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Ein halbes Jahr auf Schalke: Das große Zwischenzeugnis für Christian Heidel

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Gelsenkirchen – Der Januar ist traditionell der Monat der Zwischenzeugnisse. Susanne Hein-Reipen wirft einen Rückblick auf das erste halbe Jahr von Christian Heidel auf Schalke und stellt ihre Noten zur Diskussion.

Wenn der FSV Mainz 05 und der FC Schalke 04 Schulen wären, wäre Mainz eine grundsolide Realschule in einem beschaulichen Städtchen, in dem Schüler und Lehrer fernab von sozialen Brennpunkten ziemlich ungestört vor sich hin lernen können. Schalke aber wäre ein durchgeknalltes Schulzentrum, das nicht nur von der Grundschule bis zum Gymnasium alle Bildungsabschlüsse vermitteln und dabei Schüler aus 19,04 Ländern unter einen Hut bringen muss. Gleichzeitig müssen auch noch exzentrische Lehrer und äußerst anspruchsvolle Eltern bei Laune gehalten werden. Bewährt sich also jemand in Mainz, so dass er das Okay der Klassenkonferenz für eine weiterführende Schule bekommt, steht ihm trotz der gezeigten Leistungen mindestens ein kleiner Kulturschock bevor… 

Christian Heidel hat diesen Wechsel vor gut einem halben Jahr gewagt. Die Kopfnoten für ihn fallen sehr gut aus: Das Betragen ist stets einwandfrei und der jeweiligen Situation angemessen, er arbeitet auch vor 10 Uhr und am Wochenende fleißig an seiner neuen Aufgabe und macht insgesamt einen gut strukturierten Eindruck. Fazit: Nix zu meckern.

Entscheidend bei Managern bzw. Sportvorständen von Fußball-Bundesligisten sind aber ihre Darbietungen in den „Leistungsfächern“ Transfers und Konzept. Die Gesamtnote für Transfers setzt sich aus Einkäufen, Verkäufen und Vertragsverlängerungen zusammen. Der perfekte „Einkäufer“ findet dabei für kleines Geld Spieler, die der Mannschaft sofort weiterhelfen oder deren überragendes Talent das für die Zukunft erwarten lässt. Für Christian Heidel stehen in diesem Fach die Verpflichtungen von Breel Embolo  (22,5 Mio. Euro vom FC Basel), Benjamin Stambouli (8,5 Mio. Euro von Paris St. Germain), Coke (4 Mio. Euro vom FC Sevilla) und des ablösefreien Naldo vom VfL Wolfsburg zu Buche. Zudem wurden Nabil Bentaleb, Abdul Rahman Baba und Yevhen Konoplyanka für die laufende Saison ausgeliehen, genaue Vertragsdetails zu den Leihsummen und Kaufoptionen wurden nicht veröffentlicht. 

Die Bewertung ist schwierig, weil mit Embolo und Coke die Hälfte der fest Verpflichteten frühzeitig verletzt ausfiel. Embolo hatte im Spiel gegen Mönchengladbach sein Potential, aufgrund dessen halb Europa hinter ihm her war, aufblitzen lassen, wurde dann aber vom Augsburger Stafylidis mit einer brutalen Grätsche langfristig aus dem Spiel genommen. Coke zog sich ohne gegnerische Einwirkung im allersten Testspiel eine Kreuzbandverletzung zu. Beides unstreitig weder Heidels Schuld noch für ihn vor den Transfers absehbar, dennoch ist er insbesondere mit der Verpflichtung von Embolo – „Königstransfer“ und mit Abstand teuerster Einkauf der Schalker Vereinsgeschichte – ohne die Qualifikation für die Championsleague ein hohes finanzielles Risiko gegangen. 22,5 Millionen für einen gerade einmal 19jährigen sind für Schalke ein gewagtes Geschäft.

Die übrigen Transfers sind unterschiedlich gelungen, Naldo ist absoluter Stammspieler und solides Zentrum der Dreierkette, Stambouli konnte bislang die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen, befand sich aber zuletzt auf dem „aufsteigenden Ast“. Bentaleb hatte maßgeblichen Anteil am zwischenzeitlichen Schalker Höhenflug, seine Leihe ist ein Erfolg. Ob es zu einer dauerhaften Verpflichtung kommt und ob diese ggf. eine gute Managerleistung darstellt, hängt ebenso wie bei Baba und Konoplyanka von der letztlichen Kaufsumme ab – oder platt ausgedrückt: Teuer kaufen kann jeder. Konoplyanka kam nach sehr mäßigem Start zunehmend besser in Form, muss aber dringend an seiner Chancenverwertung arbeiten, zudem ist die für ihn kolportierte Ablösesumme hoch. Baba konnte bislang selten an die in Augsburg gezeigten Leistungen anknüpfen und hatte das „Pech“, dass Sead Kolasinac auf seiner Position teilweise herausragende Leistungen zeigte. Für einen Backup aber ist auch seine Ablösesumme zu hoch. Das Gesamturteil im Fach „Einkäufe“ lautet daher bislang befriedigend.

Fachverkäufer...

Etwas besser sieht es im Fach „Verkäufe“ aus: Auch wenn Leroy Sané ein „dankbarer“ Verkaufskandidat war, muss man erst einmal 50 Millionen für einen 19jährigen mit nicht einmal 50 Bundesligaspielen herausschlagen. Für die Höchstnote müsste Heidel auch schwerer vermittelbare Spieler mit hohen Bezügen wie beispielsweise Sidney Sam oder Junior Caicara „an den Mann bringen“.

Noch nicht bewertet werden kann die Leistung von Heidel bei den Vertragsverlängerungen. Angesichts der auslaufenden Verträge von Sead Kolasinac, Dennis Aogo, Eric Maxim Choupo-Moting und Klaas-Jan Huntelaar wird das gemeinsam mit sinnvollen und bezahlbaren Verstärkungen insbesondere im Sturm seine wichtigste Aufgabe in der Rückrunde sein. Erst dann ist eine Aussage möglich, ob die Transfers über das bislang gezeigte solide Mittelmaß hinausgehen.

Auch im zweiten Leistungskurs, der Implementierung eines Konzepts, einer kurz-, mittel- und langfristigen Strategie für Schalke, ist noch etwas „Luft nach oben“.  Heidels Aussagen beispielsweise zur  Trainersuche („der Trainer ist die wichtigste Person in einem Fußballverein“), den Funktionsräumen oder zur angestrebten Abkehr vom Image des Chaos-Clubs machen Hoffnung, dass auf Schalke künftig vernünftig agiert statt bisweilen ein wenig panisch reagiert und keine nicht zum bestehenden Kader passenden Trainer oder Spieler mehr verpflichtet werden. Für eine bessere Note als die bisherige „Zwei Minus“ muss dieses Konzept auch Früchte tragen. Das lässt sich in einem Verein wie Schalke, der in den letzten 20 Jahren nahezu durchgängig europäisch gespielt hat, nur durch die erneute Qualifikationen für einen internationalen Wettbewerb erreichen. 

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