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"Klartext"
Insolvenz, Abstieg oder Auflösung? FC Gütersloh braucht sofort 217.000 Euro...

André Niermann - noch Vorsitzender des FC Gütersloh. (Foto: Schulte)
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Gütersloh – Die Lage ist ernst beim FC Gütersloh - aber aufgeben wird noch niemand. Besorgnis ist aber angebracht angesichts der finanziellen Lage des Klubs. Am Dienstagmorgen gab's "Klartext"...

Die Fakten in Kürze:

  • Der Verein ist aktuell mit zwei Gehältern im Rückstand (November, Dezember)
     
  • Bis zu rund 100.000 Euro Rückstände belasten den FCG aktuell
     
  • 67.000 Euro davon sind nicht verhandelbar, für den Rest wären Einigungen mit ehemaligen Mitarbeitern notwendig
     
  • Um die Saison bis Juni zu finanzieren, fehlen rund 150.000 Euro
     
  • 13.400 Euro sofort würden einen Monat mehr Zeit im Insolvenzverfahren bringen - also bis Ende Februar

 

Zeit hat der FC Gütersloh keine mehr. Oder anders gesagt: Ganz akut muss der Verein rund 13.400 Euro auftreiben. Mit diesem Geld könnten die ausstehenden November-Gehälter bezahlt werden. Die Gehälter für Dezember, Januar und Februar würden dann von der Agentur für Arbeit übernommen. Der FC Gütersloh würde sich also einen Monat mehr Zeit kaufen. Klappt das nicht, müsste der Insolvenzverwalter zum Monatsende das Verfahren eröffnen.

Das Luxusgut beim FC Gütersloh ist derzeit tatsächlich also nicht das Geld, sondern genau diese Zeit zum Durchatmen und Sortieren.

Aber selbst wenn der Klub etwas mehr Zeit bekommt, steht das Thema Geld direkt an zweiter Stelle. Um die Saison zu finanzieren, fehlen dem FC Gütersloh rund 150.000 Euro. Bis Ende Juni 25.000 Euro pro Monat. Da ist alles drin: Gehälter und Betriebskosten. Und obendrauf kommen rund 67.000 Euro an Außenständen. Das macht zusammen eine Summe von rund 217.000 Euro. Das Geld ist nicht da und wenn es nicht aufzutreiben ist, steht der FCG bestenfalls vor dem Abstieg, schlimmstenfalls vor der Liquidation. Dazu kommt noch ein Haken: Aus 67.000 Euro Rückstand könnten im schlimmsten Fall bis zu 100.000 Euro werden. Grund: Die Forderungen ehemaliger Mitarbeiter des Klubs. FCG-Vorsitzender Andre Niermann nennt diese Beträge "verhandelbar", aber noch stehen sie im Raum.

Aber der Reihe nach.

Am Montagabend gab es eine Krisensitzung zwischen Politik und Verein in den Räumen der Stadthalle Gütersloh. "Klartext" wurde dort geredet und "Klartext" gab es dann auch am Dienstagmorgen in der Vereinsgaststätte "Gasthaus Roggenkamp". Der Noch-Vorsitzende Andre Niermann war dabei, als "besorgte Mitglieder" auch der CDU-Fraktionschef Heiner Kollmeyer und Verbandspräsident Hermann Korfmacher. Alle drei stellten die Lage beim FC Gütersloh ehrlich dar - und schön ist sie nicht.

Der FC Gütersloh hat aktuell drei mögliche Zukunfts-Szenarien: Entweder er treibt schnell viel Geld auf und kann den Insolvenzantrag so zurückziehen. Oder er findet diese Geldgeber nicht sofort, dann wird das Insolvenzverfahren eröffnet und der FC Gütersloh steht als Absteiger in die Westfalenliga fest. Und der Worst Case wäre die Auflösung des Vereins, weil schlicht nichts da ist, womit man noch arbeiten könnte.

Die gute Nachricht im bösen Spiel: Der Insolvenzverwalter sagt, es sei ausreichend Masse für ein geordnetes Insolvenzverfahren da. Eine Liquidation steht also nicht bevor, aber die große Aufgabe bleibt in jedem Fall bestehen: Es muss Geld her. Sofort. So viel wie möglich. Nicht nur kurzfristig, sondern dann auch nachhaltig und mit Blick auf die kommende Saison. Keine einfache Sache.

Und Verbandschef Korfmacher wies darauf hin, dass die Westfalenliga als landesweite Spielklasse kaum einen Cent günstiger zu haben wäre als die Oberliga. Klubchef Niermann dazu eher achselzuckend: "Wir wären auch in der Westfalenliga mit unserem Etat im unteren Bereich..."

Niermann selbst hat seinen Rücktritt längst angekündigt, bis zu einer Mitgliederversammlung wird er als Chef bleiben - aber sein Abschied steht fest. Am Dienstagmorgen redete er auch nicht groß drumherum. "Ich habe den Verein kaputtgespart", sagte er bewusst provokant. Aber die Sache ist: Es gab eben gar keine Alternative. Niermann hatte den FCG verschuldet und praktisch insolvent übernommen. "Immer, wenn es eng wurde, bin ich mit in die Bütt gegangen", so Niermann. "Die Situation war verdammt nicht einfach." Aber trotz eines massiven Sparkurses gelang es dem Verein bis heute nicht, Unterstützer und Sponsoren in ausreichender Zahl zu finden. Ob das ein gutes Zeichen für die nun anstehenden Aufgaben ist, kann man nur ahnen. "Ich habe noch nie so viel Sturheit wie in Gütersloh erlebt", so Niermanns bitteres Fazit.

"Ich habe schon im Sommer gewusst, dass es eng wird", so Niermann etwas verbittert. "Ich wollte schon die Spielerverträge nicht unterschreiben, aber ich hatte Signale bekommen, dass es klappen würde." Das Wort "Signale" mag er heute nicht mehr hören. "Das sind nur Versprechungen" sagt er. "Ich glaube das nur noch, wenn ich Geld auf dem Konto sehe."

Nach außen hin hatte der Klub die finanzielle Lage nicht dargestellt. "Das sollte intern bleiben", so Niermann. Es wäre wohl kein gutes Zeichen gewesen, direkt mit dem Damokles-Schwert "Finanzprobleme" in die Saison zu gehen. Dabei kann der Verein jetzt froh sein, dass Trainer und Team mitziehen. Alle wurden am Montagabend noch über die Lage im Detail informiert und sind unverändert am Ball. "Sie wissen auch, dass in einem Insolvenzverfahren das Gehalt für drei Monate sicher ist", so Niermann am Dienstag. "Das Geld kommt dann zwar nicht morgen oder in drei Wochen, aber es kommt zu 100 Prozent."

Durch das Insolvenzverfahren wären Stand "Heute" die Gehälter für November, Dezember und Januar gesichert. Und genau das ist der wichtige Punkt: Wenn bis Ende Januar nicht neues Geld da ist, muss das Insolvenzverfahren zum 1. Februar eröffnet werden - Abstieg inklusive. Gelingt des dem FC Gütersloh vorher, die Gehälter für November aufzutreiben, wäre ein Monat mehr Zeit für alles andere.

Kontostand

Aktuell hat der FC Gütersloh mindestens rund 15.000 Euro (Niermann: "Vielleicht auch 18.000 Euro") auf dem Konto. Der Klub kommt aber nicht dran, weil das Konto wegen der Forderungen eines ehemaligen Mitarbeiter gesperrt ist. Neues Geld würde ab sofort auf ein Treuhandkonto fließen - und damit nicht in der Insolvenzmasse untergehen.

Das ist eine wichtige Trennung: Jede Einnahme, die der FC Gütersloh aus dem eigenen Spielbetrieb erwirtschaftet, geht direkt in die Insolvenzmasse. Jeder Euro, den Sponsoren, Freunde oder Unterstützer auf das Treuhandkonto einzahlen, bleibt im Insolvenzverfahren unberührt und sichert den Fortbestand des Klubs - sportlich wie als Verein.

Sollte es zum schlimmsten Fall kommen, würden die Gelder auf dem Treuhandkonto wieder an die Geldgeber ausgezahlt.

Verbandschef Korfmacher machte deutlich, dass der Verband zwar aus Gründen der Gleichberechtigung dem FC Gütersloh keine Zahlungen erlassen könne - aber immerhin sind großzügige Ratenvereinbarungen möglich. Aber das alles hilft gar nichts, wenn nicht schnellstmöglich frisches Geld eintrifft. "Wir brauchen jetzt ein Zeichen", sagte Korfmacher am Dienstag. "Es geht um die Zukunft des Leistungsfußballs in Gütersloh."

Und genau so ist das zu verstehen: Findet der FC Gütersloh jetzt nicht neue Geldgeber, dann ist das Interesse an einem hochrangigen Verein in der Stadt offenbar nicht groß genug.




Und die Stadtpolitik?

Heiner Kollmeyer (CDU) war am Montag natürlich Gast der "Elefantenrunde". Klar ist: Die Stadt Gütersloh wird keinen Cent zum Spielbetrieb des FC Gütersloh beisteuern. Immerhin: Es habe in der Parteienrunde auch niemand dafür plädiert, den Laden beim FC Gütersloh einfach zuzumachen.

Auch die bereits beschlossenen Gelder für die Stadionsanierung seien nicht in Frage gestellt worden, so Kollmeyer. In 2017 und 2018 sind über 370.000 Euro in notwendige Maßnahmen verplant. Ob aber anschließend auch ein umfangreicherer Umbau möglich ist, hängt nicht zuletzt von der Zukunft des FC Gütersloh ab. Politisch wird es nicht zu verkaufen sein, dass die Stadt in ein Stadion investiert, in dem kein hochrangiger Klub mehr spielt. So formulierte es am Dienstag auch Heiner Kollmeyer.

Die nächsten Termine?

Und wie geht es nun weiter? Am 19. Januar ist ein Beratungstermin anberaumt. Der sollte eigentlich erst im März stattfinden, wurde aber wegen der Entwicklung beim FCG vorgezogen. Auf diesem Termin sollen sich Vorstand und Aufsichtsrat mit interessierten Geldgebern und anderen Beteiligten zusammensetzen, um gemeinsam weitere Maßnahmen zu besprechen.

Anschließend steht ein öffentlicher Info-Abend für Bürger, Eltern, Jugendspieler, Fans und Freunde des Vereins an. Dabei sollen auch mögliche Satzungsfragen behandelt werden - unter anderem geht es um die Mitgliedsbeiträge, die möglicherweise teurer werden müssen.

Ein Sponsoren-Abend in "attraktiver Umgebung" (Korfmacher) soll dann folgen. Hier muss es darum gehen, Sponsoren nicht nur vom Konzept zu überzeugen, sondern auch als Geldgeber zu gewinnen. Dies ist der Abend, an dem das Geld kommen muss. Klappt das nicht, steht der FCG vor dem Aus.

Und ja: Am Ende des ganzen Prozesses steht eine Mitgliederversammlung an. Niermann wird dann nicht mehr antreten, ein neuer Vorstand muss her. Und die Mitglieder müssen den Weg des Klubs dann bestätigen.

Vorerst aber, da beißt die Maus keinen Faden ab, muss Geld her. Schnell.

 


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