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Serie: Juwelen der Regionalliga
Jeron Al-Hazaimeh: Von der Horrordiagnose bis zum Meistertitel in Lotte...

Jeron Al-Hazaimeh - neu bei Preußen Münster. (Foto: Mrugalla)
Jeron Al-Hazaimeh, neu bei Preußen Münster. (Foto: Mrugalla)
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Lotte – Sie spielen (noch) nicht bei den Profis, aber bringen Talent und Engagement mit. Wir stellen in unserer Serie "Juwelen der Regionalliga" die spannenden Kicker unterhalb der ersten drei Ligen vor. Heute: Jeron Al-Hazaimeh, Linksverteidiger bei den Sportfreunden Lotte und gerade Meister mit den Blau-Weißen geworden. Chris Rohdenburg hat mit ihm gesprochen...

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Hallo Jeron, Du hast anscheinend Nerven wie Stahl. Bei sechs Elfmetern durftest Du für Lotte in dieser Saison antreten und hast alle verwandelt. Woher kommt diese spezielle Fähigkeit?

Letzte Saison hat noch ein anderer geschossen. Ich hab also vor der Saison gesagt, dass ich auf jeden Fall zu den ersten Elfern, die wir bekommen, hingehe. Ich wollte gern die Verantwortung übernehmen. Und da haben wir es so gemacht, dass ich so lange schieße, wie ich treffe, und falls ich nicht mehr treffe, kriegt natürlich ein anderer die Chance. Aber bisher läuft das sehr gut.

Neben den Strafstößen hast Du auch noch weitere vier Mal einfach so getroffen, unter anderem per direktem Freistoß – und das als Abwehrspieler. Hört sich ja fast so an, als müsstest Du ja eigentlich weiter vorne spielen? Wer weiß, wie viele Tore Du als Stürmer schon erzielt hättest!? Immerhin habt Ihr nie verloren, wenn Du getroffen hast.

Taktisch gesehen bin ich sicherlich Linksverteidiger, aber dadurch, dass wir im 4-3-3 ein enges Mittelfeld haben, haben die Außenverteidiger die Räume, die sie brauchen, um auch gefährlich nach vorn zu stoßen – auch unsere rechte Seite hat schon drei, vier Tore geschossen. Die drei Tore aus dem Spiel heraus habe ich allerdings tatsächlich gemacht, als ich mal aushilfsweise ganz vorne gespielt habe.

Das Spielsystem kommt Dir also sehr entgegen…

Ja. Auf jeden Fall. Ich bin einer, der mit Tempo kommt. Nicht einer, der vorne drin steht und die Bälle festmacht. Ich komme lieber von hinten heraus und habe das Spielfeld vor mir als umgekehrt.

Von den drei Toren aus dem Spiel heraus, war da eigentlich eins mit dem Kopf dabei? Immerhin bist Du 1,94m…

Nein. Keins mit dem Kopf. Ich bin offensiv nicht der Stärkste beim Kopfball. Dafür ist es defensiv sehr in Ordnung.

Wo liegen Deine Stärken sonst noch?

Ich habe einen guten Antritt, ein gutes Tempo. Meine Übersicht ist auch gut. Auch mein Passspiel und mein Abschluss können sich sehen lassen.

An welchen Stellen kannst Du Dich noch verbessern?

Im Spiel bin ich immer sehr aggressiv. Ich neige manchmal dazu, mit dem Schiedsrichter oder dem Linienrichter zu diskutieren. Das würde ich gern etwas zurückfahren. Das ist mir schon ein wenig gelungen, aber da ist noch Luft nach oben. Ich wäre also gern manchmal etwas ruhiger, um mich auf mein Spiel zu konzentrieren.

Von den sieben gelben Karten, die ich bekommen habe, waren sicherlich drei unnötig. Das mache ich hoffentlich bald noch besser.

Geboren bist Du in Düsseldorf und hast schon relativ früh die Jugendmannschaften der Fortuna durchlaufen. Erzähl mal, wieso es dann für Dich auf einmal in die Ferne nach Chemnitz ging?

Ich bin in der E-Jugend zur Fortuna bekommen und habe – nach den ganzen Jugend-Teams – einen Local-Player-Vertrag bekommen. Ich habe dann auch oben bei den Profis trainiert. In dem Jahr ist Düsseldorf allerdings auch aufgestiegen in die 1. Liga und da haben sie die fünf Jüngsten, unabhängig von der Leistung, in die zweite Mannschaft geschickt. Und ich wollte nach 12 Jahren im Verein dann einfach etwas Neues erleben.
Mein Berater hat dann mitbekommen, dass in Chemnitz ein Innenverteidiger gesucht wurde und nach einem Probe-Training war schnell alles klar.

Wie groß war dieser Schritt für Dich? Viele junge Spieler bleiben ja oft erstmal in der Region…

Mit Anfang 20 und als Mama-Kind ist es in der Fremde schon etwas total anderes. *schmunzelt* Ich habe es aber irgendwie geschafft und bereue diesen Schritt auch keinesfalls. Ich habe ein Jahr alleine gewohnt und dieses Jahr hat mich – könnte man sagen – zum Mann gemacht.

Für anderthalb Jahre 3. Liga hat es gereicht. Allerdings sind es nicht allzu viele Spiele in Chemnitz geworden. Das lag aber weniger an Deiner Leistung als an Deinem Gesundheitszustand. Du hast lange an einer Herzmuskelentzündung laboriert. Beschreib mal diese Zeit …

Ich bin im Winter hingekommen, habe einige Spiele bestritten. Das war für mich schon überragend. Mein Halbjahresvertrag wurde dann um ein Jahr verlängert. Dann ging es zur Sommervorbereitung. Dort wurde ein Laktattest gemacht, bei dem ich noch ganz normal mitwirken konnte, da bin ich richtig an die Grenze gegangen. Aber ich hatte eine Erkältung verschleppt. Das war der Fehler. Am Morgen nach dem Laktattest habe ich noch gar nichts gemerkt, aber beim Aufwärmen habe ich geatmet, als hätte ich zig Sprints hinter mir. Ich habe das dann den Physios gemeldet. Beim Passspiel kurz darauf spürte ich auch ein Stechen in der Brust und wurde dann sofort ins Krankenhaus gebracht. Chemnitz hatte da schon Erfahrung mit einem Spieler ein, zwei Jahre vorher, der einen Herzinfarkt im Training hatte. Im Krankenhaus wurde ich dann komplett durchgecheckt und da wurde dann die Diagnose Herzmuskelentzündung gestellt. Das bedeutete mehrere Monate absolute Ruhe.

Das ist ja eine Horrormeldung für einen Profi…

Ja. Das kann man sagen. Das ist schlimmer als ein Kreuzbandriss. Da kann man ja wenigstens noch den Oberkörper etwas trainieren. Ich habe damals in der 3. Etage gewohnt, da war ich total kaputt, wenn ich oben ankam. Das erste, das ich nach vier Monaten Pause gemacht habe, war Fahrradfahren ohne Widerstand. Das war wirklich ein Anfang bei Null.

Wie hat der Verein darauf reagiert, hat er Dich unterstützt?

Auf jeden Fall. Die haben sich richtig toll gekümmert. Haben mich täglich angerufen, sich um gute Ärzte gekümmert. Die Unterstützung von Vereinsseite war voll da.

Hast Du Angst, dass so etwas nochmal passieren könnte?

Natürlich hat man das im Hinterkopf. Wenn ich krank bin, mit richtiger Erkältung, sage ich dem Verein auch Bescheid, dass ich lieber ein bis zwei Tage auskuriere, statt mit Tabletten zu trainieren oder mich zu verausgaben.

Was hast Du trotzdem sportlich aus Deiner Zeit in Sachsen mitgenommen?

Nach der Krankheit – ich bin ja sieben Monate ausgefallen – habe ich aber zur Rückrunde wieder langsam angefangen und habe dann auch noch ein paar Spiele und ein Pokalspiel gespielt.

Chemnitz sagte dann, dass sie im nächsten Jahr angreifen wollten und mich auf eine Warteliste packen. Und als dann die Vorbereitung startete, war immer noch nicht klar, ob man mich nun nimmt oder nicht. Und da ich am Ende, selbst wenn ich noch genommen worden wäre, nicht zwanzigster Mann sein wollte, habe ich mich für den Schritt eine Liga tiefer entschieden, um neu anzugreifen.

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