
Sicherheits-Diskussion
Kein Pardon für Münsters Hooligans
19. Juli 2011 05:26 Uhr von Dirk Anger | Quelle: Westfälische Nachrichten
Es ist die Schattenseite einer sportlich erfolgreichen Saison: Ihren negativen Höhepunkt fand sie Ende Mai auf einem Kölner Vorort-Bahnhof. 100 zum Teil vermummte und bewaffnete Anhänger des Regionalliga-Meisters SC Preußen prügelten sich dort mit einer 30-köpfigen Hooligan-Gruppe aus Köln.
Beide Seiten hatten sich offenbar gezielt in Mülheim verabredet - zum brutalen Schlagabtausch. Ein trauriges Ende - und noch viel Arbeit für die Polizeinach Saisonschluss. Vor allem wirft dieser Vorfall aber ein Schlaglicht auf das, was szenekundige Beamte in der am Wochenende beginnenden Drittliga-Saison an Aktivitäten neben dem Rasen erwarten.
„Wir haben eine Menge vor der Brust“, drückt sich Wilfried Kramer, Leiter des Bezirks- und Schwerpunktdienstes bei der Polizei in Münster, noch fast vorsichtig aus. Doch angesichts der brisanten sportlichen Duelle gegen Bielefeld und Osnabrück sowie der „reisefreudigen Fans“ aus dem Osten der Republik stellen sich Kramer und Kollegen schon jetzt auf viel Arbeit ein.
Dabei verfolgt die Polizei in Münster nach eigener Darstellung ein klares Konzept. Das gilt übrigens im ganzen Land, heißt es. In der Kurzfassung: „Wer randaliert, erreicht den Spielort nicht“, sagt Kramer. Doch damit hat sich die NRW-Initiative für mehr Sicherheit bei Fußballspielen nicht erschöpft: „Wir suchen die Kommunikation mit den Fans, die erreichbar sind“, erläutert Kramer die Strategie in Münster und an anderen Spielorten. Damit sollen Rowdys und Chaoten isoliert werden. „Wir haben eine klare Linie gegen gewaltbereite Fans.“
Dunstkreis von "rund 100" gewaltbereiten Anhängern
Die Fan-Szene beim SC Preußen habe mancher Erst- oder Zweitligist nicht, so Kramer. Einen Kreis von rund 100 zu Gewalt neigenden Anhängern soll es im Dunstkreis des SC Preußen geben - insbesondere rund um die Ultra-Fangruppe „Curva Monasteria“. Diese hat sich inzwischen zwar laut Ankündigung im Internet aufgelöst. Wo sich deren Mitglieder künftig aber wiederfinden, scheint noch ungewiss.
Auf Polizeiseite befassen sich fünf szenekundige Beamte, davon vier im Nebenamt, ganz gezielt mit den angeblichen Fußball-Anhängern, die auf Randale aus sind. Die Beamten werden wohl künftig auch verstärkt bei Auswärtsspielen des SC Preußen Münster mit von der Partie sein. „Wir stellen uns auf ein großes Reisekontingent ein“, so Kramer. Schon in der abgelaufenen Saison hat die Polizei versucht, mit Meldeauflagen und Betretungsverboten etwa im Stadion-Bereich oder am Bahnhof einschlägig bekannten Randalierern einen Riegel vorzuschieben.
Bis zu zehn Stadionverbote
Bis zu zehn Hardcore-Fans müssen mit solchen einschneidenden Maßnahmen auch in der kommenden Spielzeit rechnen. Wer etwa ein bundesweites Stadionverbot hat, müsse sich dann beispielsweise am Spieltag mehrmals persönlich bei der Polizei melden, so Kramer. Die Fahrt zum Auswärtsspiel fällt für denjenigen damit flach. „Wie engmaschig wir arbeiten, ist eine Sache des Einzelfalls.“ Die Maßnahmen hätten sich jedenfalls schon bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland bewährt. Ansonsten tauschen sich die Münsteraner vor den Spielen mit der Polizei aus der Stadt des jeweiligen Gegners aus. „Das läuft sehr rege“, betont Kramer.
Absprachen werden auch mit der Bundespolizei getroffen, die auf den Zugfahrten Präsenz zeigt. Aber all das garantiert keine hundertprozentige Sicherheit. Wie das Beispiel in Köln zeigt: Dort ließen die Beamten die bis dato angeblich unauffälligen Preußen-Fans ab Hauptbahnhof alleine weiterfahren. Wenige Minuten später entpuppten sich diese als Wolf im Schafspelz - mit den bekannten Folgen und einigen Strafanzeigen wegen Landesfriedensbruch.
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