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Andreas Golombek: „Der SC Verl hat mehr Zuschauer verdient!“

Verl-Trainer Andreas Golombek. (Foto: Schulte)

Verl – Der 48-jährige Andreas Golombek ist seit Juli 2013 Cheftrainer des SC Verl. Abstiegskampf gab es trotz widriger Umstände in seiner Amtszeit bei den Ostwestfalen noch nie. Geht es nach ihm, soll sich das im Jahr 2017 nicht ändern. Jan Ahlers hat mit ihm über seinen Verein, aber auch seine persönliche Zukunftsplanung gesprochen.

Hallo, Herr Golombek. Das Jahr 2017 hat für Sie als Fußballtrainer bereits begonnen – allerdings nicht mit dem obligatorischen Mannschaftstraining beim SC Verl…

Das stimmt. Aktuell absolviere ich ein Praktikum bei Arminia Bielefeld – Pflichtprogramm im Rahmen meiner Fußballlehrer-Ausbildung. Wenn der DSC am Mittwoch (das Interview wurde am Montag aufgezeichnet) ins Trainingslager nach Spanien fliegt, werde ich mit dem SC Verl die Vorbereitung aufnehmen.

Das klingt nach einem Wunsch-Praktikum – und dazu noch ganz in der Nähe.

Etwas Glück und die nötigen Kontakte gehören auch dazu. Ich kenne Kollegen, die ihr Praktikum in Süddeutschland absolvieren und dementsprechend weite Strecken zurücklegen müssen. Bielefeld liegt für mich als Borgholzhausener quasi um die Ecke.

Am 11. Januar sind dann exakt 39 Tage seit dem letzten Pflichtspiel des SCV vergangen – eine 1:7-Klatsche bei Rot-Weiß Oberhausen.

Dort hatten wir tatsächlich aus dem letzten Loch gepfiffen. Zahlreiche kranke und verletzte Akteure fehlten, ich musste nochmals umstellen und hatte zahlreiche junge Kicker aufgestellt. An so einem Tag kam dann wohl alles zusammen.

Nicht jeder Regionalligist besitzt im Januar optimale Trainingsbedingungen. Wie sieht die Situation in Ostwestfalen aus?

Wir haben die Möglichkeit, in die Tönnies-Arena in Rheda ausweichen zu können, wenn die Witterung kein Training auf unseren eigenen Plätzen zulassen sollte. Überhaupt sollten wir nie zu hohe Ansprüche stellen…

Wie meinen Sie das?

Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Wir sind nur der SC Verl, haben einen der kleinsten Etats in der ganzen Regionalliga. Wir arbeiten gegen Windmühlen, wenn uns in jedem Jahr die besten Spieler verlassen und wir neue Akteure ausbilden dürfen, die wiederum ebenfalls nach einigen Spielzeiten vom nächstbesten zahlungskräftigeren Klub geholt werden. Das ist ermüdend und frustrierend.

Hat das auch Auswirkungen auf Ihre persönliche Zukunft?

Im Februar oder März möchte ich den Fußballlehrer-Schein in der Tasche haben. Ich möchte dann den Weg nach oben suchen und bin mir sicher, dass der SC Verl das auch verstehen würde. Schlecht war die Arbeit sicherlich nicht, die ich hier geleistet habe.

Das klingt sehr nach einer Trennung im kommenden Sommer, wenn auch Ihr Vertrag ausläuft…

Ich war nun rund 25 Jahre fast durchgängig im bezahlten Fußball und möchte dem Geschäft weiterhin treu bleiben. Heutzutage ist natürlich kaum planbar, wann und wo eine Stelle frei wird. Ganz plötzlich können sich Chancen ergeben.

Sie wissen als möglicher "Betroffener" erst recht, wovon Sie sprechen. Werden Fußballtrainer heutzutage zu früh entlassen?

Über dieses Thema sprechen wir auch viel auf den Lehrgängen für die Fußballlehrer-Lizenz. Es ist für Vereine mittlerweile immer am Einfachsten, den Trainer zu entlassen. Die Vereine stehen unter großem Druck, müssen rasche, nicht richtige Entscheidungen treffen. Und welcher Klub kann es sich leisten, mal eben sechs bis sieben Spieler freizustellen, die keine Leistung bringen? Der Coach bleibt das schwächste Glied und darf sich nichts erlauben.

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