Berichte aus der Regionalliga West

Unser Service... Unsere Texte aus der Regionalliga West exklusiv auf Facebook

Serie: Juwelen der Regionalliga
Gerrit Nauber: "Aufstieg? Der Weg ist noch weit..."

Gerrit Nauber. (Foto: Schulte)
Gerrit Nauber. (Foto: Schulte)
Gerrit Nauber. (Foto: Schulte)
2

Lotte – In unserer Serie "Juwelen der Regionalliga" stellen wir ambitionierte Kicker vor. Vom aktuellen Regionalliga-Meister Sportfreunde Lotte spricht hier der Kapitän der Blau-Weißen, Gerrit Nauber, über Aufstieg, DFB-Pokal und seine Ziele. Chris Rohdenburg führte das Interview.

Hallo Gerrit, bei Lotte läuft es zur Zeit super und auch bei Dir persönlich. Drei Tore stehen auf Deinem Konto, das ist als Innenverteidiger eine super Quote. Ist das ein neu entdeckter Offensivdrang?

Ich bin bei Standards mit vorne und wir haben da die ein oder andere Variante. Da ist es zwangsläufig, dass man den Ball auch mal über die Linie drückt *schmunzelt*. Letzte Saison hatte ich ja kein Tor, diese Saison drei und es wäre irgendwie auch schön, wenn noch eins dazukäme.

Mit 1,85 Meter gehörst Du eher zu den mittelgroßen Innenverteidigern. Trotzdem hast Du in Deiner Karriere schon einige Kopfballtore erzielt. Wie setzt Du Dich gegen baumlange Stürmer durch?

Viel läuft da mit Timing. Aber ich würde auch sagen, dass ich eine ziemlich gute Sprungkraft habe. Daher mache ich grade hinten im Kopfballspiel viel weg. Man muss halt sehen, dass man am besten vor den Gegenspieler kommt und sich dann körperlich durchsetzt.

Was gehört sonst noch zu Deinen Stärken?

Ich habe einen ruhigen und gepflegten Spielaufbau. Ich komme nicht nur über den Zweikampf, sondern versuche vieles auch spielerisch zu lösen. Ich habe selbst gern den Ball und spiele mit und bringe dann auch gern Ideen mit ein. Darüber hinaus probiere ich, der Mannschaft mit Kommandos viel zu helfen und versuche, für meine Mitspieler da zu sein. Ich erkenne viele Situationen schon im Vorfeld und kann so dafür sorgen, dass nicht so viel passiert.

Schätz dich mal selber ein: In welchen Bereichen kannst Du Dich noch verbessern?

Das ein oder andere Tor hätte ich schon gern noch mehr auf dem Konto. Da muss ich an meinem Offensivkopfball noch etwas arbeiten, um besser zum Abschluss zu kommen. Ansonsten hängt man natürlich viel auch von den Nebenleuten ab, da ist es schwierig sich als Einzelperson zu sehen. Da gehöre ich ja zu einem Abwehr-Verbund. Und da haben wir in Lotte in den letzten Spielen super gemeinsam gearbeitet und nur sehr wenige Gegentore gefangen.

Du bist im April 24 Jahre alt geworden und nun schon im zweiten Jahr Kapitän bei Lotte. Da hast Du aber früh die Verantwortung bekommen …

Ich war auch schon in meiner Jugendzeit eigentlich durchgängig Kapitän. Auch früher bei der Nationalmannschaft war ich schon ein Jahr Kapitän. Ich bin jemand, der offen und ehrlich seine Meinung sagt, der viel mit den Jungs redet. Und damit sorge ich dafür, dass das Team funktioniert.

Der verpasste Aufstieg gegen Leipzig: Eigentlich toll, dass Ihr nach diesem Tiefschlag so gut zurückgekommen seid und so eine tolle Saison spielt. Lass uns trotzdem nochmal kurz zurückblicken... Kurz vor dem Abpfiff der regulären Spielzeit fällt das 2:0 für Euch. Was ging Dir da durch den Kopf?

Ja, das war ein Moment, in dem wir alle völlig unter Strom waren. In der gefühlt 95. Minute macht Dennis Schmidt das 2:0 (Das für den Sprung in die Verlängerung reichte/die Red.). Das war unglaublich. Alle, die im Kader dabei waren, standen vor dem Treffer schon hinter dem Tor, hatten bereits Tränen in den Augen, weil sie dachten, dass wir raus sind. Aber dann fiel der Treffer und ich habe wohl noch nie so einen großen Jubelhaufen nach einem Tor gesehen. Wir waren wie elektrisiert. Es war pure Freude und ein Glück, das beinahe nicht zu fassen war.

Zu Beginn hatte Dein Abwehrkollege Willers noch das 1:0 erzielt, später in der Verlängerung dann das Eigentor zum 1:2 gemacht. Eigentlich unglaublich, dass Ihr die Partie nach dem vorherigen Kraftakt noch zu Ende bringen konntet …

Nach dem 2:0 waren wir eigentlich in der besseren Position, waren mental oben auf und eigentlich sprach alles für uns. Ab dann ging es im Spiel hin und her, rauf und runter und dann kommt so ein unglückliches Gegentor dazu. Und dann waren wir natürlich niedergeschlagen. Aber selbst dann war noch die Hoffnung auf einen Lucky Punch da, aber letztlich hätten wir dann ja schon wieder zwei Tore machen müssen. Das war nur noch schwer möglich.

Wie groß war die Enttäuschung und wirkt diese bis heute nach?

Ab und zu denkt man schon noch dran, aber es ist nicht so, dass ich dem Ganzen ständig nachtrauere. Wir hatten auch danach eine schöne Zeit in Lotte. Natürlich wäre es umso schöner, wenn es dieses Mal mit dem Aufstieg klappt, aber der Weg ist noch weit.

Kommen wir mal zu positiveren Ereignissen. Zwei Mal ging es für Lotte in den letzten Jahren im Westfalenpokal gegen die Preußen, einmal auswärts, dann zuhause, und zwei Mal konntet Ihr Euch als Underdog durchsetzen. Du hast in beiden Partien gespielt. Hast Du noch Erinnerungen an Euren Sieg im Preußenstadion?

Ja, klar. Damals haben wir verdient gewonnen. Wir haben in der ersten Halbzeit richtig gute Aktionen gehabt, haben super umgeschaltet und dann in der 2. Hälfte auch verdient gewonnen durch das Tor von Weißenfels. Zuhause war es ein Jahr später ähnlich. Da war es natürlich schön, dass gerade Benny Siegert am Ende den Deckel drauf gemacht hat. So ist dann der Fußball.

Der Sieg brachte Euch ins Finale des Westfalenpokals und damit letztlich auch in den DFB-Pokal. Hier wartete ausgerechnet Bayer Leverkusen auf Euch. Du hast in U17, U19 und der damals noch bestehenden, zweiten Mannschaft von Bayer gespielt. War das Aufeinandertreffen aufgrund Deiner Vergangenheit etwas Besonderes für Dich?

Während der Auslosung habe ich aus Spaß noch gesagt, dass es jetzt bestimmt gegen Leverkusen geht. Und dann kam es wirklich so. Ich hab mich natürlich gefreut. Ich kannte noch viele von denen. Mit ein paar von ihnen habe ich mir im Vorfeld geschrieben und wir haben uns am Spieltag selbst dann ausgetauscht, aber ich war andererseits auch schon im vierten Jahr weg. Ich hab also nicht mehr mit ihnen mitgefühlt oder sowas.

Wie ist der DFB-Pokal im Vergleich zur Liga so?

Das Stadion war mal voll. Das war schön. Im Moment können zwar rund 7000 rein, aber es kommen immer nur zwischen 500 und 1000, wenn wir mal Glück haben dann auch mal 1500. Es wäre schon schöner, wenn man noch vor mehr Zuschauern spielt. Das Stadion an sich ist für die Regionalliga ja eigentlich schön, da wäre es doch auch toll, wenn es noch etwas belebter wäre. Wenn wir auswärts zum Beispiel in Aachen oder Oberhausen ran müssen, ist das wegen der vielen Zuschauer etwas Schönes.

Wer war Dein härtester Gegenspieler gegen Bayer?

Ich würde das gar nicht an speziellen Spielern festmachen. Bayer und die großen Mannschaften haben einfach eine ganz andere Qualität im Spiel mit dem Ball und sind taktisch sehr sehr gut drauf. Physisch ist das nochmal etwas anderes und die Ballsicherheit ist ebenfalls herausragend.

Hast Du Dir hinterher ein Trikot geschnappt?

Nein, das wollte ich mir nicht geben. Ich wollte da nicht als Fan rumlaufen. Ich hab zum Beispiel ein paar Jahre mit Kramer gespielt, aber ich bin nicht derjenige, der Trikots von Gegenspielern oder Kameraden sammelt.

Eine erneute Qualifikation für den DFB-Pokal ist ja für Euch möglich durch den neuen Modus. Es nehmen nicht mehr die beiden Finalgegner am DFB-Pokal teil, sondern nur noch der Sieger des Verbandspokals. Dazu kommt jetzt neu dann noch die beste westfälische Mannschaft aus der Regionalliga und der Meister der Oberliga, die um den anderen Platz spielen. Wollt Ihr diese zweite Chance nutzen?

Ja, daher war es wichtig, zum Beispiel vor Wattenscheid zu sein. Das Spiel ist am 05.06, der Termin ist bei uns im Kalender drin. Am besten für den Rhythmus wäre, wir würden in die Aufstiegsspiele kommen, um keine Pause zwischen Saisonende und DFB-Pokal-Qualifikationsmöglichkeit zu haben.

Weiter auf Seite 2

 

 


Lade Forenbeiträge...