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Auftakt im Heidewald
Trotz Insolvenz trainiert der FC Gütersloh: "Jetzt erst recht"

(Foto: Schulte)
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Gütersloh – Den Trainingsauftakt nach schwierigen Tagen wollte der FC Gütersloh eigentlich auf dem Nebenplatz durchführen. Nichts da. Fast trotzig schaltete der Klub das große Flutlicht an. Rein ins Heidewaldstadion, alle sollten es sehen. Die Botschaft: Die Lichter gehen noch nicht aus...

Der Zwangsabstieg droht, das Insolvenzverfahren schwebt über allem, der Vorsitzende zurückgetreten: Es gab schönere Tage beim FC Gütersloh. Die Mannschaft kann für all das nichts, aber sie leidet. Seit Monaten fließt das Geld nur sporadisch, die Aussichten sind unsicher.

Und dann das: Am Freitagabend trat fast das gesamte Team zum ersten Training nach der Pause zusammen. Gut gelaunt und motiviert. Die wenigen, die fehlten, waren entschuldigt oder schlicht verletzt. Und dann wollte das Team rund um Trainer Fatmir Vata sich auch gar nicht verstecken. Statt auf dem Nebenplatz fand das Auftakttraining direkt im Heidewaldstadion statt. Und so strahlte es aus dem Stadion hell in die Nachbarschaft und die Stadt. Seht her, wir leben noch.

Ein trotziges "Jetzt erst recht". Oder wie es Trainer Vata formulierte: "Schlechter geht ja auch nicht..."

Das verdient Respekt

In der Kabine des FCG hatten Trainer Vata und sein Co Marc Hunt wirklich alles gegeben. Sie hatten das Team eingeschworen auf diese Trotzreaktion. Vata: "Mal ehrlich, die Jungs verdienen hier doch eh nicht viel. Aber wenn das Geld nicht kommt, dann tut uns allen das weh. Was das Team in der Hinrunde trotz allem gezeigt hat, das verdient Respekt."

Und so will auch Vata die ganze Sache annehmen. "Ich bin der Letzte, der hier geht. Erst wenn das letzte Licht aus ist, gehe ich auch. Aber jetzt krempeln wir die Ärmel hoch."

Also was immer sich beim FC Gütersloh in den kommenden Tagen oder Wochen tut: An der Mannschaft wird es nicht scheitern, so viel ist am Freitag klargeworden.

Eine Sache wolle sich Vata ab sofort allerdings verkneifen, wie er am Freitag verriet. "Über Geld rede ich mit der Mannschaft nicht mehr. Da verliere ich ja irgendwann an Glaubwürdigkeit. Und dann glauben die mir auch nichts mehr über Taktik und Fußball..."

Er habe selbst nicht gewusst, wie schlimm die Lage wirklich sei. "Damit habe ich nicht gerechnet." Aber jetzt müsse man eben alles dafür tun, dass der Verein weiter besteht. "Da müssen alle mitziehen. Die Leute müssen uns jetzt unterstützen. Wenn sie das nicht tun, ist der Verein weg."

Dabei sei, so sagt Vata, in der Stadt doch mindestens Regionalliga drin. "Zu 100 Prozent!" Eine Einstellung, die das Potenzial zeigen soll und Mut machen soll auf eine bessere Zukunft, aber vielleicht auch in der Vergangenheit immer etwas die wahren Probeme überdeckt hatte. Dafür kann Vata nichts, aber dem eigenen Anspruch läuft der FC Gütersloh durchaus hinterher.

Der Sport

Nach den Abgängen zum Winter forstet der FCG zugleich aber auch wieder auf. Gleich drei Neue tummelten sich am Freitagabend auf dem Platz. Innenverteidiger Odysseas Miloulis, Mergim Deliju und Kevin Malena sollen die Lücken schließen. Delia soll den abgewanderten Bulut ersetzen, Malena als "Sechser" fungieren.

Weitere Neuzugänge sind im Gespräch und werden in den kommenden Tagen im Training vorbeischauen.

Mehr Informationen am Montag

Wie auch immer: Am Montag steht eine wichtige Sitzung mit Vertretern der Stadt und des Klubs an. Dann werde der Insolvenzverwalter Dr. Eckert auch das Team informieren.

Die Gerüchteküche in Gütersloh ist in Betrieb: Möglicherweise werde sich eines der großen ortsansässigen Unternehmen als Partner des Vereins neu positionieren. Das könnte dann eine Signalwirkung auf andere Sponsoren haben, so heißt es.

Gelänge es durch zusätzliche Unterstützung, den Insolvenzantrag zurückzuziehen, wäre der Zwangsabstieg auch vom Tisch und der Klub könnte - wieder einmal - einen neuen Anlauf nehmen.

Vorerst geht es "nur" um Fußball und die Vorbereitung auf die Restserie in der Oberliga Westfalen. Und dass der FCG nicht klein beigeben will, das zeigte am Freitagabend der gleißendhelle Heidewald.

 


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