printlogo
Andre Wiwerink kam zu Saisonbeginn vom finanzschwachen Bonner SC, dem die Lizenz entzogen worden ist, nach Lotte. Auf die Sportfreunde kommen durch die Regionalliga-Reform große Veränderungen zu.Foto:

Ab der Saison 2012/2013

Regionalliga-Reform mit Auswirkungen bis zur Kreisliga C

07. Dezember 2010 21:40 Uhr | Quelle: Westfälische Nachrichten

Lotte / Tecklenburger Land - Zu viele zweite Mannschaften, zu wenige Derbys, kaum Zuschauer: Seit der Einführung der neuen Fußball-Regionalliga zur Saison 2008/2009 streiten sich die Beteiligten über die Zukunft dieser noch so jungen vierten Liga.

 Immer wieder wurde nach Reformen gerufen, da sich unter den gegebenen Bedingungen der Spielbetrieb kaum noch finanzieren lasse. Die Zuschauer bleiben weg. Zu einigen Begegnungen mit Beteiligung von Reserve-Teams der Proficlubs kamen nicht einmal 300 Zuschauer. Da lockt manches Kreisliga-Spiel mehr Fans an.

TV-Gelder decken nur einen minimalen Anteil der Vereinsetats. Mit dem Bonner SC, Waldhof Mannheim, Wormatia Worms und jüngst SV Weiden haben innerhalb eines halben Jahres vier Vereine Insolvenz angemeldet oder keine Lizenz für die vierte Liga erhalten.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat auf dem jüngsten Bundestag im Oktober in Essen deshalb eine Regionalliga-Reform durchgeboxt, mit der die meisten betroffenen Vereine, zumindest die im Westen und Norden, allerdings nicht einverstanden sind, und die Auswirkungen bis hinunter zur Kreisliga C hat.

Ab der Saison 2012/2013 wird die Zahl der Regionalligen von drei auf fünf Staffeln erhöht. Pro Staffel werden nur noch bis zu sieben Reserveteams von Profiklubs spielen. Allerdings steigen nicht alle fünf Meister direkt in die dritte Bundesliga auf. Sie ermitteln in einer Aufstiegsrunde den deutschen Amateurmeister sowie insgesamt drei Aufsteiger.

Die neuen Regionalligen Nord, Nord-Ost, West, Süd-West, Süd und Süd-Ost werden nicht mehr unter dem Dach des DFB sondern unter dem der jeweiligen Regionalverbände geführt. Das wiederum bedeutet, das der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletik Verband (WFLV) seine gerade erst eingeführte NRW-Liga wohl einmotten wird. Die ist nicht mehr nötig, wenn der WFLV die Regionalliga bereits unter seine Fittiche hat. Zwei Staffeln wird sich der Verband kaum leisten. Selbst Präsident Hermann Korfmacher hat bereits entsprechendes angekündigt: "Ich glaube nicht, dass wir eine zweite NRW-Liga unter der Regionalliga aufbauen werden, denn die besten Clubs NRWs sind dann ja schon in der vierten Spielklasse."

Die Westfalenliga als aktuell sechste Spielklasse würde um eine Position nach oben auf Platz fünf rücken. Die Kluft zwischen den großen und kleinen Vereinen dürfte sich so erheblich vergrößern. Konkrete Entscheidungen sind noch nicht gefallen. Der DFB hat bereits eine Kommission ins Leben gerufen, um Detailfragen zu klären.

Erste Lösungen dürften nicht vor April 2011 vorliegen. Bis dahin müssen allerdings die Auf- und Abstiegsregelungen klar sein, damit sie in die Statuten für die neue Serie aufgenommen werden können.

Am vergangenen Donnerstag tagte der Verbands-Fußball-Ausschuss des WFLV. Dabei ging es um die Abschaffung der aktuellen NRW-Liga und um eine eventuelle Einführung der altbewährten Oberligen Nordrhein und Westfalen als direkter Unterbau der Regionalliga. Über den Stand der Dinge wurden am Wochenende in Kaiserau 30 Delegierte von Vereinen der Regional- bis zur Westfalenliga informiert.

Die Sportfreunde Lotte vertrat Pressesprecher Alfons Manikowski. Dabei ging es auch um den demografischen Wandel in Deutschland. Untersuchungen belegten, dass sich die Zahl der aktiven Fußballer bis 2030 halbiere. Deshalb werde auch darüber nachgedacht, in den kommenden Jahren aus den aktuell fünf Landesligen vier zu machen und die 15 Bezirksligen auf zwölf zurückzufahren.

Durch die Regionalliga-Reform, dem sich daraus ergebenden Rattenschwanz sowie die angedachte Reduzierung der Landes- und Bezirksliga-Staffeln ergebe sich ein vermehrter Abstieg. Dem könne Rechnung getragen werden, in dem, so hieß es, zum Beispiel vorübergehend D-Kreisligen und vielleicht sogar E-Kreisligen eingeführt würden. "Das alles sind reine Denkmodelle", äußerte Manikowski. "Entschieden ist noch nichts." Um dem demografischen Wandel entgegenzusteuern, werde zudem überlegt, junge Akteure mit einer Zweitspielberechtigung auszustatten und grenzüberschreitende Ligen auch auf unterer Ebene anzubieten.


Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...