Regionalliga-Reform
Kein Durchkommen in Liga vier
02. September 2010 17:46 Uhr | Quelle: Westfälische Nachrichten
Münster Die Traditionsclubs, die es in die Niederungen der viertklassigen Regionalliga verschlagen hat, machen mobil. Zukunftsangst macht sich breit.
Nicht nur, weil die Spiele gegen die Reserveteams der Vereine aus der Deutschen Fußball-Liga in der Regel ein geringeres Zuschaueraufkommen haben, sondern weil sich die Regionalliga zum Nadelöhr des deutschen Fußballs entwickelt hat. Hier, an der Schnittstelle zwischen Profifußball und dem Amateurbereich, herrscht ein unglaubliches Gedränge.
Die Pro-Regionalliga-Reform, unterstützt von einer gewaltigen Unterschriftenaktion, fordert die Trennung von ersten Mannschaften und den U-23-Vertretungen der Bundesligisten. Zudem soll ein weiterer Aufsteiger den DFB-Clubs bewilligt werden. Doch nun laufen die DFL-Vereine Sturm.
Die DFL droht den Amateuren mit Kündigung aller Vereinbarungen, wie das Fachmagazin Kicker unlängst vermeldet. Schließlich sieht die Vereinigung der Proficlubs in der Spielberechtigung ihrer Zweitvertretungen in der Regionalliga die gelungene Fortsetzung des Nachwuchskonzeptes. B-Junioren-Bundesliga, A-Junioren-Bundesliga, U-23-Teams im regelmäßigen Wettkampfvergleich der Regionalliga - erst diese Entwicklung würden den deutschen Nachwuchsspielern die notwendige Spielpraxis geben, um auf lange Sicht den Sprung in die Bundesligen und Nationalmannschaften schaffen zu können.
Am heutigen Freitag kommt es zu einer Managertagung der 36 DFL-Vereine mit DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. Der Tenor, den die Bundesliga-Bosse bereits vor einigen Tagen bei einer Telefonkonferenz gefunden haben: Alles soll so bleiben, wie es ist.
Das Lamento der Pro-Regionalliga-Reform-Vereine, angeführt von Hessen Kassel, Preußen Münster, Darmstadt 98 und SV Elversberg, akzeptieren die DFL-Vertreter nicht. Sie hätten als Kompromiss vor zwei Jahren auf die Auszahlung der TV-Gelder, die eigentlich ihren U-23-Teams zugestanden hätte, verzichtet. Zudem würden U-23-Mannschaft nicht mehr an der lukrativen 1. Hauptrunde im DFB-Pokal teilnehmen können. Wichtigstes Argument sei aber die sportliche Weiterentwicklung der Spieler in den Leistungszentren der 36 DFL-Clubs. Auf bis zu 100 Millionen Euro lassen sich diese Kosten pro Saison hochrechnen.
Die Spielpraxis in einer reinen U-23-Liga reicht den Bundesligisten offenbar nicht. Über eine etwaige Abstimmung zu einer Regionalliga-Reform beim DFB-Bundestag im Oktober in Essen beraten bereits jetzt die Juristen. Die DFL-Vereine sagen, dass sie eine Sperrminorität ausüben können und eine Zwei-Drittel-Mehrheit bei einem Boykott der DFL-Front nicht zu schaffen sei.
Der Westdeutsche und der bayerische Verband gehen dagegen davon aus, dass eine Regionalliga-Reform mit einfacher Mehrheit beschlussfähig sei.
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