Berichte aus der Regionalliga West

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westline auf Hausbesuch
Pyro, Flutlicht, Fußball pur - ein Abend im Wersestadion Ahlen

Es brennt im Essener Block. (Foto: Schulte)
Das Wersestadion - Zweitliga-Fußball wird hier derzeit nicht mehr gespielt. (Foto: Schulte)
Die Ahlener Fans... (Foto: Schulte)
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Ahlen – Irgendwie hat RW Ahlen in den vergangenen Jahren einiges im Zeitraffer erlebt. Rasanter Aufstieg, 2. Bundesliga. Abstieg, Umbenennung, Insolvenz, Bangen um die eigene Existenz, Prozesse und Ärger - und endlich ist der Klub wieder in der Regionalliga. Das Spiel Ahlen gegen RW Essen haben wir für einen "Hausbesuch" genutzt. Wie geht's dem Klub so? Hier die Geschichte...

Es ist ein Freitagabend - und was für einer. Die Abendsonne beleuchtet das Wersestadion in Ahlen. In knapp anderthalb Stunden wollen hier RW Ahlen und RW Essen gegeneinander spielen. Fußballfans wissen: Das ist eine besondere Zeit, diese Stunden und Minuten vor Anpfiff. Alles ist Hoffnung, Vorfreude, bange Erwartung. Das Stadion noch fast leer, alles ruhig - aber alle wissen: Gleich wird es aufregend. Ein Fußballabend in Ahlen kann das, allem Gespött zum Trotze.

Was haben die Rot-Weißen nicht alles mitgemacht! Andere Klubs haben sich ihre Geschichte über Jahrzehnte erarbeitet, aber in Ahlen ging vieles im Zeitraffer. Anfang der 90er-Jahre kickte der Klub noch in der Bezirksliga. Nun ja, genaugenommen seine Vorgänger. Vereine wie TuS Ahlen.

Als der legendäre Unternehmer Helmut Spikker in Ahlen das Zepter übernahm, begann der Aufschwung des Vereins. Mit all den Geschichten, über die Fans herzlich streiten. Zwei Ahlener Klubs fusionierten, wurden in LR Ahlen umbenannt - Logo und Klubnahme dem Unternehmen des Sponsors nachempfunden. RB Leipzig in Westfalen, schon viele Jahre zuvor.

Ahlens Geschichte nahm Fahrt auf, in Lichtgeschwindigkeit. Die Regionalliga war nur eine Durchgangsstation, im Frühjahr 2000 stieg LR in die 2. Bundesliga auf. Sechs Jahre im Unterhaus folgten - einmal sicherte sich Ahlen am letzten Spieltag den Klassenerhalt. Bei 1860 München.

Dann brach alles zusammen. Spikker zog sich zurück, das Ende des Unternehmens LR International war auch das Ende des Fußballprojekts LR Ahlen.

Der Klub stieg ab, nahm einen letzten Anlauf, spielte noch zwei Jahre in der 2. Liga, dann war alles vorbei. Runter in die 3. Liga, Insolvenzverfahren, runter in die fünftklassige NRW-Liga. Der Klub zog einen Schlussstrich, aus LR wurde Rot Weiß Ahlen. Das ist er heute. Finanziell klamm, Spitz auf Kante genäht.

Die Zeiten, in denen über 10.000 Fans in rot-weiß das Wersestadion füllten, liegen ein paar Jahre zurück. Vieles im Stadion erinnert an die jüngere Vergangenheit, die nicht so lang zurückliegt, aber seltsam fremd wirkt. Längst hat die Realität die Vergangenheit überlagert.

Draußen am Vereinsheim blättert der Putz von der Fassade, drinnen im Stadion hat der Vereins-Schriftzug auch schon bessere Tage gesehen. Verblasst hängt er oben über den Sitzschalen, das ist äußeres Zeichen des Wandels.

3.000 gegen Essen

Heute, an diesem Freitagabend, sind über 3.000 Fans im Stadion. Da wird es laut an der August-Kirchner-Straße. Was natürlich auch an den Gästen, den anderen Rot-Weißen aus Essen liegt. RWE mag ganz eigene Probleme mitbringen, aber der Essener Traditionsklub hat noch immer einen großen Namen und sein Anhang ist treu - wenngleich nicht mehr ganz so langmütig wie einst. Sie haben ja auch einiges durchgemacht. Schicksalsgenossen sind sie irgendwie, Ahlen und Essen.

3.000 Zuschauer sind nicht mehr die Regel. Okay, gegen Oberhausen oder BVB II kommen schon mal 2.500 ins Wersestadion - aber auch da stellen Gästefans immer einen nicht geringen Anteil.

Gegen Gegner wie Düsseldorf II oder Gladbach II sind auch mal weniger als 800 Fans dabei. Die Regionalliga West ist launisch, sie hält namhafte Traditionsvereine bereit - aber auch U23-Teams oder Klubs, für die vierte Liga schon das Ende der Fahnenstange bedeutet.

 

 

Ohnehin ist alles endlich. Trainer Marco Antwerpen geht in seine letzten Wochen in Ahlen. Im Sommer hört er bei den Rot-Weißen auf. Es sei an der Zeit, etwas Neues zu tun, sagt er. Noch das Spiel gegen RWE, acht Partien insgesamt, dann ist seine Zeit bei RWA abgelaufen. Bis dahin fühlt er jeden Zweikampf an der Seitenlinie mit.

Im März hat er seinen Fußball-Lehrer in Köln gebaut (übrigens neben Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann) und nun soll der nächste Schritt her.

 

 


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