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Von wegen Millionen-Investition
Das monströse Missverständnis ums Preußenstadion

Walther Seinsch hatte große Pläne. Aber sie waren "unrealistisch", wie er leider erst jetzt sagte. (Foto: Schulte)

Münster – Dass Träume Schäume sind, hat am Montagabend der Verein SC Preußen Münster ziemlich ernüchtert zur Kenntnis nehmen müssen. Hochfliegende Stadionträume waren schon vor Beginn eines Info-Abends gegessen, am Ende gab es nur lange Mienen und viele, viele Fragezeichen.

Der Liveticker zum Nachlesen

Im Grunde hätte die Veranstaltung im Preußenstadion schon vor ihrem Beginn abgesagt werden müssen. Nicht erst am Montagabend, nein: Tage, Wochen vorher. Denn was der vermeintliche Investor Walther Seinsch westline noch vor eben dem Beginn erzählte, war nichts weniger als das Scheitern eines Projekts, das doch offiziell erst danach hätte vorgestellt werden sollen. Und das wussten die wichtigsten Beteiligten schon lange vor dem Abend.

Ein Mega-Missverständnis, eine peinliche Panne, sogar eine Provinzposse, die Münsters wahrlich nicht kleiner Geschichte an Possen ein neues Kapitel hinzufügte.

Denn während die zahlreichen Besucher und geladenen Gäste am Montagabend voller Erwartungen das Preußenstadion betraten, wusste Gastgeber Walther Seinsch schon lange, dass es gar nicht um das Stadion gehen würde. Auch der Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) wusste das, denn er hatte genau das Seinsch deutlich gesagt.

Nur hatten alle Beteiligten wohl vergessen, diese winzige kleine Nachricht auch der Öffentlichkeit mitzuteilen. Und so durfte die große Mehrheit der Besucher einen DFB-Imagefilm über "Unsere Amateure" betrachten, sich eine ausführliche Begrüßung durch den Fußballkreis-Vorsitzenden Norbert Reisener anhören - während im Hintergrund noch die Stadionvision auf der Leinwand zu sehen war. Und immer war die Rede von den "Stadion-Visionen für Münster". Visionen, ja, das kann man sagen.

Was sollte das?

"Vielleicht habe ich selber dazu beigetragen", gab Walther Seinsch dann am Ende einer fast zweistündigen und sinnlosen Veranstaltung zu Protokoll. "Ich hätte das nicht so öffentlich machen sollen. Aber ich bin wohl nicht so erfahren in diesen Dingen." Na, das ist aber eine freundliche Untertreibung. "Unrealistisch" sei die Idee gewesen, das habe er verstanden und das "respektiere" er auch, so Seinsch. Nett.

Das Schlimme an der Sache: Seinsch und mit ihm zugleich auch der einladende Fußballkreis hatten am Ende sogar das eigentlich wichtige Stiftungsthema in den Hintergrund rücken lassen. Aber dazu gleich mehr.

Was ist denn los mit dem Stadion?

Die Idee, mit der Walther Seinsch vor vielen Monaten an die Stadt und ihren Oberbürgermeister herantrat, klang verlockend. Seinsch und seine neu zu gründende Stiftung würden 20 Millionen Euro bereitstellen. Die Stadt müsse die gleiche Summe beisteuern. Und weitere zehn Millionen Euro würden von weiteren Geldgebern kommen. Dann hätte man etwa 50 Millionen Euro zur Verfügung, würde damit ein Stadion bauen und von den Mietzahlungen des Vereins benachteiligte Kinder fördern. Eine Investition in ein Stadion würde dabei einfach mehr Zinsen (und damit mehr Geld für den Stiftungszweck) geben als eine Investition am Kapitalmarkt, so simpel war der Zusammenhang.

Eine im Grunde charmante Idee - aber leider der Beginn einer wahrhaft babylonischen Verwirrung. Denn dass die Stadt "keinen müden Cent" (OB Markus Lewe) für ein Stadion zur Verfügung stellen würde, ist längst legendäre Ratsentscheidung. Und schon gar nicht 20 Millionen Euro in einer Stadt, die sich wegen drei Millionen Euro für ein "mittelmäßig akzeptables Stadion" eine jahrelange quälende Sanierungs-Diskussion erlaubt.

Die Stiftung wiederum hat keinerlei Interesse an einem Invest in ein deutlich kleineres Stadion. Zu wenig Erlöse. Weswegen Seinsch den Vertretern von Stadt und Politik direkt riet, lieber den Spatz in der Hand zu greifen als die Tauben auf dem Dach. Auch hier: Das hätte er vielleicht alles vorher besprechen sollen, dafür hätte es die große Runde nicht gebraucht.

Das ganze Projekt war von einem edlen Grundgedanken getragen - aber sagenhaft amateurhaft vorbereitet und dann auch noch katastrophal kommuniziert.

Es dauerte tatsächlich bis zum Ende der Veranstaltung, ehe die letzten Besucher wirklich verstanden hatten, was da passiert war. Nein, die geplante Stiftung wird nicht in ein Preußenstadion investieren. Nicht heute und nicht morgen und nicht einmal in zehn Jahren, auch wenn Seinsch das freundlich-höflich vage und offen hielt.

Idiotische Träume

Geburtsfehler des gesamten Konstrukts war die verheerende Idee, Münster könne eines Tages einen Bundesligisten stellen. Ja, es gibt Beispiele für solche positiven Schocks. Aber es wurde eben auch sehr schnell deutlich, dass sich der Kapitaleinsatz einer Stiftung ausschließlich lohnen würde, wenn ein wirklich großes bundesligataugliches Stadion gebaut würde. Und das wiederum würde keinesfalls am Standort Hammer Straße gehen. Sondern nur an der Nieberdingstraße. Und da war es wieder, das Schreckgespenst Nieberdingstraße. Ein Standort, der noch nicht einmal vollständig in städtischem Besitz ist, für den es keinen entsprechenden Bebauungsplan gibt und der überdies noch bewohnt ist... was für ein Chaos.

Selbst wenn es Geld gäbe, selbst wenn die Stiftung willens wäre: die Nieberdingstraße wäre nicht in absehbarer Zeit verfügbar. Das alles eine Luftnummer zu nennen, wäre glattwegs untertrieben.

Zudem fußte das gesamte Modell auf der fast alternativlosen Idee, dass Preußen Münster in der Bundesliga spielen müsse. Denn nur dann würde die Stiftung ausreichend Erlöse abwerfen, um attraktiv zu sein. Aber Münster und Bundesliga? Seit 24 Jahren war der Verein nicht einmal mehr zweitklassig und die derzeitigen sportlichen Aussichten sind auch nicht zwingend begeisternd.

Kein ernsthafter Gedanke

Das gewaltige Ärgernis dieses Abends war, dass völlig ohne Not die Fantasie vieler Preußen und Sportbegeisterter angeregt wurde, ohne dass auch nur ansatzweise ein ernsthafter Gedanke dahinter gestanden hätte. Das ganze Stadionmodell war schon beerdigt, ehe es öffentlich geboren wurde und genau deswegen reichte die Bandbreite der Gesichtsausdrücke im Saal von entsetzt bis fassungslos.

Und Walther Seinsch hat seinem Stiftungsmodell für benachteiligte Kinder und den Breitensport einen Bärendienst erwiesen. Denn über das ganze Stadion-Trallala rückte der Stiftungszweck gewaltig in den Hintergrund.

Es war der falsche Ansatz, es war der falsche Ort, das falsche Publikum und es war insgesamt eine absurde Vorstellung.

Es war nach der lauen Sportfive-Nummer am Hessenweg die nächste heftige Enttäuschung, das nächste Luftschloss in Sachen Stadion. Und dass mittlerweile viele Fans nur noch mitleidig lächeln, hat seine Gründe. Dieser Abend ist nur ein weiterer.


In Sachen Stiftung

Am Ende des Abends wurden auch weitere Dinge deutlich. Die Stiftung könne entweder in Münster (was Seinsch angeregt hatte und bevorzugt) oder in Augsburg gegründet werden. Die Beteiligung der Stadt ist dabei mindestens gewünscht. Und aus politischen Kreisen gab es für den Stiftungszweck durchaus Lob, aber auch kritische Töne. Warum sich die Stadt an einer viel kleineren Stiftung beteiligen solle, wenn sie doch jährlich erheblich mehr Geld selbst für solche stiftungsrelevanten Themen in die Hand nehme? Warum sich Seinsch nicht an einer bestehenden Stiftung der Sparkasse Münsterland-Ost beteilige?
Das waren viele Fragen und am Ende die Erkenntnis, dass nicht jede gute Idee auch zwingend gut umgesetzt sein muss. Walther Seinsch hat noch viel Arbeit vor sich, wenn diese Sache funktionieren soll.