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Nach dem letzten Saisonspiel
Schalke 2015: Wut, Frust, Verzweiflung!

(Foto: Susanne Hein-Reipen)

Hamburg – Unter dem Motto Wohlfühloase 2.0 haben die Fans des FC Schalke 04 auch in Hamburg ein Zeichen gesetzt. Die Mannschaft auf dem Rasen hat dabei wieder einmal gezeigt, dass sie den Malochergeist nicht in sich trägt. Susanne Hein-Reipen war in Hamburg dabei und berichtet von einem Tag, der wohl lange in den Köpfen aller Beteiligten bleibt.

Beim letzten Heimspiel gegen Paderborn sorgte ein massiver Stimmungsboykott der Schalker Fans für Aufregung, nach dem Abpfiff gab es Beschimpfungen und eine kurzzeitige Blockade des VIP-Ausgangs, bis sich der Vorstand den aufgebrachten Fans stellte. Zwar gab Horst Heldt zu, dass er "Scheiße gebaut habe", Konsequenzen daraus waren jedoch in der folgenden Woche nicht zu erkennen. Der wegen seines ausgeprägten Drangs zur Eigen-PR vielfach kritisierte Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies nahm sogar eine neuerliche Einladung in den "Doppelpass" an.

Um noch einmal ein deutliches Zeichen zu setzen, dass sich sowohl auf sportlicher als auch vereinspolitischer Ebene etwas ändern muss, kündigten die Ultras Gelsenkirchen unter dem Motto "Wohlfühloase 2.0" auch für das letzte Gastspiel beim stark abstiegsgefährdeten HSV an, nur den Verein, nicht aber die Mannschaft zu unterstützen. Um das Anliegen, dass der Verein wichtiger ist als einzelnen Spieler und es ohne kämpferische Tugenden nicht geht, zu unterstützen, wurden die mitgereisten Fans gebeten, möglichst in alten Trikots von Spielern zu erscheinen, die den Malochergeist verinnerlicht hatten.

"Wir überleben dich"

Um es vorwegzunehmen: Das Spiel wurde ein neuerliches Fanal des bodenlosen Frustes, der die Königsblauen 2015 auszeichnet. Miesfühloase Schalke!

Bereits bei der Fanfete auf St. Pauli sieht man vereinzelt "Tönnies, wir überleben Dich!"-Sticker, die Enttäuschung über das Auftreten der Knappen ist allgegenwärtig. Sehr viele Schalker haben sich in die Trikots vergangener Tage und Helden gezwängt, auch wenn diese teilweise mehrere Nummer geschrumpft zu sein scheinen.

Im Stadion überspannt noch vor dem Einlaufen der Mannschaft ein riesiges "FC Schalke 04 - EINGETRAGENER VEREIN seit 1904"-Banner die komplette Gästekurve. Als die Schalker Spieler zum Warmmachen erscheinen, rühren sich lediglich sehr vereinzelte Hände zum Klatschen, auch die Spieler winken nur kurz und aus sicherer Entfernung zu den mitgereisten Fans hinüber, beide Seiten verspüren keinerlei Lust auf einen Schulterschluss.

Keine Erwartung und doch enttäuscht

Pünktlich zum Anpfiff zeigt ein Transparent "Wir für den E. V., nicht für Euch" die Marschroute der Kurve an, der "Support" ist entsprechend verhalten und besteht in erster Linie aus höhnischen "Ihr habt noch neunzig Minuten" und "nie mehr erste Liga, HSV"-Gesängen. Dazu werden weiße Taschentücher geschwenkt.

Ein weiteres Phänomen von Schalke in diesen Tagen: Auch wenn man keine Erwartungen mehr hat, kann man noch enttäuscht werden - die Schalker Mannschaft tritt erneut sehr schwach, leidenschaftslos und uninspiriert auf und baut so die zunächst sehr nervösen Gastgeber zunehmend auf. Passend dazu wird ein riesiges Spruchband "Wenn sie ehrlich zu sich selbst wären, würden sie zugeben, dass unser Verein unter ihnen nicht funktioniert!" in Richtung der Führungsriege entrollt. Für Dampfplauderer Tönnies gibt es dazu die klare Botschaft "CT: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Medienpräsenz einschränken!"

Der Halbzeitpfiff ist eine Erlösung für alle Beteiligten, die Schalker Kurve mittlerweile sogar schon zu lethargisch zum Pfeifen. Das Banner "Aufsichtsrat = Kontrollorgan; CT: Kontrollieren statt sich als Oberboss profilieren" löst mehr Anerkennung aus als der bisherige Spielverlauf, in dem die wenigen Schalker Möglichkeiten kläglich vergeben werden.

Totenstille...

Nach dem Doppelschlag durch Olic und Rajkovic zum 2:0 für den HSV ist der Ofen der Saison 2014/2015 für den Schalker Anhang dann endgültig aus: Totenstille breitet sich aus, selbst die beiden Vorsänger der UGE, sonst Garanten für unermüdliches Antreiben, legen vollkommen resigniert und fassungslos die Köpfe auf den Zaun. Das einzige Lebenszeichen der Schalker in Halbzeit 2 bleiben kurze "Absteiger!"- und "Huub Stevens, ohoho!"-Rufe, als sich die Stuttgarter Führung in Paderborn herumspricht.

Nach dem Schlusspfiff kommen die Schalker Spieler - der Begriff "Mannschaft" wäre hier zu hoch gegriffen - sehr zögernd und mit hängenden Köpfen auf die Kurve zu, wo sich geballte Wut und Frust entlädt: "Scheißmillionäre", "verpisst Euch" und "wir haben die Schnauze voll" wird ihnen aus verzerrten Gesichtern entgegen geschleudert, nicht selten untermalt mit hochgereckten Mittelfingern, drohenden Fäusten und Kopf-ab-Kehle-durch-Gesten.

Alles muss auf den Prüfstand

Und Millionäre hin, Millionäre her: Die Spieler sehen genauso unglücklich aus wie die Fans, hängende Köpfe, entsetzt aufgerissene Augen und zusammengepresste Lippen nicht nur bei den Youngstern zeigen: Wir wollen hier nur noch weg!

Und genau das macht die Situation der Königsblauen zur Zeit so gefährlich: Anders als bei den anderen "Krisen" der letzten zwanzig Jahre auf Schalke ist das Problem diesmal nicht punktuell einzugrenzen, der Rauswurf eines Trainers oder die Vertragsauflösung mit einem ungeliebten Sponsor reichen nicht aus. ALLE Ebenen des Vereins müssen dringend auf den Prüfstand.

Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass nur ein umfassender Neuanfang mit unverbrannten Gesichtern in Vorstand und Aufsichtsrat sowie ein spürbarer Umbau der Mannschaft die zunehmend rasantere Talfahrt stoppen können, doch dann droht ein gefährliches Machtvakuum: Nahezu alle, die zur Problemlösung beitragen könnten, sind zugleich Teil des Problems - und die Zeit drängt. Die JHV am 28. Juni droht ein Pulverfass zu werden und möglicherweise stehen bereits im Juli die Qualifikationsspiele zur Euroleague an.

Quo vadis, Schalke?!

 

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