
Alzeimer
Rudi Assauers mutiger Kampf gegen das Vergessen
01. Februar 2012 07:41 Uhr von Norbert Neubaum
Gelsenkirchen Es war an der Zeit, das Heft des Handels noch einmal in die Hand zu nehmen. Rudi Assauer hat den Zeitpunkt der Veröffentlichungen über seine Alzheimer-Krankheit selbst bestimmt. Und alleine das darf der 67-Jährige schon als Erfolg verbuchen.
Denn Gerüchte um Assauers Erkrankung waberten bereits seit Monaten durch eine Branche, in der normalerweise nichts lange geheim bleibt. Und auf Schalke schon mal gar nicht – dem Club, den Assauer am 17. Mai 2006 quasi durch die Hintertür verlassen musste.
Es war einer der wenigen Momente, in denen Assauer das Heft des Handels nicht mehr in der Hand hatte. Ein Anwalt hatte nachts an seiner Tür geklingelt und ihm, dem Architekten und Motor des heutigen Schalke, ein vom Aufsichtsrat ausformuliertes Rücktrittsgesuch überreicht. Assauer unterschrieb es am nächsten Vormittag. Es war nach 13 Dienstjahren ein Abgang, den der „letzte Bundesliga-Macho“, als der Rudi Assauer vom Boulevard verehrt wird, psychisch nie so richtig verkraftet hat.
Weicher Kern
Denn hinter der oft rauen Schale steckt ein weicher Kern. Assauer blieb für die Öffentlichkeit zwar „Macho“, aber der unfreiwillige Rückzug von den Königsblauen, die er als eine Art Lebensaufgabe begriffen hatte, setzte ihm arg zu. Ob die Tätigkeit als Spielerberater, die viele Schlagzeilen produzierende Beziehung mit der Schauspielerin Simone Thomalla oder die völlig überraschende Hochzeit mit der 21 Jahre jüngeren Journalistin Britta im April 2011 – irgendwie wirkte Assauer immer so, als sei er auf der Suche und noch nicht angekommen.
Seit Anfang 2010 weiß Rudi Assauer, dass sein Lebensweg ihn vor eine ganz besondere Herausforderung, vor eine extrem schwere Prüfung stellt. Bei dem so unerschütterlich wirkenden Macher wurde Alzheimer diagnostiziert – im Anfangsstadium zwar, aber dennoch eine deprimierende Diagnose. Denn auch Assauers verstorbene Mutter litt unter dieser heimtückischen Krankheit, auch Assauers älterer Bruder hat Alzheimer.
Es ist die Diagnose, vor der Assauer in seinem Leben „am meisten Schiss“ hatte – das verrät er in seiner Autobiographie „Wie ausgewechselt – verblassende Erinnerungen an mein Leben“. Assauer hat sie gemeinsam mit Patrick Strasser geschrieben, einem Redakteur der Münchner Abendzeitung. Die Fertigstellung des im riva-Verlag erschienenen Buches gab nun den Startschuss für Assauers Gang an die Öffentlichkeit.
Behandlung in Essener Klinik
Schalkes Ex-Manager, der in einer Essener Klinik behandelt wird, will sich mit seiner Krankheit nicht länger verstecken, er sucht und findet die Öffentlichkeit. Am Freitag wird Rudi Assauer in der ZDF-Sendung „Volle Kanne“ erstmals öffentlich über seinen mutigen Kampf gegen das Vergessen reden, am 7. Februar zeigt das ZDF in der Sendung „37 Grad“ ein Assauer-Special und verspricht „bewegende Momente“.
Davon hatte Rudi Assauer genug in den vergangenen Jahren, auch ohne Schalke. Der Trennung von Simone Thomalla folgte ein schlagkräftiges öffentliches Nachspiel, auch von Ehefrau Britta lebt Rudi Assauer mittlerweile getrennt.
Während sie noch im zum Verkauf stehenden Haus in Gelsenkirchen-Buer wohnt, ist Rudi Assauer zu seiner Tochter Bettina nach Herten-Langenbochum gezogen. Es gibt traurige Episoden über Assauers schwindendes Erinnerungsvermögen, sie sollen hier nicht breitgetreten werden. Gute und schlechte Phasen wechseln sich verlässlich ab. Rudi Assauer fährt kein Auto mehr, auch Verträge schließt er angeblich nicht mehr alleine ab.
Treue Weggefährten
Was dem einstigen Machtmenschen geblieben sind, sind treue Weggefährten wie Tochter Bettina, Sekretärin Sabine Söldner und Huub Stevens – Schalkes Trainer hat in Assauers Buch das Vorwort geschrieben.
Clemens Tönnies sieht auch die gesamte Schalker Vereinsfamilie an Assauers Seite. „Ich war schockiert, als ich von dieser Nachricht erfuhr. Aus eigener Erfahrung im Freundeskreis weiß ich, was das für eine furchtbare Krankheit ist. Natürlich war ich mit Rudi gerade am Ende seiner Amtszeit nicht immer einer Meinung. Aber eins steht fest: Das hat die Schalke-Ikone Rudi Assauer nicht verdient“, so Tönnies gegenüber dem Medienhaus Bauer. Schalkes Aufsichtsratschef verspricht Rudi Assauer „die Unterstützung aller Schalker“.
Assauer wird selbst entscheiden wollen, ob er dieses Hilfsangebot annimmt. Es gilt, das Heft des Handelns so oft wie möglich selbst in der Hand zu halten. Gerade jetzt.
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