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Leere Ränge bei Zweitvertretungen - so wie hier in Münster protestieren Fans seit Jahren gegen die ungeliebten Nachwuchsteams. Foto: Schulte, westline

Reform der vierten Liga angedacht

Traditionsvereine kämpfen um ihre Zukunft

21. Juni 2010 13:35 Uhr von Carsten Schulte | Quelle: westline

25. Diese Zahl treibt vielen Vereinen den Angstschweiß auf die Stirn. 25 Zweitvertretungen tummeln sich in der neuen Saison in der vierthöchsten Spielklasse. Sie stellen damit fast die Hälfte aller 54 Regionalligisten.

Am schlimmsten trifft es den Westen. Zehn von 18 Mannschaften sind in der kommenden Saison Zweitvertretungen. „Ungeliebt“ ist dabei noch das harmloseste Wort für den Profi-Nachwuchs. Das weiß auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB). „Das Ei des Kolumbus hat noch niemand gefunden“, sagt DFB-Pressechef Harald Spenger. „Gerade im Westen haben wir mittlerweile eine Masse erreicht, die nicht mehr ausgewogen ist.“
 
Viel Spielraum gibt es dabei nicht, denn gewachsenes regionales Bewusstsein steht häufig nüchternen Staffeleinordnungen entgegen. Wormatia Worms zog die Süd-Staffel vor und auch Hessen Kassel wäre nur ungern in den Westen ausgewichen. „Ganz ehrlich: Wir halten die Süd-Staffel auch für etwas leichter - und ein paar Derbies gegen Darmstadt oder Frankfurt II sind ja auch dabei“, sagt Torsten Pfennig, Pressesprecher bei den Hessen.
 
Das Problem der Zweitvertretungen bleibt aber - und wird nun von den übrigen Klubs ernsthaft diskutiert. „Diese Closed-Shop-Mentalität des DFB müssen wir dem Verband jetzt spiegeln“, sagt Carsten Gockel, Vorstandsmitglied beim SC Preußen Münster. Er ist einer von vier Sprechern einer Arbeitsgruppe, in der sich 24 Vereine zusammengetan haben. In Darmstadt wurden im Mai Vorschläge für eine strukturelle Reform der vierten Liga entwickelt. Die werden jetzt dem DFB überreicht. Dessen Boss Theo Zwanziger soll sich der Sache selber annehmen.
 
Einer der Vorschläge sieht zwei Regionalliga-Staffeln ohne Zweitvertretungen und eine dritte Staffel nur für den Profi-Nachwuchs vor. „Das ist natürlich ziemlich kompromisslos“, sagt selbst Torsten Pfennig. Auf dem DFB-Bundestag im Oktober dürfte ein solcher Vorschlag auch keine Mehrheit finden - zu groß ist das Interesse der Profivereine, ihren Nachwuchs im „echten“ Vergleich zu sehen. „In den Junioren-Ligen spielen die Profivereine ja praktisch schon ständig gegeneinander. Die Erfahrung in der vierten Liga ist daher wichtig“, weiß auch Pfennig. „Es geht also nicht nur darum, die Zweitvertretungen vollständig herauszudrängen. Es gibt noch andere Ideen, die wir aber zunächst mit Theo Zwanziger besprechen wollen.“
 
Es liegt auf der Hand, dass zusätzliche Aufstiegsplätze ein Mittel wären, die vierte Liga aufzuwerten. Andere Gedankenspiele kreisen um einen festgelegten Auf- und Abstieg für Zweitvertretungen: Der schlechtplatzierteste Nachwuchs in der 3. Liga wird gegen den bestplatzierten Nachwuchs der Regionalliga ersetzt. So bliebe zumindest die Zahl der Zweitvertretungen in der 3. Liga gleich.
 
"Profitum nicht darstellbar"

Auf welch schmalem Grat die sogenannten „Traditionsvereine“ in der vierten Liga wandeln, zeigt sich in diesem Jahr besonders. Mannheim, Essen, Bonn, Reutlingen oder TB Berlin: Lizenz-Entzüge prägten den Frühsommer. Dass viele Vereine über ihre Verhältnisse wirtschaften, betrachtet der DFB mit Sorge. „Jeder Verein muss sich ehrlich die Frage stellen: Welche Liga ist für mich drin?“, sagt Harald Stenger vom DFB. „Vollprofitum ist in der vierten Liga eigentlich nicht darstellbar.“
 
Solche Aussagen bringen die Vereine allerdings auf die Palme. „Das Gegenteil ist der Fall“, sagt Carsten Gockel vom SC Preußen Münster. „Das Profitum ist doch der einzige Weg raus aus der Liga! Es ist die einzige Chance für die Traditionsvereine.“ Dass es künftig noch schwieriger wird, lässt sich schon an den Fernsehgeldern ablesen. Der ohnehin schon schmale Betrag von rund 90.000 Euro aus der Nationalmannschafts-Umlage wird in anderthalb Jahren auf „null“ gesetzt. Zum Vergleich: Rund 800.000 Euro kassieren die Klubs in der 3. Liga.
 
Der Verlust von selbst dem niedrigen TV-Geld steht in einer Reihe mit den sinkenden Zuschauereinnahmen. Den Westen trifft es hier besonders hart: Zuschauerträchtige Gastspiele von Essen oder Mannheim werden ersetzt durch Arminia Bielefeld II oder Mönchengladbach II.
 
Wie auch immer der DFB im Oktober entscheidet: Es sieht zum ersten Mal so aus, als bekämen die Viertligisten Gehör.


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