eher der Lautstarke ist, der Engagierte, ruht Bonan in sich selbst. Zu hören ist vor allem Laurenz. Und natürlich jeder Krakeeler, den der Fußball eben so anzieht - überall. Nur hört man sie in der Bundesliga oder der 2. Liga nicht so laut. "Du Peeenner" gröhlt da einer von der "Dr. Bernd Windhoff Tribüne" hinter dem Tor und das ist noch ein freundlicher Zwischenruf.

Die Ordner tragen verblichene Bändchen am Ärmel und keine Leibchen mit "Stewart" drauf. Dafür sind sie schon im Rentenalter und wenn einer der Gästefans zu frech wird, gibt's schon mal einen Spruch. Deeskalation braucht's hier nicht. Das ist Fußball.

Unten auf dem Feld macht Eintracht Rheine konzentriert sein Ding. Das ist kein Feierabend-Kick, das ist Fußball mit Anspruch, soviel ist sicher. Die Oberliga birgt durchaus Fußball-Können - für Gütersloh aber diesmal eher Pech. Die beste Chance für die Gäste vergibt Nico Schürmann, der an einer scharfen Hereingabe vorbeirutscht. Wäre da noch etwas gegangen? Wir werden es nicht mehr erfahren.

 

 


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