
Alexander Uth kommentiert
Die Preußen-Kolumne 54: Abenteuer Auswärtsspiel
30. Januar 2012 21:33 Uhr | Quelle: westline
Münster Als Preußen-Fan im Exil - noch dazu mit einem Beruf, der keinen kurzfristigen Urlaub erlaubt - hat man es nicht so leicht, den SCP live zu sehen. Alexander Uth beschäftigt genau dieses Problem in seiner Kolumne und er plant trotzdem schon mal seine nächste Auswärtsfahrt.
Ich habe mich ja ein bißchen gefreut, dass die Preußen am Wochenende nicht gespielt haben. Ich war in Münster, hatte aber einen anderen Termin, so daß ich das Spiel verpasst hätte. Jetzt verpasse ich es eben am Nachspieltermin. Der wird ja wohl unter der Woche irgendwann stattfinden, und das ist für mich als Auswärtigen praktisch nicht zu machen.
Zumal ich nicht einmal die Chance habe, Urlaub zu nehmen – als Lehrer bin ich sowas von festgelegt auf bestimmte Wochen im Jahr. Klar, es sind immerhin zwölf Wochen im Jahr, aber davon sind die Hälfte schon mal meist fußballfrei (Weihnachtsferien und ein guter Teil der Sommerferien – je nachdem, wie sie liegen). Und da ich am Wochenende oft noch zu arbeiten habe, ist schon ein Tagestrip nach MS oft einfach nicht drin – zumal das ganze ja auch noch Geld kostet.
Unterschied zu "großen" Vereinen
Nun will ich ja gar nicht beschweren – ich habe immerhin den Luxus, nur zweieinhalb Zugstunden von Münster weg zu sein. Es gibt ja einige, die deutlich weitere Anreisen auf sich nehmen müßten. Ich muß aber auch sagen, daß ich mich zum Beispiel über das Auswärtsspiel in Oberhausen sehr gefreut habe, weil ich nur eine knappe Stunde Anfahrt hatte. Aber ansonsten sind gerade die Auswärtsfahrten von hier aus schon ein schwieriges Unterfangen.
Denn hier wird so richtig deutlich, was der Unterschied zwischen Anhängern eines „kleinen“ Vereins wie Preußen und einem der „großen“, überregional beliebten wie Bayern oder Dortmund ist: Es gibt kaum Fans oder Fanclubs außerhalb von Münster, mit denen man zusammen so eine Fahrt organisieren kann, und so ist jede Auswärtsfahrt ein kleines Abenteuer für sich.
Früher war's einfacher
Als ich noch in Münster lebte, war ja alles ganz einfach: Entweder bin ich in einen Bus gestiegen, vom Fanprojekt oder so, oder (meistens) mit dem Zug gefahren. Gerade zu Oberligazeiten bot sich das an, weil das Semesterticket der WWU fast die ganze Liga abdeckte. Einige wenige Fahrten sind auch mit dem Auto gelaufen, als schwarz-weiß-grüne Fahrgemeinschaft, bei interessanten Zielen durchaus mit Übernachtung und Genuß des Nachtlebens verbunden (in Dresden gemacht, Berlin auch).
Meistens waren es aber Zugfahren mit Gruppenticket oder (selten) Sonderzug, auch so extreme Sachen wie Jena, wo es eben morgens um fünf losging. Naja, ich war ja auch noch jünger (wie das jetzt wieder klingt), da macht man solche Sachen.
Fahrten in dieser Saison
In dieser Saison habe ich jetzt vier Auswärtsfahrten gemacht. Nach Jena und Bremen bin ich mit dem Bus des Fanprojekts gefahren. Das war recht einfach und komfortabel, abgesehen davon, daß ich ja jeweils erst nach Münster fahren mußte, und das bedeutet dann auch mal Anreise am Vorabend und Übernachtung – nicht nur, weil es lustiger ist, sondern auch und vor allem, weil ich sonst nicht rechtzeitig nach Münster komme.
Nach Saarbrücken bin ich erstmals komplett individuell angereist, mit der Bahn (geht mittlerweile besser, weil ich ja für den Job hier ganz anständig bezahlt werde). Und in diesen Tagen plane ich das vielleicht ultimative Reiseabenteuer in dieser Liga: Burghausen.
Ab nach Burghausen!
Das Spiel in Burghausen ist noch zweieinhalb Monate hin, es gibt noch keine Karten im Vorverkauf, es gibt noch nicht einmal das Datum. Dennoch denke ich jetzt mal nicht von Spiel zu Spiel, sondern ein paar Wochen voraus. Auf jeden Fall läuft das Spiel unter der Woche, Dienstag oder Mittwoch, was bei der Entfernung praktisch heißt, dass die Zahl der Auswärtsfahrer eher gering ausfallen dürfte: Berufstätige müssen dafür praktisch zwei Tage Urlaub nehmen, die Studenten der Uni haben schon Vorlesungszeit, bleiben nur die Leute, die Ferien haben, also Schüler und Lehrer. Ja, endlich ist der Job mal von Vorteil!
Erste Frage: Zug oder Flug? Ich fahre gern Zug, und mit dem ICE dauert es kaum länger und ist im Endeffekt weniger umständlich. Egal wie, es geht erst nach München und von da im Nahverkehr die restlichen 100, vielleicht 110 Kilometer. Dabei gibt es auf der Strecke eine Baustelle, derzeit hat die Bahn keine Informationen, es riecht nach Schienenersatzverkehr, also längere Fahrzeiten und unsicheres Erreichen von Anschlüssen. Prost Mahlzeit.
Kostenpunkt ist irgendwo ab 130 Euro, je nach Strecke und Zeit (Flug käme im Endeffekt etwas teurer, wegen An- und Abfahrt zum Flughafen). Auch schon eine Hausnummer. Vermutlich mache ich eine mehrtägige Tour und nehme München noch mit (da kenn ich ein paar Leute).
Wer fährt nach Burghausen?
Und wahrscheinlich wird auch eine Übernachtung in Burghausen drin sein (denn es dürfte praktisch schwierig werden, den letzten Zug nach München zu erwischen). Naja, alles keine unüberwindbaren Hindernisse, aber doch bisher die aufwendigste Auswärtsfahrt, die ich bisher mitgemacht habe.
Ich freu mich drauf. So richtig. So etwas muß man mal gemacht haben, finde ich. Und ich hoffe, daß da unten auch noch ein paar mehr Preußenfans auflaufen, damit man gemeinsam ein Bierchen (im Gästebereich Steher gibt es aber leider nur Leichtbier) trinken und den SCP anfeuern kann. Und weil ich hier so ins Reden gekommen bin, ende ich zur Abwechslung einfach mal mit einer Frage: Fahrt ihr nach Burghausen, und wenn ja, wie?
Der Autor: Alexander UthAlle SCP-Gastautoren hier!
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