
Alexander Uth kommentiert
Die Preußen-Kolumne 53: Zur Lage der preußischen Nation
24. Januar 2012 07:30 Uhr von Alexander Uth | Quelle: westline
Münster Preußen-Kolumnist Alexander Uth hat aus einem merkwürdigen Gefühl heraus mit dem Verfassen seines Textes bis Montag gewartet. Folglich widmet er sich der Entlassung Marc Faschers und diskutiert sowohl die Ereignisse der letzten Tage als auch die Chancen für die Zukunft.
Ich wusste doch, dass es sinnvoll sein würde, mit dem Kolumnenschreiben bis Montag zu warten. Am Sonntagmorgen saß ich an meinem PC, tippte einen immer wütender werdenden Text zur Lage der preußischen Nation und beschloss irgendwann, das Ganze liegen zu lassen und erst mal die Entwicklungen abzuwarten. Und siehe da! Was zu erwarten war, ist eingetreten: Marc Fascher ist freigestellt. War klar. Und zu diesem Zeitpunkt kann ich einfach nicht anders, als meinen Senf zum Thema loszuwerden. Und weil der Text vom Sonntag nicht mehr zu gebrauchen ist, habe ich jetzt einen neuen geschrieben. Natürlich wurde dazu schon alles gesagt (aber noch nicht von jedem). Von daher möge man mir verzeihen, wenn der eine oder andere Gedanke schon bekannt ist.
Keine Überraschung
Dass Marc Fascher das Saisonende nicht erleben würde, dachte ich mir schon, als er seinen Vertrag nicht verlängerte. Dass es nun so schnell gehen würde, hätte ich nicht erwartet. Aber nach den Ereignissen in Oberhausen war es dann auch nicht mehr überraschend. Dass die Vereinsführung den Vertrag nicht früher verlängert hat, kann ich sogar nachvollziehen. Zwar sind wir mit Marc Fascher aufgestiegen und hatten einen prima Saisonstart, der manchen schon zum Träumen brachte, aber dann zeigte der Trend klar nach unten: Habt ihr mal die Saison-Fieberkurve gesehen? Und jetzt, nach Oberhausen, sieht man auch, dass gegen Gegner nur noch zwei Punkte geholt wurden, gegen die zum Saisonstart sieben Punkte drin waren. Kein Puffer mehr für den Rest der Rückrunde! Die Entwicklung ist alarmierend. Dass man nicht vorzeitig verlängern wollte, um dann den Trainer nach dem Sturz auf die Abstiegsplätze doch entlassen zu müssen, macht sogar Sinn, zumal wenn man ohnehin nicht ganz auf einer Wellenlänge ist. Die Gepflogenheiten des Fußballs greifen eben auch bei uns. Da kann man sich noch so lange einreden, dass der SC Preußen doch eine heile Welt sein müsste.
Ich bin sicher nicht einverstanden damit, was die Vereinsführung aus der Aufbruchsstimmung des Aufstiegs fabriziert hat. Ich denke aber auch nicht, dass es etwas bringt, jetzt nach dem Rücktritt von Vorstand und Aufsichtsrat zu schreien. Vor allem wenn dabei noch bestimmte Leute ausgenommen werden, weil die ja nett sind und bestimmt gar nichts mit den ganzen bösen Dingen zu tun hatten. Dafür sind ja nun CG, MdA und TB verantwortlich…oder wie?
Ebenso finde ich es unangemessen (um es mal sanft zu sagen), dass in Oberhausen Bierbecher geworfen wurden. Ich denke, dass auch diesen Männern am Wohl des SCP gelegen ist, aber offenbar haben sie ganz andere Vorstellungen über das Wie. Tatsache ist aber nun einmal, dass es diese Vorstellungen sind, die jetzt zum Tragen kommen. Daran wird sich in nächster Zeit sicher nichts ändern.
Alte Zöpfe ab
Ich weiß auch nicht, was in den Köpfen der Herren vorgeht. Aber ich hoffe, sie haben einen richtig guten Plan, der über die kurzfristige Neubesetzung des Trainerstuhls hinausgeht. Es müssen jetzt zwei Ziele verfolgt werden: Zum einen der Klassenerhalt in der dritten Liga (Denn wenn das nicht klappt… Ach nein, darüber will ich nicht nachdenken), zum anderen die Planung der neuen Saison. Vermutlich wird nach der Sommerpause vom alten Kader nicht mehr viel übrig sein. Hier hat der neue Trainer Gelegenheit, seine Handschrift einzubringen (Ich hoffe darauf, dass mit dem neuen Trainer langfristig geplant wird – bei entsprechendem Erfolg). Es ist die Chance für einen sinnvollen Umbau. Denn dass der jetzige Kader Schwächen hat, ist offensichtlich. Insofern mag es auch gut sein, dass ein paar alte Zöpfe abgeschnitten werden. Vor allem alte.
Zwischen Unzufriedenheit und Hoffnung
Ach, was red’ ich denn. Ich bin doch innerlich eigentlich nur am Kopfschütteln, am symbolischen Haareraufen, ja fast am Verzweifeln über das, was mit meinem SC Preußen derzeit passiert. Unserem SC Preußen natürlich. Unser aller Leidenschaft. Eine Stimme in mir ruft „Ihr Vollidioten!“ und meint ungefähr alle: Vorstand, Trainer, Fans, Spieler - manche mehr, manche weniger. Und um nicht zu verzweifeln, suche ich nach den positiven Seiten der Situation, hoffe ehrlich, nein, versuche mir einzureden, dass sich das ganze irgendwie zum Guten wenden wird. Ich wünsche mir ganz fest, dass der Vorstand Erfolg hat mit dem, was er tut. Nicht, weil ich alles toll finde, was die Herren tun, sondern weil ich mir das Beste für den SC Preußen Münster wünsche. Ich kann dem Vorstand keinen Misserfolg wünschen, denn dieser Misserfolg wäre der Misserfolg des SC Preußen.
Ich schließe mit gemischten Gefühlen, mit dieser großen inneren Verwirrung, mit der Mischung aus Unzufriedenheit und Hoffnung. Ich wünsche mir Besonnenheit bei allen Beteiligten, bei den Verantwortlichen und den lautstarken Beobachtern. Ich wünsche mir, dass Preußen gegen Jena drei Punkte holt, egal mit welchem Trainer.
Marc Fascher ist Vergangenheit, ob wir es wollen oder nicht. Wir müssen nach vorne schauen. Ich bin gespannt.
Der Autor: Alexander Uth
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