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KFC Uerdingen mischt oben mit
Michael Wiesinger: "Wir alle wollen das Maximum erreichen"

Der Trainer des KFC Uerdingen: Michael Wiesinger (Foto: dpa)
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Krefeld – Im Sommer ist der KFC Uerdingen in die Regionalliga West aufgestiegen. Dort steht der Klub nach elf Spieltagen auf dem ersten Platz. Nicht ausgeschlossen, dass der KFC bis zum Ende der Saison um die Meisterschaft mitspielt. Über die sportliche Situation und die langfristigen Ambitionen des Klubs hat Florian Dellbrügge mit Trainer Michael Wiesinger gesprochen.

Eigentlich könnte der KFC Uerdingen mit dem Start in die Saison vollends zurfrieden sein. Als Aufsteiger grüßt das Team von der Tabellenspitze. Doch Trainer Michael Wiesinger hat in seinen Analysen festgestellt - es könnten noch mehr als 20 Punkte sein. Das unterstreicht die neue Ambition des einstmaligen Bundesligisten. Wie die sportliche Lage einzuschätzen ist und wo die Reise in der Zukunft hingehen soll, darüber hat westline-Redakteur Florian Dellbrügge mit dem Trainer gesprochen.

Herr Wiesinger, Sie sind mit 20 Punkten aus elf Spielen gut in die Saison gestartet. Wenn man bedenkt, dass der KFC Uerdingen Aufsteiger ist, dann darf man den Start eigentlich sogar sehr gut nennen. Doch ganz zufrieden haben Sie sich nach den letzten Spielen nicht gezeigt…
Von der Grundsituation sind wir schon zufrieden. Es war nicht abzusehen, dass wir so schnell in die Spur kommen. Wir haben ja viel verändert: Neuer Trainer, viele neue Spieler, neue Liga. Von daher sind wir mit dem bisherigen Ergebnis schon zufrieden.

In der Analyse sind wir aber schon dazugekommen, dass wir zu wenige Punkte haben. Wir haben einfach zu viele Torchancen liegen lassen und uns für unseren Aufwand zu selten belohnt. Dennoch haben wir uns in der Liga zunächst einmal vorne festgearbeitet. Es ist eine Zufriedenheit da, aber wir wissen halt alle, dass da noch mehr geht.

Das ist ein schönes Stichwort. Als Sie in Krefeld angetreten sind, haben Sie gesagt es sei das Projekt, in den nächsten Jahren oben anzuklopfen. Natürlich sprechen wir von einer Momentaufnahme, aber die nächsten Jahre könnten schneller kommen als angenommen. Wie schnell sollte es denn hochgehen. Das ist in der Regionalliga ja nicht ganz einfach…
Naja, man kann es sich ja denken. Wir gehen offen damit um. Wir haben einen Investor, der mit dem Klub die nächsten Schritte gehen will. Also am besten so schnell wie möglich. Aber man muss dazu sagen, wir haben mit Mikhail Ponomarev jemanden mit Weitsicht.

Er weiß wie schwer es ist, sich aus der Regionalliga heraus zu kämpfen und dass es sicherlich kein Selbstläufer wird. Das geht nur über harte Arbeit. Und das wichtig. Das wird bei uns immer ein bisschen unterschätzt.

In wie fern?
Es ist doch unlogisch, dass ein Klub wie der KFC Uerdingen mit einem Mann wie Mikhail Ponomarev sich hinstellt und sagt: Wir wollen jetzt erst einmal gucken was passiert. Das passt ja nicht. Wir können kein Zeitfenster nennen, aber wir wollen uns in dieser Liga so schnell es geht stabilisieren und wenn sich die Gelegenheit bietet auch aus dieser Liga raus. Aber wir wissen eben auch, dass es hier kein Wunschkonzert ist und die Sache verdammt schwierig ist.

Da sind Sie mit der SV Elversberg (Wiesinger verpasste zwei Mal den Aufstieg in die 3. Liga) ja auch ein bisschen leiderprobt. Der Meister der Regionalliga steigt nicht direkt auf. Da gibt es zum Beispiel aus Essen sehr kritische Stimmen zu. Wie ist denn ihre Meinung?
Es ist falsch und mit meinen Augen ist es ein Fehler, dass so zu organisieren. Da muss man dringend was ändern. Wie man das macht, indem man die Regionalliga reformiert oder mehrere Vereine auf- und absteigen lässt, dass weiß ich nicht.

Aber im Sport sollte es nun einmal so sein, dass derjenige, der über die Saison die beste und konstanteste Leistung gezeigt hat, auch dafür belohnt wird. Der FC Bayern sagt immer, die Meisterschaft ist der ehrlichste Titel. Und dann scheitert ein Regionalligist, der über die Saison hinweg gute Leistungen gezeigt hat, an zwei Mal 90 Minuten. Da muss etwas getan werden.

Kommen wir noch einmal zu Ihren Ambitionen. Der KFC-Kader verfügt über Spieler mit höherklassiger Erfahrung und Sie sagen ja selber, dass es irgendwann einmal hochgehen soll. Jetzt gibt es vor der Saison immer Experten, welche die Lage einschätzen. Achim Weber nannte den KFC vor der Saison „eine Totgeburt“. Haben Sie darüber mal mit ihm gesprochen?
Ich habe ihn auf einer Feier getroffen und das Thema natürlich auch mal angeschnitten. Weil es mich auch interessiert, wie man zu so einer Einschätzung kommt. Es gibt Experten und die sind dazu da, um für die Medien ihre Meinung kund zu tun. Das muss jeder selber wissen. Es ist mir aber auch wichtig, dass man bei uns ein bisschen dahinter blickt. Das was Mikhail Ponomarev hier erreichen will, das hat Hand und Fuß. Und man muss auch wissen, mit welcher Nachhaltigkeit und Weitsicht hier an die Sache herangegangen wird.

Er stellt sich ja nicht hier hin und sagt ich möchte in einem Jahr in der Liga sein und im nächsten am besten schon wieder in der nächsthöheren Liga ankommen. Er hat einen Plan im Kopf und den möchte er gerne umsetzen.

Er versucht hier Professionalität reinzubringen und nimmt Leute dazu, die das auch umsetzen. Darum geht es bei uns. Um nicht mehr und nicht weniger. Und da ist eine oberflächliche Betrachtung immer schwierig. Ich finde es dann spannend, wenn die Leute auch mal unsere Sichtweise dazu hören. Dann werden sie vielleicht einige Sachen überdenken und nicht ganz so schnell zu so einer Aussage kommen.

Wo wir bei der Weitsicht sind. Herr Ponomarev treibt die Ausgliederung der 1. Mannschaft voran. Wie das viele andere Vereine auch schon gemacht haben oder für die kommenden Monate und Jahre planen. Ist es Ihnen als Trainer wichtig, über solche Dinge Bescheid zu wissen, oder ist das bei der Arbeit erst einmal egal?
Es ist schon wichtig zu wissen. Ich entscheide mich für so einen Weg, wieder vierte Liga, weil ich natürlich auch weiß, dass da eine gewisse Finanzkraft hinter steckt. Damit kannst du Ziele natürlich leichter erreichen. Das ist auch klar. Bei uns muss man dann auch sehen, und dass hat Mikhail Ponomarev auf der Versammlung wo das vorgestellt wurde gut erklärt, dass viele Vereine die Ausgliederung machen, um sich einem Investor zu öffnen.

Bei uns ist der Weg eigentlich umgekehrt, der Investor ist schon da. Und der treibt die Pläne voran. Die Voraussetzungen was das angeht sind beim KFC schon sehr gut. Ich glaube bei den Mitgliedern kam es schon so an, dass da jemand am Werk ist, mit dem man die Ziele erreichen kann. Wir wollen alle das Maximum erreichen. Das ist auch das, was mich bei den Treffen mit Uerdingen sofort angefixt hat. Hier gibt es einen Weg nach oben.

Zwei Fragen bleiben mir noch. Das Maximum am Wochenende sind jetzt erst einmal drei Punkte. Es geht im Topspiel nach Oberhausen. Ihre Erwartungen an das Spiel?
Oberhausen macht in den letzten Wochen einen guten Job. Sie verteidigen gut zusammen, nutzen ihre Chancen. Ich habe das Spiel gegen Dortmund gesehen. Da verteidigen sie über 90 Minuten gut und spielen die Angriffe gut zu Ende. Da machst du in der Regionalliga deine Hausaufgaben und so holst du auch deine Punkte.

Das ist ein schwer zu bespielender Gegner. Aber das sind wir auch. Wir haben eine Strecke an Spielen die wir nicht verloren haben. Ich glaube, die haben auch Respekt vor uns. Wir fahren auf jeden Fall dahin, um etwas mitzunehmen. Wenn es am Ende nach harter Arbeit ein Punkt ist, dann ist ok. Aber wenn es gut für uns läuft, dann gewinnen wir auch da.

Das wird sicher ein schönes Spiel! Am Ende noch ihre Einschätzung. Sie sind noch recht neu im Westen, haben als Spieler nie in einem der Vereine hier gespielt und arbeiten auch als Trainer jetzt das erste Mal hier. Wie haben sie die West-Staffel bisher kennengelernt? Es gibt viele Experten die meinen, die Regionalliga West sei die stärkste der Regionalligen…
Jeder hat da so seine Wahrnehmung. Beweisen kann man es nicht, sonst müsste man die Teams alle gegeneinander antreten lassen. Ich glaube, dass die Spitzenteams in allen Ligen sehr stark sind. 1860 München könnte hier eine super Rolle spielen. Elversberg, Saarbrücken oder Mannheim oder Offenbach genauso. Aber auch umgekehrt die West-Teams in den anderen Ligen. Was mir hier auffällt ist, dass es sehr intensiv ist. In jedem Spiel habe ich eine hohe Laufbereitschaft gesehen. Die Mannschaften sind in der Regel gut organisiert.

Das ist schon ein bisschen ein Unterschied zu der Südwest-Staffel in der ich vorher tätig war. Da war das in der Breite meiner Meinung nach nicht so. Das ist aber auch der einzige Unterschied. Die Intensität hier ist höher. Das heißt aber nicht das eine Liga besser oder schlechter ist, sondern nur, dass die Herangehensweise eine andere ist. Ich habe hier eine andere Mentalität gesehen. Gute Jungs, gut ausgebildet und auch gegen den Ball sehr akribisch. Auch mit vielen sehr akribischen Trainern. Das ist nach einem Viertel der Saison meine erste Einschätzung.

 


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