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Serie zur Ausgliederung: Finanzen
Preußen Münster: Finanziell angeschlagen ins Jahres-Finale

Preußen-Präsident Christoph Strässer. (Foto: Schulte)
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Münster – Das Jahr 2017 geht auch für den SC Preußen Münster langsam ins Finale. Und zwar eines, das es in sich hat. Denn rund um den Verein stehen reichlich Entscheidungen an. Noch in 2017 soll die Ausgliederung zum Beschluss kommen. Aber es gibt immer noch viele offene Fragen. Wir arbeiten uns in den kommenden Wochen durch die Fragen - und schauen auf die Ausgangslage.

Ein aufregendes Preußen-Jahr 2017 geht in den Endspurt. Angesichts der anstehenden Entscheidung über eine Ausgliederung vielleicht sogar eines der interessantesten Jahre der Neuzeit. Das könnte man eigentlich mit großer Vorfreude oder Spannung angehen, aber Gerüchte um die Finanzen des Klubs halten sich hartnäckig und werfen Fragen auf. Die Spurensuche für die Gründe gestaltet sich schwierig.

Ein Rückblick...

Im Frühsommer hielt der SCP den Ball ganz, ganz flach. Der Etat gebe keine Sprünge her, ließ der SCP seit Frühjahr immer wieder und wieder wissen. Die Fragen nach Neuzugängen und die Verweise auf das knappe Budget wurden fast zum Running Gag bei jedem Mediengespräch. Das Ende ist aber weniger lustig. Viele Kaderpositionen wurden nicht nachhaltig gestärkt, der Kader ist so klein, dass der SC Preußen auch deswegen auf U23- und U19-Kicker zurückgreift, um im Training flexibler zu sein.

Zudem ist die Leistungsdichte innerhalb des Kaders für den Geschmack des Trainer zu eng. Immer wieder hatte Trainer Benno Möhlmann in den vergangenen Wochen einen gewissen Mangel an Konkurrenzkampf ausgemacht. Wenn alle fast gleichstark seien, werde niemand besser - so die Logik des Trainers.

Die sportliche Leistungsfähigkeit hatte allerdings nicht nur Folgen für den Tabellenplatz. Auch wirtschaftlich spürt der Verein die Problematik. Nur noch 5.300 Zuschauer wollten zuletzt die Heimpartie gegen Aalen sehen. Auch das Derby gegen Osnabrück sahen "nur" 9.300 Fans. Nicht nur wegen des miserablen Wetters. Das bringt die Planzahlen des Klubs durcheinander.

Eine Überraschung ist das nicht, denn praktisch alle Klub-Führungen hatten in den vergangenen Jahren über die Ungewissheit in einem Fußballverein gesprochen. Eine Saison zu planen sei mit vielen Fragezeichen versehen. Klar: Ein Pfostenschuss kann über Auf- oder Abstiege entscheiden. Selbst mit 72 Punkte ist ein Aufstieg manchmal nicht zu holen. Fußball ist oft eben doch ein Glücksspiel und der Etat eher so etwas wie ein Wunschkonzert ohne Gewissheiten.

Man muss das im Kopf behalten, wenn man im Nachhinein werten will, wie "vorher" geplant wurde.

Getuschel

Jetzt liest und hört man viel über eine heftige Lücke im Haushalt des SC Preußen. Angeblich stehe der Verein mit weit über 2 Millionen Euro in der Kreide, wird gemunkelt. Ist das so? Die exakten Zahlen liegen noch gar nicht vor, wie es aus dem Klub heißt, eine Bewertung sei daher noch gar nicht möglich. Konkrete Beträge zu nennen, ist daher eigentlich unzulässig.

Hier kommt das "Aber". Der Verein wird nach westline-Informationen tatsächlich einen Fehlbetrag präsentieren müssen, den ersten seit 2015 und erst zum zweiten Mal in den vergangenen zwölf Jahren. Das wird sicher für Stirnrunzeln sorgen; und diesmal wird der Klub die Zahlen auch erheblich transparenter erklären müssen als 2015.

Die angespannte finanzielle Lage wird von einigen Fans gerne pauschal "dem alten Vorstand" in die Schuhe geschoben. Der habe angeblich eine Art Trümmerfeld und herabgewirtschafteten Klub hinterlassen, andeutungsweise ist die Rede von halbgaren Praktiken oder finanziellen Mauscheleien. Griffig ist das - wie immer bei Gerüchten - nicht ansatzweise. Und sachlich auch gar nicht zu halten.

Fakt ist: Im Dezember 2012 verkündete der SCP nach jahrelangem Sparkurs, nun endlich "schuldenfrei" zu sein. Der damalige Präsident Dr. Marco de Angelis stellte einen Überschuss von 168.000 Euro vor (bei Einnahmen von rund 5,9 Millionen Euro). Seit dem Amtsantritt des neuen Präsidiums 2005 hatte der Klub seine Verbindlichkeiten von 1.6 Millionen Euro offiziell auf Null gesenkt. Und (fast) Jahr um Jahr wies der SCP bis dahin und auch anschließend Überschüsse aus - bei stetig steigenden Etats.

Dass diese Überschüsse in vielen Jahren überschaubar ausfielen, zeigt, wie knapp die Etats genäht waren. Die Regionalliga war schwer zu finanzieren, die 3. Liga ist auf Dauer nicht einfacher. Unter anderem aus diesem Grund will der Verein ja über eine Ausgliederung zusätzliches Geld an Bord holen.

Die Etats seit dem Aufstieg in die 3. Liga:
 

Jahr Einnahmen Ausgaben  Ergebnis*
2011 4.675.716 EUR 4.668.623 EUR +7.093 EUR
2012 5.936.206 EUR 5.668.583 EUR +168.317 EUR
2013 7.652.558 EUR 7.321.775 EUR + 53.988 EUR
2014 7.993.992 EUR 7.666.032 EUR +38.749 EUR
2015 8.218.445 EUR 8.855.606 EUR -504.258 EUR
2016 8.277.370 EUR 8.082.530 EUR +194.840 EUR

* Dargestellt sind die Ergebnisse vor Abschreibungen und Steuern

Anfang 2015 wurde bekannt, dass Marco de Angelis zum Saisonende seinen Abschied nehmen würde. Es ging dann doch schneller. Bereits im April rückte de Angelis von der Brücke ab und Georg Krimphove übernahm die Führung.

Auf westline-Anfrage legt Marco de Angelis Wert auf die Feststellung, dass der Verein zum Stichtag 31. Dezember 2014 mit 110.000 Euro im Plus stand und zahlungsfähig gewesen sei. "Diese Zahlen sind testiert und vom DFB akzeptiert worden", so de Angelis. Der Verein sei mithin sauber übergeben worden.

Dies zu verstehen, ist wichtig: Weder erteilt der DFB seine Zulassungen nach Lust und Laune - es liegt im ureigenen Interesse des Verbandes, dass seine Vereine auch bis zum Saisonende durchhalten können. Alles andere sorgt für schlechte Publicity und die mag der DFB bekanntlich gar nicht. Noch sind Testate von Bilanzen eine Gefälligkeit, sondern dienen als Vorlage bei Aufsichtsorganen und dem Registergericht.

Als "weicher" Faktor sei nur am Rande erwähnt, dass Anwalt Marco de Angelis, Richter Hannes Pfeiffer (in seiner Funktion als "Finanzkontrolleur") oder zuletzt Unternehmer Georg Krimphove kaum im Verdacht stehen dürften, wissentlich gegen Recht und Gesetz zu verstoßen.

Zurück in die Gegenwart. Nach Übernahme der Amtsgeschäfte durch Christoph Strässer und seinem Team hat der Klub seine Arbeitsweise verändert. In der Vergangenheit wurden schon einmal Einnahmen vorgezogen, um liquide zu bleiben und Rechnungen zahlen zu können.

"Punktuelle Vorgriffe"

Das bisherige Vorgehen bestätigt grundsätzlich auch de Angelis, sagt aber zugleich: "Das waren aber, wenn es vorkam, eher punktuelle Vorgriffe, um kurzfristig Zahlungen leisten zu können." Zulässig ist so ein Vorgehen allemal. Und mehr noch: In aller Regel seien dann künftige Einnahmen vor allem beim Hauptsponsor oder im Aufsichtsrat vertretenen Unternehmen vorgezogen worden. Klassischerweise also bei eben jenen Partnern, die in der Vergangenheit gerne für allerlei Zuwendungen außer der Reihe herangezogen wurden: für Trainingslager, Neuzugänge...

Es ist auch kein Geheimnis, dass gerade Fußballklubs unterhalb der beiden Bundesligen im Juni traditionell klamm werden - es gibt keine Einnahmen mehr, dafür aber alle Ausgaben. Wer kein pralles Festgeldkonto hat, der muss schauen, wie er über die Runden kommt. Neue Zahlungseingänge laufen in der Regel erst ab Juli wieder ein - so leer die Kasse zum Saisonende sind, so prall gefüllt sind sie dann Anfang der Saison. Normalität im Fußball.

Marco de Angelis sagt aber auch: "Wenn wir in der Vergangenheit solche Einnahmen vorgezogen haben, dann wurde der folgende Etat natürlich auch kleiner." Diese Aussage deckt sich mit dem "Mantra", das seit der Amtsübernahme von de Angelis im Jahr 2005 oft erklang. "Wir geben nur Geld aus, das wir auch einnehmen."

Das Problem: Das Minus aus dem Jahr 2015 wurde von Nachfolger Georg Krimphove und seinem Team nur vage erklärt. Auch das keine Überraschung, denn Krimphove war für das Geschäftsjahr nicht selbst verantwortlich, er war ja erst wenige Wochen vor Ende eingestiegen.

Ein halbes Geschäftsjahr blieb im Nebel: Die Jahreshauptversammlung 2015 endete fast zwingend mit deutlichen Misstönen - auch weil ausgerechnet das "Pokal-Traumlos" FC Bayern München zum Loch in der Kasse beigetragen haben soll - wegen "unerwarteter" Kosten. Schwer vermittelbar.

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Freitag, 24. Februar, 14 Uhr
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Datum Termin/Anlass  
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Tabelle

25. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
10Würzburg2533:36-335
11Großaspach2431:35-433
12Münster2531:35-430
13Halle2533:35-229
14SF Lotte2531:37-629

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