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Oberliga Westfalen, 5. Spieltag
Blut und viel Krampf in Gütersloh...

(Foto: Loos)

Gütersloh – Nach dem Abpfiff des Gastspiels beim FC Gütersloh war Thorsten Nehrbauer, Trainer des Oberligisten 1. FC Kaan-Marienborn, realistisch: „Wir haben am Ende viel Glück gehabt.“ Viel Glück nämlich, dass sein Team beim Abschied aus dem Heidewaldstadion immerhin noch ein 1:1 (1:0) mitnehmen konnte ins Siegerland.

Denn in der turbulenten Schlussphase einer zunehmend emotional aufgeheizten Partie verlor der vorherige Tabellenzweite aus Siegen nach und nach die Ordnung in seinem Strafraum. Nehrbauers Team geriet in höchste Gefahr, auch das 1:1 noch aus der Hand zu geben. Schon beim Ausgleichstreffer in der 78. Minute hatten sich die Käner eine haarsträubende Fehlerkette vor dem eigenen Tor erlaubt. Schlussmann Florian Hammel musste ein ums andere Mal durch seinen Torraum hetzen und fliegen, konnte aber den x-ten Versuch eines Torschusses dann doch nicht mehr abwehren, als Lars Schröder zum 1:1 einschoss. Warum sein Team den Ball nicht einfach aus der Gefahrenzone geschlagen hatte, konnte hernach nicht einmal Coach Nehrbauer erklären.

Dabei hatte Kaan-Marienborn die Partie zu Beginn fest im Griff. Nehrbauer sprach von einer „hervorragenden ersten Halbzeit“. Nichts erinnerte im Spiel der Nehrbauer-Elf an die 0:2-Niederlage an selber Stelle in der Hinrunde der vergangenen Saison. Und so gingen die Siegener folgerichtig in der 32. Minute in Führung. Ein Freistoß von Mats-Lukas Scheld aus gut 35 Metern Entfernung fand irgendwie vorbei an Freund und Feind den Weg ins Netz hinter FCG-Keeper Radoslaw Libera.

Zwölf Minuten später erhielt die Partie jedoch urplötzlich ein neues Gesicht: Beim Hochspringen zum Kopfball verletzte Kaans aktuell erfolgreichster Angreifer Dawid Krieger (3 Tore) seinen Gegenspieler Lars Beuckmann mit dem Ellenbogen böse. Der Gütersloher stürzte zu Boden, schrie laut auf, sah entsetzt auf seine blutigen Hände. Die erste Diagnose: Verdacht auf Nasenbeinbruch. Schiedsrichter Lars Bramkamp (TuS Hattingen) reagierte ohne Zögern und zückte die Rote Karte gegen Krieger. Krieger habe Beuckmann nicht absichtlich getroffen, erklärte Kaans Übungsleiter Nehrbauer später: „Die Rote Karte war übertrieben.“ Eine Gelbe Karte wäre richtiger gewesen, sagte der Trainer. Krieger stand jedoch vor zwei Wochen, beim 3:1-Sieg in Haltern, wegen zweier Fouls mit dem Ellenbogen bereits kurz vor „Gelb-Rot“.

Und wie das so geht im Sport, und insbesondere auf dem Fußballplatz: Mit der Roten Karte gegen Krieger kippte die Partie, war die Dominanz der Käner dahin. Als Gütersloh ohne Beuckmann aus der Pause kam, schien die Mannschaft wie ausgewechselt, ging die zweiten 45 Minuten neu motiviert an. FCG-Trainer Fatmir Vata sagte später: „Ich bin in der Kabine laut geworden.“ Und auch die ostwestfälischen Zuschauer, die ihre Mannschaft in der ersten Halbzeit noch heftig kritisiert („Was soll denn das“) hatten, standen plötzlich hinter dem Vata-Team, beschimpften die Käner als „Treter“ und „Assi-Truppe“.

Hoffnung bei den Känern, dass sie ihren Vorsprung über die Zeit bringen könnten, keimte in der 76. Minute auf. Da musste der Gütersloher Sinan Aygün mit „Gelb-Rot“ vom Platz. Die Partie war wieder ausgeglichen - zumindest zahlenmäßig zunächst. Aber nur zwei Minuten später traf Schröder dann ja zum viel umjubelten 1:1-Ausgleich.

 

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