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Bebauungsplanverfahren
Münster macht den Weg frei... für dieses Preußenstadion?

Mehr als eine reine Spielerei: Dieser Entwurf fußt bereits auf ersten Planungen. (Foto: Landheer Architekten)

Münster – Es gab schon Anlässe, zu denen im Rat der Stadt Münster eher unfein über Preußen Münster gesprochen wurde. Oder das Preußenstadion. Am Mittwochabend brachte Münsters Politik jedoch ganz still und entspannt ein Verfahren auf den Weg, das Weichen stellt für die Zukunft des Fußballs in Münster...

Große Dinge beginnen manchmal ganz klein und unscheinbar. Die Ratsentscheidung vom Mittwochabend war so ein großes Ding. Nach weit über vier Stunden Haushaltsdebatten entschied Münsters Politik praktisch einstimmig, in das Bebauungsplanverfahren "Sportpark Berg Fidel" einzusteigen. Die Entscheidung fiel leicht, weil das Thema nun ein Verwaltungsakt wird und die Politik erst einmal ihre Ruhe hat.

Still und leise, ja. Aber was für den Rat am Ende nur noch Routine war, stellt den SC Preußen Münster auf eine völlig neue Basis. Noch lässt sich die Bedeutung dieses Entschlusses gar nicht richtig einschätzen, aber eines ist sicher: Der schwere Bremsschuh, den Verein, Verwaltung und auch Politik seit 14 Jahren vor sich hergeschoben hatten, der ist plötzlich weg.

Rückblick? In diesen Tagen, genau vor 14 Jahren, fegte das Oberverwaltungsgericht Münster den Neubau eines Stadions vom Tisch. Der ECE-Preußenpark, 1996 politisch auf den Weg gebracht, war bis heute die wohl realistischste Möglichkeit eines neuen Stadions in Münster.

Seltsam entrückt

Aus heutiger Sicht erscheinen die Planungen aus den 90er Jahren seltsam entrückt. Ein gewaltiges Einkaufszentrum an der Hammer Straße, Parkhäuser, ein vollüberdachtes Stadion - alles hineingepresst in ein bestehendes Wohngebiet. Ein stadtplanerisches Monster, unzureichend durchdacht und überdimensioniert. Das OVG verpasste der Stadt damals eine richtige Klatsche.

Mit dem Einkaufszentrum war auch das Stadion Geschichte. Aber das Monster "Preußenpark" kreiste seitdem beständig über der Hammer Straße. Lange Jahre ging nichts mehr.

Schon der Bau der neuen Haupttribüne 2008/2009 war ein planungsrechtliches Wagnis, das nur unter Dehnung geltenden Baurechts möglich war. Alles weitere? Hier ein paar Pinselstriche, dort ein paar Stehränge. Preußenfans kennen das. "Mittelmäßig akzeptabel" sollte sich das Stadion am Ende präsentieren. Während in Deutschlands höchsten Ligen neue Stadien reihenweise entstanden und weiter entstehen, übte sich Münster im Schlechtreden und "Klein-Klein".

Mittelmäßig akzeptabel: So musste die Verwaltung der Politik die Sanierungsmaßnahmen an der städtischen Immobilie verkaufen, um die Parteien nicht zu verschrecken. Dass man sich mit so etwas an die Öffentlichkeit traute...

Sanierungspaket unter Schmerzen

Und es ist gerade zweieinhalb Jahre her, seit der Rat dieses noch aktuell laufende Sanierungspaket unter Schmerzen und Widerständen verabschiedete. Seit 2012 ging es lediglich darum, das Stadion "herzurichten". Nicht mehr.

Dann wurden im Frühjahr 2014 die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie bekannt - und das war der Wendepunkt. Der bestehende Bebauungsplan sei dank neuerer Rechtsprechung "unwirksam", ein neuer Bebauungsplan mithin aufzustellen. So einfach ging das am Ende.

Und dann der sehnlich erwartete Mittwochabend... Im Rat wurde am Ende intensiver über die richtigen Standorte für Fluchtlingsunterkünfte in Münster diskutiert als über das Stadion - und das ist eine gute Sache.

Die einzig verbliebene Frage: Kann in der Zwischenzeit auf der alten Brache am Stadion neben dem Bürgerpark noch ein "Dirt-Park" für BMX-Fahrer entstehen? Das soll die Verwaltung jetzt prüfen - und auch schon nach künftigen Standorten suchen, wenn der SCP die Flächen für neue Trainingsplätze beansprucht.

Das neue Preußenstadion..?

Ja, es ist eine Zukunftsvision - aber zumindest hat der Verein schon einmal einen kurzen Blick auf ein künftiges Stadion geworfen. Im Architekturbüro Landheer wurde das Modell entworfen, das der Verein am Montag seinen Mitgliedern präsentierte: Voll überdacht, zunächst für 15.000 Zuschauer, aber mit der Option, die Ecken auszubauen.

Denn die, so sieht es der Entwurf vor, werden zwar aus Schallschutzgründen durch Rückwände geschlossen, bleiben aber zunächst unbebaut. Die Kapazität würde sich dann bei einem Ausbau erhöhen, so Architekt Uwe Landheer auf westline-Anfrage.

Im Grunde ähnelt der jetzt vorgelegte Entwurf damit dem Essener Stadion - mit dem Unterschied, dass in Essen die Tribünen für sich selbst stehen, in Münster aber bereits komplett überdacht sind.

Diese Art von Schallschutz würde übrigens auch eingesetzt, wenn zunächst nur die Westtribüne gebaut würde. Zu beiden Seiten würden dann Rückwand und Dach jeweils mit der Gegengerade und der Haupttribüne abschließen.

Derzeit geplant wären die drei neuen Tribünen als "hohler Vogel", wie es Landheer etwas spöttisch nennt. Gemeint ist: Nur Tribüne, kein Funktionsgebäude. Unterhalb der Ränge würden WC-Anlagen ihren Platz finden, damit hätte es sich dann aber auch schon.

Die neuen Ränge würden in dem vorgelegten Entwurf etwa 8 bis 9 Meter vom Spielfeldrand stehen und damit etwas näher ans Spielfeld rücken. Vor allem natürlich hinter den Toren. Furchtbar eng wäre es also im neuen Stadion nicht.

Und wie geht's weiter? Das plant der Verein...

Natürlich wertete Preußen-Präsident Dr. Marco de Angelis die Ratsentscheidung am Tag danach nüchtern-erfreut. "Das entsprach im Grunde ja unseren Erwartungen."

Dem Einstieg ins Verfahren folgt beim SC Preußen jetzt die Phase der Willensbildung. Vorstand und Aufsichtsrat werden sich in den kommenden Monaten beraten. Es geht darum, den Kassensturz zu machen. "Mit welchem finanziellen Engagement" sich der Verein belasten könne, müsse jetzt geklärt werden. "Parallel dazu werden wir Gespräche mit Politik und Verwaltung führen." Dabei geht es um die Frage der Finanzierung. Deren Modell steht ja längst: Die Stadt nimmt günstige Kredite auf, der Verein übernimmt die Abzahlung der Kreditraten durch eine Mietzahlung. "Das ist das einzig belastbare Konzept", so de Angelis.

Dass die Mietzahlungen zulasten des Etats für die erste Mannschaft gehen würden, sei klar, so de Angelis. Auf der anderen Seite rechnet der Klub natürlich auch mit erhöhten Einnahmen - durch Zuschauer wie Sponsoren.

Ob nun zunächst nur die neue Westtribüne errichtet wird - oder der Klub gleich in die Vollen geht, ist derzeit "völlig offen", so der Präsident. "Wir haben die Gesamtlösung im Blick, aber sie muss nicht zwingend in einem Rutsch umgesetzt werden." Sicher ist, dass die Westtribüne den Startschuss bildet. Der Verein neige jedoch dazu, die einzelnen Bauabschnitte in "zeitlich kurzen Abständen" durchzuführen.

Ein Aufstieg in die 2. Liga würde den Klub dabei natürlich eine "finanziell neue Situation" bringen. Aber selbst wenn der Aufstieg gelänge, könne man ja nicht von einem dauerhaften Verbleib dort ausgehen. "Wir müssten parallel planen", sagt de Angelis. Anders gesagt: Möglicherweise würden die Mietzahlungen an die Liga-Zugehörigkeit gekoppelt. Ein Modell, das in anderen Städten viele Vorbilder findet.

Sicher ist: "Wir wollen jetzt alles, was möglich ist, parallel planen." Mit einer Einschränkung: Was Kosten verursacht, muss warten, bis das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen ist. "Wir werden nicht unseren Pfad verlassen, uns nicht in unüberschaubare Risiken begeben."

Dass also direkt Bagger anrücken, ist unrealistisch. Aber wenn das erhoffte Finanzierungsmodell politisch Zustimmung findet, kann in Münster ausnahmsweise auch alles schneller gehen als gedacht.