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Satzungsänderung
Ausgliederung beim SC Paderborn: Erst entscheiden, dann diskutieren

(Foto: Schulte)

Paderborn – In den westfälischen Klubs verändert sich die Zeit. Der VfL Bochum wird sein Profiteam ausgliedern, in Münster wird am Sonntag entschieden - und beim SC Paderborn führt man jetzt die gleiche Debatte. Dort allerdings mit einer ungewöhnlichen Reihenfolge...

Die Ausgliederung des Profibereichs ist sozusagen der "latest shit" im Fußball. Mittlerweile wird der eingetragene Verein fast zur Ausnahme, stattdessen tragen die Klubs nun Namen wie AG oder GmbH oder GmbH & Co KGaA... oder wie auch immer. Verhandelt wird in aller Regel mit bekannten Argumenten. Der eingetragene Vereine sei keine zeitgemäße Form mehr für ein millionenschweres Business. Moderne Strukturen seien notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das ist ein weites Feld.

Auch beim SC Paderborn geht man nun diesen Schritt weg vom Verein. Das ist zumindest das erklärte Ziel des Klubs, der dieses Thema schon seit Jahren mit sich herumträgt. Denn eine Ausgliederung in der Paderstadt? Das ist seit mindestens 2013 als Fernziel bekannt, aber erst jetzt - am 15. Januar 2018 - bekommt die Debatte eine Kontur. Und warum erst jetzt? Der Klub nennt auf westline-Anfrage eine "sportliche Durststrecke" als Grund für eine längere Pause. Eine höfliche Umschreibung für den gerade noch so vermiedenen "Triple-Rekord-Abstieg". Jetzt aber, nach einem "Turnaround in der laufenden Saison" sei der passende Zeitpunkt gekommen, das Thema "intensiv mit allen Beteiligten zu diskutieren und anzugehen".

Im März 2017 war das Thema wieder aktuell geworden - damals hatte Präsident Wilfried Finke in schwieriger finanzieller Lage die Notwendigkeit beschrieben, den Klub in anderen Strukturen besser aufzustellen. Jetzt, Monate später, steht der Klub sowohl sportlich wie wirtschaftlich deutlich besser da. Und jetzt soll also alles seinen Anfang nehmen.

Ungewöhnlicher Weg

Das Spannende daran: Der SC Paderborn wählt einen eher ungewöhnlichen Weg. Denn offiziell will der Klub erst auf der Mitgliederversammlung am 15. Januar den "Startschuss zum breiten Dialog" geben, wie es beim SCP heißt. Der Clou dabei: Mit dem Startschuss will Paderborn zugleich Nägel mit Köpfen machen. Denn im Rahmen der Mitgliederversammlung müssen die Mitglieder (aktuell 5.354) sofort über eine Satzungsänderung entscheiden.

Die neue Satzung enthält alle notwendigen Pflichteinträge, damit das Präsidium eine Ausgliederung angehen kann. Die "Debatte" soll also umgehend mit einem "Ja" verbunden werden. Auf diese Art hat bisher wohl kein anderer Verein einen Ausgliederungsprozess begonnen. Der Klarheit halber: Mit der Satzungsänderung geschieht nichts sofort oder gar automatisch. Die Satzungsänderung führt auch nicht zwingend zu einer Ausgliederung. Sie ist allerdings formale Bedingung, um den Prozess zu einem späteren Zeitpunkt abzuschließen - und damit schon ein wichtiger Meilenstein.

Interessanterweise ist bisher von einer echten Diskussion nichts zu spüren. Liegt es daran, dass der SC Paderborn nach langen Jahren im Abstiegskampf plötzlich erfolgreich ist? Alles deutet auf einen Zweitliga-Aufstieg hin, im DFB-Pokal winken Millionen-Einnahmen. Ein bisschen Bayern-Glanz legt sich über die Arena - auch wenn viele Fans sich lieber einen zumindest eher schlagbaren Gegner gewünscht hätten. Dennoch: Weder drängen finanzielle Probleme den Klub zur Ausgliederung noch zwingt der DFB den Klub zu irgendetwas. Der SC Paderborn will die Sache einfach selbst angehen, ohne Druck. Und ohne "Zwangssituation" vielleicht auch kein emotionales Drama? Das würde erklären, warum noch keine hör- oder sichtbare Gegenöffentlichkeit entstanden ist.

Vorbehalte abbauen

Fragt man den SC Paderborn, welche Diskussion man dort erwartet, verweist der Verein auf seinen "breit angelegten Dialog". Man werde versuchen, alle Fragen zu beantworten und "mögliche Vorbehalte abzubauen".

Die Vorbehalte dürften dort wie überall anders ausfallen: Der emotionale Ausverkauf der Klubseele an "Anteilseigner". Die Aufgabe der heiligen Kuh "e.V.". Die Furcht vor der zunehmenden Kommerzialisierung, vor übergriffigen Investoren, vor einem Kontrollverlust. Man könnte ein Merkblatt verfassen, das seine Gültigkeit für jeden Klub hätte. Denn obschon jeder Klub sich auf seine ganz eigenen Strukturen, Befindlichkeiten und Umfelder beruft - am Ende sind es die immergleichen Argumente auf beiden Seiten. Wie jüngst der VfL Bochum und aktuell auch Liga-Konkurrent Preußen Münster formuliert der SC Paderborn die "Chance, den SC Paderborn mittel- und langfristig auf eine gesunde und zukunftsorientierte wirtschaftliche Basis zu stellen." Das ist im Grunde aber nur der übliche Werbesprech, der in jeder Ausgliederungs-Debatte in Deutschland die Grundlage bildet. Nicht zu bestreiten, aber inhaltlich auch wenig ergiebig.

Es ist über konkrete Pläne der Vereinsführung derzeit auch nichts weiter zu erfahren. Weder will der Klub zum aktuellen Zeitpunkt über mögliche Investoren Auskunft geben noch will er die künftige Gesellschaftsstruktur preisgeben. Und auch über den Zeitplan zur Ausgliederung schweigt der SC Paderborn noch. Ganz allgemein, dafür aber bildgewaltig, teilt der Klub mit: "Der weitere Verlauf hängt von zahlreichen Faktoren ab. Mit der Satzungsänderung schaffen wir die Karosserie der Ausgliederung. Wann Motor, Räder, Interieur, aber auch Benzin und der Fahrer mit der notwendigen Fahrerlaubnis dazu kommen, ist aktuell nicht absehbar. Hier kommt es wiederum auf das Zusammenspiel aller Beteiligten an, die an dem Gesamtwerk arbeiten."

Zuletzt hatte Paderborns Kommunikationschef Matthias Hack dem Blog schwarzundblau.com ein Kurzinterview gegeben und darin betont, man werde die Interessen der Mitglieder auch nach einer Ausgliederung wahren - durch eine entsprechende Besetzung der künftigen Gremien. Details dazu? Teilte der SC Paderborn auf westline-Anfrage nicht mit. Im Kurzinterview mit schwarzundblau.com sei "zum jetzigen Zeitpunkt alles gesagt". Auch dies dürfte wohl dem Wunsch entsprungen sein, die Debatte erst auf der Mitgliederversammlung in Gang zu bringen.

Gerade in diesem Zusammenhang ist aber der Weg doch überraschend, den Paderborn eingeschlagen hat. Die Mitglieder sollen die Rahmenbedingungen schaffen, ohne das künftige Gebilde überhaupt zu kennen. Und dann eine Entscheidung treffen, die dem Klub alle Instrumente bereits in die Hand gibt. Wie die Diskussion am kommenden Montag verläuft, dürfte aufschlussreich sein.

Artikel 2

Für die Satzungsänderung müssen zwei Drittel der anwesenden Mitglieder mit "Ja" stimmen. Der entscheidende Passus steht im (neuen) Artikel 2: "Der Verein ist berechtigt, unter Beachtung der Richtlinien, Ordnungen und Satzungen des Deutschen Fußball-Bundes e.V. (DFB) und des DFL Deutsche Fußball Liga e.V. (Ligaverband) auf eine vom Verein errichtete Kapitalgesellschaft auszugliedern, insbesondere auf eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Er nimmt im Falle der Ausgliederung seine Rechte als Gesellschafter der Kapitalgesellschaft und im Falle der Gründung einer KGaA auch einer vom Verein errichteten GmbH als persönlich haftender Gesellschafter der KGaA (im Folgenden „KGaA“ bzw. „GmbH“) nach den Bestimmungen dieser Satzung wahr."

Dies ist die "Erlaubnis" für die Verantwortlichen, die Ausgliederung konkret anzustoßen und umzusetzen. Am Ende müssen dann natürlich die Mitglieder die Ausgliederung auch formal beschließen. Dafür sind dann 75 Prozent "Ja"-Stimmen verpflichtend vorgeschrieben.

Beim westfälischen Nachbarn Preußen Münster (wie auch in Bochum) wurde die Debatte zunächst geführt - Satzungsänderung und Ausgliederungs-Beschluss  stehen erst jetzt zum Ende der Diskussion an. Übrigens nur einen Tag vor der Paderborner Mitgliederversammlung, am 14. Januar nämlich. Was also in Münster am Sonntag diskutiert (und beschlossen) wird, dürfte auch Paderborner Anhänger und Verantwortliche interessieren.

Und, ach ja: Stimmen die Mitglieder am Montag der Satzungsänderung nicht zu, kann der SC Paderborn seine Ausgliederungspläne für den Moment begraben.

 
 

 

Nächstes Spiel

3. Liga, 21. Spieltag
Chemnitzer FC - SC Paderborn
Samstag, 20. Januar, 14.00 Uhr

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