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Prallten an einer blauen Wand ab: (v. l.) Felix Magath und Peter Peters (Vorstand), Dr. Jens Buchta, Peter Lange, Andreas Schollmeier und Rolf Rojek (Aufsichtsrat) fanden mit ihrer geplanten Machterweiterung für den Vorstand kaum Beifall. Rechts Ehrenpräsident Gerd Rehberg. Foto: Rabas (NBM)

Satzungs-Dusche für Magath

Die blaue Wand des Misstrauens

11. Mai 2010 16:03 Uhr von Norbert Neubaum | Quelle: Recklinghäuser Zeitung

Gelsenkirchen Kurz vor 22 Uhr war die Welt für Felix Magath am Montag Abend noch königsblau und damit in Ordnung. Ganz entspannt gönnte sich Schalkes Sportdirektor in der Veltins-Arena eine Bratwurst und wartete auf die Ergebnisse der Wahlen zum Aufsichtsrat.

Drei Stunden lang hatte Magath vorher ins pralle Schalker Leben eintauchen dürfen, aus dem die Jahreshauptversammlung ihre Geschichte(n) schreibt. Mit launigen Wortmeldungen wie der von Schalke-Mitglied Hans-Günter Limberg aus Bochum, der berichtete, "dass ich meinen Sohn schon auf Schalke angemeldet habe, bevor ich ihn überhaupt zur Geburt angemeldet habe".

Mit sehr emotionalen Beiträgen wie dem von Günter Reipen: "Lieber Christoph Metzelder - Du kriegst hier Deine Chance. Aber wage es bitte niemals, das Vereinswappen auf dem Schalker Trikot zu küssen - sonst muss ich kotzen!" Und mit nachdenklich machenden Kommentaren - wie dem von Ingolf Müller aus Bottrop.

Eindringliche Warnung

Mit einer eindringlichen Warnung zur geplanten Satzungsänderung zu Paragraph 7.5 leitete er den Teil des Abends ein, der Felix Magath weniger geschmeckt haben dürfte. Es ging darum, dass der Vorstand - in erster Linie also Magath - demnächst auch bei Ausgaben von über 300.000 Euro nicht vorher erst den Aufsichtsrat um Erlaubnis fragen muss.

Ingolf Müller plädierte dafür, dass diese Kontrollgrenze aber weiter bestehen bleibt. Dabei ging es ihm gar nicht um Magath - dem würde er vertrauen. Aber was ist, so Müller, wenn Magath mal weg ist? Dann hätte Schalke eine neue Satzung - und möglicherweise einen Hasardeur als Magath-Nachfolger, der die sowieso schon fatale finanzielle Situation des Clubs (wir berichteten) noch weiter verschärfen könnte.

Wohl auch weil Müller seinen Vortrag mit wesentlich mehr Leidenschaft vortrug als Aufsichtsrats-Mitglied Dr. Jens Buchta, der bei den Mitgliedern für die Satzungsänderung mit dem drögen Charme eines lustlosen Bürokraten warb, kam der noch anwesende Teil der Schalke-Familie ins Grübeln. Für einen flehenden spontanen Appell von Aufsichtsrat Peter Lange ("Wir machen das doch für Euch") gab es nicht mal mehr nennenswerten Applaus. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit wäre erforderlich gewesen, doch es gab nicht mal eine einfache Mehrheit: 441 Nein-Stimmen, 422 Ja-Stimmen.

Keine Revolution, kein Putsch

Es war keine Revolution, kein Putsch, eher ein leiser Aufschrei der Basis, die durch die Mitglieder des Vereins repräsentiert wird. Der Aufsichtsrat ist das einzige prominente Gremium, bei dem die Mitglieder noch Mitspracherecht haben - und deren Rechte wollen sie offenbar nicht beschneiden lassen, obwohl auch das Kontroll-Gremium mit verantwortlich dafür ist, dass Schalke Verbindlichkeiten in Höhe von erschreckenden 248,6 Millionen Euro anhäufen konnte. Die Botschaft der Basis war klar: Wir wollen uns das Heft des Handels nicht ganz aus der Hand nehmen lassen.

Die blaue Wand des Misstrauens

Die blaue Wand des Misstrauens, an der die Schalker Führungsetage abgeprallt ist, wurde instinktiv errichtet als Konsequenz aus schlechten Erfahrungen mit Magaths Vorgängern und der Skepsis gegenüber seinen potenziellen Nachfolgern - zu oft hat Schalke schon Leuten Vertrauen geschenkt, bis hinterher die noch offenen Rechnungen präsentiert wurden.

Magath muss Fehler der Vorgänger ausbaden

Magath muss dieses Misstrauen nun unverschuldet ausbaden - de facto wird ihm vom Aufsichtsrat zwar auch ein verfügbarer Betrag für Investitionen genannt, vor nahezu jeder Einzelentscheidung muss er aber weiterhin für die Rechtskräftigkeit der Verträge die Genehmigung des Aufsichtsrates einholen.

Dafür hat Schalke zwar extra das "Eilverfahren" entwickeln, aber die Arbeit von Magath auf seinem angestrebten Weg auch zu strukturellen Veränderungen im Verein wird durch das "Nein" zur Satzungsänderung nicht einfacher. "Davon gehe ich aus", zischte er am Montag kurz vor Mitternacht auf die Frage, ob die Entscheidung der Mitglieder seine Aufgabe nun komplizierter machen würde.

Kalte Satzungs-Dusche für Magath

Weit über vier Stunden dauerte die Versammlung, Magath hat Schalke in dieser Zeit wieder etwas besser kennen gelernt. Erst die verdienten warmen Worte für den sportlichen Erfolg in der vergangenen Saison, dann die kalte Satzungs-Dusche - alles durch Mitglieder, die dadurch zumindest demonstriert haben, dass sie der eigentliche Souverän des Vereins sind. Die königsblaue Welt sollte deshalb aber nicht in Unordnung geraten. Im Gegenteil.


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Samstag, 05.05.12 - 15:30 Uhr

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